++ HANDOUT ++ LANGJÄHRIGER SPAR-CHEF ÜBERGIBT VORSITZ AN FRITZ POPPMEIER

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Wirtschaft
05/10/2022

Spar-Chef Poppmeier: "Das Klopapier ist bei uns der Panik-Index"

Der Chef der Handelskette spricht sich gegen eine Mehrwertsteuersenkung für Lebensmittel aus und sieht die Warenversorgung als gesichert.

von Thomas Pressberger

Von den Überlegungen der SPÖ und der Gewerkschaft, die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel wegen der aktuellen Teuerung zu senken, hält Spar-Vorstandsvorsitzender Fritz Poppmeier nichts. „Das wäre falsch. Dadurch würde nur ein irrer Verwaltungsaufwand für die Händler entstehen.“

Schwer zu unterscheiden

Auch wenn man die Steuerentlastung nur für Grundnahrungsmittel einführen würde, würde sich die Frage stellen: Was sind Grundnahrungsmittel? Trüffel-Nudeln nicht, normale Nudeln schon? Bei den unzähligen Produkten im Lebensmittelhandel wäre das kaum bewältigbar.

Außerdem würde es, sobald die Preise niedriger wären, sofort zu Hamsterkäufen kommen – was für Händler ebenfalls einen enormen Druck bedeuten würde.

Wenn dann, in ein paar Monaten, die Mehrwertsteuersenkung wieder aufgehoben werde, würde es kurz davor wieder zu Hamsterkäufen und erneut zu einem Inflationsschub kommen, glaubt Poppmeier. „Das wäre kontraproduktiv.“

Keine leeren Regale

Leere Regale, wie zum Beispiel bei Speiseöl in Deutschland, befürchtet der Spar-Chef in Österreich nicht. Die Ukraine sei ein großer Produzent von Pflanzenöl, Deutschland würde Öl von dort beziehen. „Wir kaufen Pflanzenöl in Österreich, daher sind wir da nicht unter Druck.“

Derartige Produkte seien deshalb bei deutschen Diskontern teurer als bei Spar. Nur in grenznahen Regionen käme man teilweise unter Druck. Sehr groß scheint die Angst vor Verknappungen bei den Österreichern aber ohnehin noch nicht zu sein. „Das Klopapier ist bei uns der Panik-Index“, sagt Poppmeier.

Wenn die Nachfrage nach Klopapier nach oben gehe, dann seien die Leute verunsichert. Derzeit sei das noch nicht der Fall. Das sei auch nicht nötig, denn die Warenversorgung sei gesichert.

Ohne Gas keine Milch

Das gilt zumindest für den Lebensmittelbereich. Bei Waren außerhalb des Lebensmittelbereichs sieht das anders aus. Durch den Lockdown in Schanghai ist der dortige Hafen, der größte Umschlagplatz der Welt, gesperrt, wodurch viele Produkte in Europa zu Mangelwaren werden.

Das spüren sowohl die Interspar-Märkte, die Spar-Sporthandelskette Hervis sowie die zu Spar gehörenden Einkaufszentren. Betroffen sind vor allem Elektroartikel, Bekleidung, Schuhe oder Ersatzteile für Fahrräder.

Viel größere Probleme würden aber auf Österreich zukommen, wenn wegen des Krieges in der Ukraine das Gas abgedreht wird, sagt Poppmeier: „Gas wird in vielen Produktionen verwendet und ist nicht ersetzbar.“ Produkte wie Milch und Fleisch würden sofort fehlen, Milch gäbe es dann sogar kurzfristig nicht mehr.

Bio treu bleiben

Gas sei wichtig für die Pasteurisierung, das Erhitzen und Kühlen von Produkten. Auf Öl umzusteigen sei auch nicht erstrebenswert. Daher sei es jetzt umso wichtiger, die Gasspeicher so rasch wie möglich zu füllen, mahnt Poppmeier. Man müsse die Zeit nutzen und sich Gedanken machen, wie man aus fossilen Energieträgern aussteigen könne.

Dass es zu einer Verknappung von Lebensmitteln kommen könnte, glaubt der Spar-Chef trotz allem nicht. Natürlich wisse man nicht, ob es Missernten geben werde oder wie der Krieg in der Ukraine weitergehe, doch derzeit sehe es gut aus. Nachwirkungen der Corona-Pandemie könnten allerdings als Preistreiber wirken und Energie- und Transportkosten weiter steigen.

Vom Vorschlag, auf Bio-Produktion – die mehr Flächen benötigen – vorübergehend zu verzichten und mehr auf konventionellen Anbau überzugehen um die Erträge zu steigern, hält der Spar-Chef nichts: „Nein, wir weichen von unseren Prinzipien nicht ab.“ Und das, auch wenn man die Lager nur mit haltbaren Produkten, nicht aber mit regionalen Frischeprodukten füllen könne.

Nach dem Rücktritt von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger erwartet sich Poppmeier von ihrem Nachfolger Norbert Totschnig Gespräche „auf Augenhöhe“, und, dass nicht nur in Überschriften diskutiert wird, sondern es zu einer guten Umsetzung im Sinne des Handels und der Bauern kommt.

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