AMS-Chef Johannes Kopf hält Algorithmus für sinnvoll

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Einstufungen
11/28/2019

Neuer AMS-Algorithmus: Fehlerquote bei 20 Prozent

Testläufe aus AMS-Sicht dennoch erfolgreich. Kopf: „Niemand landet auf dem Abstellgleis“

von Anita Staudacher

Wenn es um die Einschätzung von Arbeitsmarkt-Chancen geht, ist der Mensch der Maschine doch noch überlegen. Dies zeigt sich jedenfalls bei den Pilotprojekten zur Einführung des neuen, umstrittenen AMS-Algorithmus bei der Jobvermittlung.

Bis Mitte nächsten Jahres soll das Arbeitsmarktchancen-Assistenzsystem, wie der Algorithmus offiziell genannt wird, österreichweit in Vollbetrieb gehen. Eine Software stuft dabei Jobsuchende anhand diverser Indikatoren (Alter, Ausbildung, Dauer der Beschäftigung etc.) in drei Kategorien: hohe, mittlere oder niedrige Arbeitsmarktchancen. Die bisherigen Tests liefen nicht immer ganz reibungslos, wie der KURIER berichtete.

Laut AMS-Angaben schätzte der Algorithmus die Arbeitslosen bisher zu 80 Prozent richtig ein. „Erfahrene AMS-Berater kamen auf eine Treffergenauigkeit von 95 Prozent“, berichtet Roland Sauer, Vorsitzender des AMS-Verwaltungsrates. Der Grund: Die Berater würden auch diverse Soft Skills wie Auftreten etc. mit berücksichtigen. „Jede Ersteinstufung wird mit dem Arbeitslosen besprochen“, betont Sauer.

Die Letztentscheidung, in welche Stufe jemand eingeteilt werde, liege beim Berater. Dieser könne jederzeit in eine höhere Kategorie umstufen, wenn sich die Arbeitsmarktchancen verbessern – etwa nach einer Schulung. Eine Abstufung in die niedrigste Kategorie ist nur nach einem vorherigen Perspektivencheck möglich. Hier wurde eine Hürde eingebaut, um zu verhindern, dass sich ein AMS-Berater einfach Zeit und Arbeit ersparen will. Weil sich die Arbeitsmarktchancen rasch ändern können, rechnet das AMS durchaus mit vielen Umstufungen.

Rasche Vermittlung

Ziel des Algorithmus ist eine möglichst rasche, effiziente Vermittlung. „Es geht darum, herauszufinden, wer braucht was?“ sagt AMS-Vorstand Johannes Kopf. Jene mit hohen Arbeitsmarktchancen will er erst gar nicht beim AMS sehen, jene mit mittleren Arbeitsmarktchancen erhalten hingegen eine intensivere Betreuung. Sie müssen sich künftig monatlich beim AMS melden.

Eigene Beratung und Betreuung

Arbeitslose mit den schlechtesten Jobchancen erhalten Unterstützung bei eigenen Beratungs- und Betreuungseinrichtungen wie it-works Personalservice in Wien. Hier wird ein Bündel an Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen angeboten. „Niemand landet auf dem Abstellgleis“, verspricht Kopf. Die Teilnahme an den Beratungsprogrammen bei it-works ist abgesehen vom Infotag nicht verpflichtend. Während des bis zu einjährigen Programms müssen sich die Teilnehmer aber nicht beim AMS melden. Wer das Angebot ablehnt, landet wieder beim AMS.