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Wirtschaft
12/30/2021

2021 brachte Rekordsumme bei Investments in Start-ups

Gesamtwert der Investitionen hat sich heuer fast vervierfacht. Mehr als die Hälfte des Investitionskapitals entfiel auf zwei Start-ups.

von Anita Kiefer

Mehr als 1,2 Milliarden Euro. Diese Summe an Risikokapital floss allein heuer in österreichische Start-ups. Das ist ein absoluter Rekord - nämlich das fast Vierfache der Investitionssumme, die rot-weiß-rote Start-ups im Vorjahr 2020 erhielten. Und: Heuer ist mehr Risikokapital geflossen als in allen Jahren seit 2015 gesamt. Das ergab das aktuelle Start-up-Barometer von EY.

Mehr als die Hälfte davon erhielten aber zwei Start-ups: Bitpanda, die österreichische Handelsplattform für digitale Assets, und die Nachhilfe-Plattform GoStudent. Beide Start-ups haben es heuer zu einer Milliardenbewertung gebracht, sind also sogenannte Unicorns, Einhörner, geworden. Gemeinsam erhielten sie rund 652 Millionen Euro an Finanzierungen. Die beiden sind übrigens auch die ersten österreichischen Unicorns - ein weiterer Rekord für 2021. Weltweit gibt es aktuell über 1.600 Einhörner.

Heimische Unicorns

Beide Austro-Unicorns sind auch zwei Mal in den Top-8-Finanzierungen in Wien ansässiger Start-ups vertreten: Allein Bitpanda holte sich gerundet 226 Millionen Euro und 141 Millionen Euro, also gesamt fast 370 Millionen Euro. Bei GoStudent waren es rund 205 Millionen Euro und 70 Millionen Euro, also über 270 Millionen Euro im gesamten Jahr.

Bitpanda und GoStudent waren allein ob ihres Unicorn-Status heuer ohnehin in aller Munde. Im Start-up-Ranking des Magazins trend thronen die beiden Start-ups ebenso auf Platz eins bzw. zwei. Auf Platz drei rangiert Adverity, das nach Bitpanda und GoStudent mit 102 Millionen Euro auch die viertgrößte Finanzierungsrunde laut EY-Start-up-Barometer an Land ziehen konnte. Adverity ist eine Marketing-Analyse-Plattform.

Weniger Finanzierungsrunden

Rückläufig ist hingegen die Zahl der Finanzierungsrunden. Die ging 2021 gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent auf exakt 122 zurück. Das ist laut EY aber noch immer der zweithöchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen dazu im Jahr 2015. Und: Allein die sechs größten Finanzierungsrunden heuer brachten den jeweiligen Start-ups über zwei Drittel der Gesamtfinanzierungssumme ein.

Noch ein paar Fakten: Der Großteil der Gesamt-Finanzierungssumme entfiel auf Start-ups, die in Wien ansässig sind (fast 90 Prozent). Auf Platz zwei kommen weit abgeschlagen die Start-ups aus der Steiermark mit einem Marktanteil von rund sechs Prozent. Finanzierungsstärkster Monat war der August. Das durchschnittliche Volumen der Deals hat sich von 4,5 Millionen Euro im Jahr 2020 auf zwölf Millionen Euro heuer fast verdreifacht.

Die meisten Finanzierungsrunden gab es 2021 übrigens wie im Vorjahr im Bereich Software & Analytics. Dieser Bereich umfasst Start-ups mit neuen Technologien. Dahinter liegt der Bereich e-commerce, gefolgt vom Gesundheitsbereich. Nach Finanzierungssumme lag der Bereich FinTechs vorne, gefolgt von Bildung sowie Software & Analytics.

Luft nach oben

Auch wenn die Entwicklung in eine erfreuliche Richtung geht, gebe es noch viel Potenzial, sagt Florian Haas, Leiter des Start-up-Ökosystems bei EY Österreich: "Die Bewertungen heimischer Start-ups haben sich im vergangenen Jahr dem Niveau von Top-Start-up-Standorten angenähert, sind aber immer noch vergleichsweise niedrig. Österreich ist in puncto Finanzierungsvolumen knapp an die Top-10-Standorte in Europa herangerückt. Dennoch verzeichnen starke Start-up-Hubs mit vergleichbarer Einwohnerzahl wie Schweden und Finnland immer noch deutlich größere Runden. Das Ende der Fahnenstange für das österreichische Start-up-Ökosystem ist auch in diesem Rekordjahr noch lange nicht erreicht."

Als Gründe für die gute Entwicklung auch in Österreich nennt EY: Es sei ohnehin viel Liquidität im Markt, außerdem wurde noch nie so viel in Start-ups investiert. "Am stärksten ist der Anstieg 2021 in Europa gewesen, da die Bewertungen immer noch deutlich niedriger als beispielsweise im Silicon Valley sind, während die Renditen in Europa höher sind", so Haas. Dritter Grund: Neue, disruptive Geschäftsmodelle etwa aus den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind gefragt.

Forderungen

In diesem Zusammenhang fordert Haas für Österreich grundlegende Maßnahmen, um das Unternehmertum attraktiver zu machen. Außerdem gelte es, die "Rahmenbedingungen für Gründer:innen, Investor:innen und Start-up-Mitarbeiter:innen zu verbessern." Denn es gelte, das positive Momentum in Hinblick auf die Start-up-Szene in einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil umzumünzen, betont Haas.

EY ist eine führende Prüfungs- und Beratungsorganisation in Österreich. Das Start-up-Barometer Österreich von EY wird seit 2015 erhoben. Berücksichtigt werden für die Auflistung Unternehmen, deren Hauptsitz in Österreich ist und die vor maximal zehn Jahren gegründet wurden.

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