© Kurier/Gilbert Novy

08/18/2020

Schlecht gewappnet in Corona-Zeiten: Die fünf größten AMS-Baustellen

Analyse: Zu wenig Personal, veraltete IT, lähmende Struktur: Das AMS ist für die größte Jobkrise der 2. Republik schlecht vorbereitet. Das sind die fünf größten Baustellen des AMS.

von Anita Staudacher

Die Total-Reform des AMS hätte eigentlich schon vor zwei Jahren beginnen sollen. Kanzler Sebastian Kurz berief dazu eine eigene Taskforce ein. Seither ist bis auf viele entbehrliche Polit-Debatten über Zumutbarkeit, Arbeitslosengeld etc. wenig geschehen. Die Folge: Durch jahrelangen Reformstau ist das AMS in keinem guten Zustand und für die riesigen Herausforderungen der Rekord-Arbeitslosigkeit denkbar schlecht gewappnet. Die aktuelle Personalnot ist da nur eine Baustelle von vielen. Ein Überblick:

- Akuter Personalmangel

Der Betriebsrat schlug am Wochenende via KURIER Alarm: Die Zahl der Arbeitslosen, sprich AMS-Kunden, schnellte um ein Drittel in die Höhe, dazu kommt eine halbe Million Beschäftigte in Kurzarbeit, die über das AMS abgewickelt wird. Wie soll sich das mit dem bestehenden Personalstand ausgehen? Externe Aushilfen sind höchstens eine Linderung, keine Lösung. Ab Herbst bräuchte es laut Betriebsrat mindestens 650 Berater mehr. Experten rechnen im Winter mit einem neuen Höhepunkt der Arbeitslosenzahlen. Die AMS-Personalpolitik hätte dafür längst Vorsorgen treffen müssen.
 

- Veraltete IT

Die Digitalisierung macht um das AMS einen großen Bogen. Die IT-Infrastruktur ist ein Flickwerk, das offenbar von niemanden mehr zu entwirren ist und so unnötig Mehrkosten verursacht. Nach dem Desaster um Outsourcing-Partner IBM versucht das Bundesrechenzentrum (BRZ) den laufenden Betrieb irgendwie aufrecht zu erhalten. eAM Konto und Job-App erleichtern zwar die Stellensuche, die Systematik dahinter ist veraltet. Eine zeitgemäße Jobvermittlung über eine sogenannte „Skill Matching Plattform“ harrt seit 2015 der Umsetzung. Die Folge sind unnötige Reibungsverluste.

- Umstrittener Algorithmus

Trotz maroder IT sollte heuer „künstliche Intelligenz“ in Form eines Algorithmus die AMS-Berater entlasten und Arbeitslose aufgrund ihrer Profildaten automatisiert in drei Vermittlungsklassen einteilen. Je nach Arbeitsmarktchance erhält jemand mehr oder weniger Betreuung/Förderung. Das „Drei-Klassen-System“ sorgte für heftige Kritik von Datenschützern und Zivilgesellschaft. Jetzt zeigt sich: Bei unvorhersehbaren Ereignissen wie Corona ist der Algorithmus wenig hilfreich, weil sich Arbeitsmarktchancen rasend schnell verändern. Das Projekt wurde auf 2021 verschoben. Bisher hat es vor allem Kosten verursacht.

- Zähe Kurs-Bürokratie

Das AMS ist zur größten Bildungsdrehscheibe des Landes mutiert. Die Schulungsmaschinerie nährt hunderte Bildungseinrichtungen mit Tausenden Beschäftigen. Sie ist aber durch zig Gesetze und Vorschriften träge und schwerfällig geworden. Auflagen wie Gender Mainstreaming, Diversity-Management, Trainer-Zertifizierungen etc. schufen ein Bürokratiemonster, das rasches Handeln auf den Bedarf der Wirtschaft verhindert. Die Regierung will jetzt eine eigene Corona-Arbeitsstiftung für 100.000 Arbeitslose unterschiedlichster Qualifikationen einrichten. Eine Herkulesaufgabe, die unter diesen Umständen lange Vorlaufzeiten benötigt und viele Ressourcen bindet.

- Föderale Kleinkrämerei

Die AMS-Struktur mit einer Bundes- , neun Landes- sowie 98 Regionalorganisationen erschwert rasche Entscheidungen und verhindert nicht zuletzt durch politischen Einfluss, dass alle an einem Strang ziehen. So scheitert die überregionale Job-Vermittlung nicht selten an den Landesgrenzen oder der Föderalismus treibt eigene Blüten wie zuletzt in Niederösterreich. Das AMS NÖ geht eigene Wege und stellte mit schnellestelle.info kürzlich eine eigene Vermittlungskampagne vor. Warum nur dort? Pläne zu einer besseren Steuerung des AMS legte der Rechnungshof schon vor Jahren vor. Auch die vollständige Ausgliederung in eine GmbH wäre eine Möglichkeit, die die Sozialpartner aber ablehnen. Sie würden an Einfluss verlieren.

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