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01/11/2022

Rekordinvestment: Was GoStudent mit 300 Millionen Euro macht

Wiener Nachhilfe-Plattform sammelte Rekordsumme bei ausländischen Geldgebern ein. Gründer Felix Ohswald verriet dem KURIER, was er damit vorhat.

von Anita Staudacher

Die Summe sorgt für einen „Wow-Moment“ in der heimischen Start-up-Szene: Namhafte ausländische Geldgeber wie der niederländische Technologieinvestor Prosus, der chinesische Internet-Riese Tencent, die japanische Softbank sowie die Deutsche Telekom stellen dem Wiener Nachhilfe-Start-up GoStudent insgesamt 300 Millionen Euro an Wachstumskapital zur Verfügung. Noch nie hat ein heimisches Unternehmen so viel Geld bei ausländischen Investoren eingesammelt.

Die erst vor sechs Jahren von Felix Ohswald und Gregor Müller gegründete Lernplattform, die in insgesamt 22 Ländern Online-Einzel-Nachhilfestunden vermittelt, kommt so auf eine Firmenbewertung von drei Milliarden Euro. Die Wiener sind damit das derzeit am höchsten bewertete so genannte EdTech-Unternehmen Europas und wertvoller als viele ATX-Konzerne wie etwa AT&S, die Post oder UNIQA.

GoStudent verbindet in aktuell 20 Ländern Schüler im Live-Videogespräch mit Nachhilfelehrern. Mit einer Bewertung von 3 Mrd. Euro ist die 2016 gegründete Firma  die europaweit teuerste  im digitalen Bildungsbereich (EdTech)

1.500 Mitarbeiter
werden beschäftigt, davon 400  in Österreich. Bis Jahresende sollen es 800 sein. 15.000 Nachhilfelehrkräfte bieten ihre Dienste über GoStudent an. Der  Außenumsatz beträgt rund 30 Mio. Euro,   die Gewinnzone ist noch nicht erreicht. Die beiden Gründer Felix Ohswald und Gregor Müller hielten über Stiftungen zuletzt noch rund 20 Prozent am Unternehmen.

„Es ist jetzt mehr als genug Geld da, um erwachsen zu werden“, kommentiert Firmengründer und Vorstandschef Felix Ohswald den neuerlichen Geldregen gegenüber dem KURIER. Bereits im Vorjahr brachte eine Finanzierungsrunde 205 Mio. Euro ein und machte das Unternehmen zum „Einhorn“. So werden Start-ups genannt, die mehr als eine Milliarde Dollar wert sind.

„Mit gut gepolsterten Cash-Reserven“ will Ohswald die internationale Expansion der Plattform vorantreiben. Heuer sollen mindestens sechs neue Märkte erschlossen werden, darunter Regionen wie die USA, Asien-Pazifik und die MENA-Region (Middle East & North Africa). Erklärtes Ziel des Austro-Einhorns ist es, die größte „globale Schule“ im Internet aufzubauen. Im Vorjahr expandierte GoStudent in 16 Länder, darunter auch Überseemärkte wie Kanada und Mexiko, und eröffnete 19 internationale Standorte.

Im Fokus stehen zudem weitere Firmenübernahmen, um das Bildungsangebot von der reinen Nachhilfe in Richtung Schule auszuweiten. „Wir sehen, dass der Vormittagsmarkt mit dem Nachmittagsmarkt immer mehr zusammenwächst“, sagt Ohswald. Um in die Klassenzimmer einzuziehen, wurde im Vorjahr die heimische Firma Fox Education übernommen, deren Schulkommunikations-App Schoolfox bereits in vielen Schulen eingesetzt wird.

Digitalisierungsschub

Die Corona-Pandemie und der damit verbundene Digitalisierungsschub im Bildungsbereich habe der Plattform sicher Rückwind gegeben, meint der GoStudent-Gründer. „Digitale Tools werden im schulischen Bereich heute ganz selbstverständlich eingesetzt, das wird sich noch beschleunigen.“ Allerdings sei durch die Pandemie der private Nachhilfemarkt etwas eingebrochen, weil die Schulen coronabedingt weniger Druck auf die Schüler ausgeübt hätten.

GoStudent verbindet Schüler im Live-Videogespräch mit ausgewählten Nachhilfelehrern. Die Zahl der monatlich über die Plattform gebuchten Nachhilfestunden habe Ende des Jahres die 1,5-Millionen-Marke überschritten und sich damit binnen eines Jahres verzehnfacht, berichtet Ohswald. Das Netz umfasst 15.000 Nachhilfelehrerinnen und -lehrer. Der Preis für eine Stunde beträgt im Schnitt 23 Euro. GoStudent schneidet bei jeder Stunde mit. Profitabel ist das Geschäft allerdings noch nicht. Mit den Investoren im Rücken gibt es derzeit nur eine Devise: Wachstum.

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