Die größten Probleme der Windkraft: Genehmigungen, Netze, Trump

Wind farm in southern France
Verbände kritisieren US-Präsident Trumps Behauptungen in Davos und drängen auf schnellere Genehmigungen, um fossile Importe zu reduzieren.

Zusammenfassung

  • Genehmigungsverfahren, Netzausbau und Elektrifizierung bremsen den Windkraft-Ausbau in Österreich trotz großer Projekt-Warteschlange.
  • Windkraftverbände widersprechen Trumps Kritik und betonen die Bedeutung erneuerbarer Energien für Unabhängigkeit, Wertschöpfung und Jobs.
  • Das neue ElWG bringt Erleichterungen, während die EU mit einem "Electrification Action Plan" die Umstellung auf elektrische Energie vorantreiben will.

"In Europa gibt es überall Windräder und sie sind Verlierer. Je mehr Windräder ein Land hat, desto mehr Geld verliert es." Bei der Rede von US-Präsident Donald Trump am Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos bekam eine ganze Branche gehörig ihr Fett ab. Der heimische Verband IG Windkraft und seine europäische Dachorganisation WindEurope wollen das aber nicht auf sich sitzen lassen.

Erneuerbare Energie bringt mehr Unabhängigkeit

"Jede Kilowattstunde Wind ist eine kWh weniger Öl und Gas, die Trump gerne nach Europa exportieren würde", sagt Florian Maringer, Geschäftsführer der IG Windkraft. Erneuerbare Energie senke den Strompreis und sorge für mehr Unabhängigkeit. Bei Erdgas hingegen sei Europa gerade dabei, "einen Despoten mit einem anderen zu ersetzen" (Putin mit Trump).

Für fossile Importe "wird viel Geld verschenkt"

Das Gegenteil dessen, was Trump sage, sei der Fall, meint auch Christoph Zipf von WindEurope. "Windenergie ist ein Garant für Energiesicherheit und Wettbewerbsfähigkeit." 2024 gab Europa fast 400 Milliarden Euro für fossile Energieimporte aus. "Da wird viel Geld verschenkt", sagt Zipf. Mit Windkraft erzeuge man dagegen Wertschöpfung am eigenen Kontinent. "Heute sorgt die Windenergie für 450.000 Jobs. Bis 2030 werden es 600.000 sein. Es ist eine Wachstumsbranche, sie hilft unserer Industrie."

Christoph Zipf (li.) und Florian Maringer bei der Pressekonferenz am Donnerstag.

Christoph Zipf (li.) und Florian Maringer bei der gemeinsamen Pressekonferenz am Donnerstag.

Österreich hat bei Wind einige "Hidden Champions"

In Österreich sei vielen Menschen nicht bewusst, welche "Hidden Champions" das Land in der Windenergie besitzt, merkt Maringer an. "Das globale Zentrum für Transformatoren steht bei Siemens in Weiz, jenes für Kugelllager bei SKF in Steyr."

Der europäische Champion beim Windkraft-Ausbau sei eindeutig Deutschland, so Zipf. "Man sieht dort, was möglich ist, wenn politischer Willen da ist." Genehmigungen für Windkraftprojekte würden dadurch viel schneller "angeschoben". In Österreich höre man laut Maringer oft: "Die Ausbauziele können wir gar nicht erreichen. Das ist so ein Austriakum. Vielleicht haben wir deshalb alle Fitness-Center-Abos, die wir nicht nutzen."

Genehmigungen für Windkraftprojekte dauern zu lange

Tatsächlich stecke eine Vielzahl von Projekten in Genehmigungsverfahren fest. In Summe kämen sie auf eine Erzeugungsleistung von 3.405 Megawatt. Gemessen an rund 4.200 MW bestehender Windkraftleistung entspreche das mehr als drei Viertel des heutigen Bestandes. Theoretisch gäbe es viel verfügbare Kapazität für Projekte, auch in den Bergen im Westen des Landes. 2025 sind in Österreich 48 Windkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 285,3 Megawatt errichtet worden. 2026 werden 44 Anlagen mit 251 MW Leistung erwartet.

Die installierte Leistung und die Anzahl der Windkraftanlagen in Österreich.

Die installierte Leistung und die Anzahl der Windkraftanlagen in Österreich.

ElWG bringt Erleichterung durch Klarheit

Neben langwierigen Genehmigungsverfahren - für die Maringer angesichts der behördlichen Personalausstattung auch Verständnis zeigt - seien der langsame Stromnetzausbau und die langsame Elektrifizierung (etwa von Mobilität und Industrie) für die Windkraft problematisch. Die Finanzierung von Projekten sei dagegen relativ unproblematisch. Eine Erleichterung bringe auch das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG), weil es in vielen Punkten Klarheit schaffe, für die es seitens Banken bisher Risikoaufschläge gegeben habe.

Stromverbrauch soll in Einklang gebracht werden

Zur Elektrifizierung werde die EU bald einen neuen "Electrification Action Plan" hervorbringen, kündigt Zipf an. Er soll z.B. dafür sorgen, dass Industrieunternehmen ihre Prozesse von fossiler auf elektrische Energie umstellen und dadurch den Stromverbrauch in Einklang mit dem Erneuerbaren-Ausbau bringen. Der verstärkte Kraftwerksbau in Europa sei laut Maringer ermutigend, auch wenn China derzeit den Rest der Welt weit abhänge: "Das ist die Infrastruktur, die uns morgen den Status als Industrienation sichert."

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