© DPA-ZENTRALBILD/PATRICK PLEUL

Wirtschaft
09/14/2021

Bald leere Regale? In Österreich fehlen bereits Tausende Lkw-Fahrer

Nicht nur in Großbritannien: Auch hierzulande gehen langsam aber sicher die Lkw-Lenker aus. Die Nahversorgung ist langfristig in Gefahr.

von Wolfgang Unterhuber

In Großbritannien bleiben schon seit längerem Regale leer, weil unter anderem wegen des Brexit Lkw-Fahrer fehlen.

Laut Branchenverband Road Haulage Association hat Großbritannien derzeit rund 100.000 Fahrer zu wenig.

In Deutschland droht eine ähnliche Entwicklung. Dort fehlen zwischen 60.000 und 80.000 Fahrer.

Dirk Engelhardt vom Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung schlug am Freitag Alarm: „Wir warnen davor, dass wir in Westeuropa sehenden Auges in einen Versorgungskollaps laufen.“

„Versorgungsengpass“

Auch in Österreich warnt die Branche jetzt vor einem „Versorgungsengpass“, falls die Waren mangels Lkw-Fahrer einfach nicht mehr pünktlich zugestellt werden können.

Alexander Klacska

„Es fehlen hierzulande bereits an die 5.000 bis 8.000 Lkw-Fahrer“, sagt Alexander Klacska, Bundesspartenobmann Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer.

Das Problem liege aber nicht im Fernverkehr wie primär in Deutschland. „Die Lage ist bei uns schlimmer als in Deutschland. Denn bei uns fehlen die Leute im täglichen Nahverkehr. Das betrifft also die unmittelbare Nahversorgung.“

Insgesamt 100.000 Lkw-Fahrer gibt es in Österreich. Die Zukunft sieht nicht rosig aus. Denn gut 20 Prozent der Lkw-Fahrer wird in den kommenden zehn Jahren in Pension gehen.

Klacska: „Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2030 gut 20.000 bis 30.000 Fahrer fehlen werden.“

Lücken im Supermarkt-Regal, Milchbauern, die auf ihrer Milch sitzen bleiben, fehlende Möbel bei Ikea und Co. und in Kläranlagen keine wichtigen Chemikalien: Bilder, die wir derzeit aus Großbritannien kennen, könnten also auch bei uns Realität werden.

Schlechtes Image

Denn aus Osteuropa kommen keine neuen Fahrer mehr. Und generell hat der Job des Lkw-Fahrers ein schlechtes Image. Die Bezahlung sei schlecht.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei nicht gegeben und zudem werden Lastwagen oft als große und laute Umweltverschmutzer wahrgenommen.

Dabei werden derzeit allein in der niederösterreichischen Transportwirtschaft 77 Prozent aller geplanten Neuinvestments in Umweltmaßnahmen investiert. Das zeigte unlängst das aktuelle Wirtschaftsbarometer der WKÖ (der KURIER berichtete).

Die Bezahlung beginnt entsprechend dem Kollektivvertrag bei rund 1.600 Euro brutto.

Später könne man sich mit dem Einkommen als Lkw-Fahrer, wie Klacska sagt, „bei entsprechendem Engagement durchaus ein Haus bauen“.

Und im Nahverkehr sei auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gegeben.

Lkw-Schein mit 17

Als eine Hauptursache für den Fahrermangel sieht Klacska die Ausbildung. „Uns fehlt das duale System.“

Einmal mehr fordert er daher, dass bereits mit 17 Jahren der Lkw-Führerschein gemacht werden kann – allerdings mit zusätzlichen 30.000 Kilometern begleitetem Fahren.

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