Wirtschaft
12.12.2017

Pikante Millionen-Pleite von Toni's Freilandeier

Die TONI’S Handels-GmbH mit Sitz in Knittelfeld schlitterte mit fast zwölf Millionen Euro Schulden in die Pleite. Sanierungsmanager macht Firmengründer Toni Hubmann schwere Vorwürfe.

Mit dem Weihnachtsgeschäft wird das eher nichts mehr: Die TONI’S Handels-GmbH mit Sitz in Knittelfeld hat einen Konkursantrag beim Landesgericht Leoben eingebracht. Das bestätigen die Gläubigerschutzverbände Creditreform und KSV1870 dem KURIER. 38 Mitarbeiter sind von der Pleite betroffen. Sie wurden beim Frühwarnsystem des AMS zur Kündigung angemeldet. Die Oktober-Löhne und -Gehälter wurden laut AKV noch bezahlt. Das Unternehmen sitzt auf einem hohen Schuldenberg, der fast einen Jahresumsatz ausmacht. Das Unternehmen um Gründer Anton "Toni" Hubmann soll aber fortgeführt werden - zumindest kurzfristig bis sich ein Käufer findet.

Der Hintergrund

Das Unternehmen wurde 1988 von Toni Hubmann in Glein bei Knittelfeld gegründet und befasst sich mit dem Handel von Freilandeiern. Damals errichtete Hubmann auf dem elterlichen Bauernhof einen Hühnerstall. Vor allem ging es dabei um die Verbesserung der Haltungsbedingungen. Später konnte Hubmann mehrere bäuerliche Betriebe als Partner gewinnen. Zuletzt betrieb Hubmann fünf Freilandställe für Biohühner und wurde ursprünglich von rund 110 Partnern ( 220.000 Legehennen) mit Eiern beliefert. Zuletzt waren es nur noch rund 80 Lieferanten. Jährlich kamen so rund 40 bis 50 Millionen Eier unter der Marke Toni' s Freilandeier in den Handel. Der Marktanteil bei Schalenei beträgt sechs Prozent. Gewerberechtlicher Handels-Geschäftsführer ist Thomas Lanik, gewerberechtliche Geschäftsführerin (Werbeagentur) ist Barbara Hubmann.

Der Strafprozess

Nach einem Strafprozess gegen Hubmann wegen Malversationen rund um die Eier kam es zu deutlichen Umsatzeinbußen. Betrug der Umsatz im Jahr 2014 noch 15,073 Millionen Euro, so sank er im Vorjahr auf 12,9 Millionen Euro. 2016 wurde ein Verlust in Höhe von 619.000 Euro eingefahren, im Jahr davor waren es sogar 1,4 Millionen Euro.

Zugleich hatte er seinen Partnern die Abnahme faktisch garantiert. Hubmann musste die Reißleine ziehen und beauftragte im Juli 2015 den Sanierungsmanager Thomas Lanik mit der Restrukturierung des Betriebes. Es wurde dazu ein Sanierungstreuhandvertrag geschlossen. Dabei wurde der an die finanzierenden Gläubigerbanken verpfändete Geschäftsanteil an den Sanierungstreuhänder Gerhard Schilcher übertragen.

Zuletzt wurde aber erkannt, dass der positive Fortbetrieb nur durch Zugeständnisse der Banken aufrechterhalten werden kann. Sie sollten die Tilgungen und Zinsen bis Mitte 2018 stunden. Die Gespräche sollen sehr positiv verlaufen sein. Zugleich trat ein Interessent als strategischer Partner auf den Plan.

Kein Einlenken

Doch es gab ein Problem: Anton "Toni" Hubmann bekämpft den von den Banken verlangten Sanierungstreuhandvertrag vor Gericht. "Alle Bemühungen des Sanierungsmanagers Anton Hubmann zu einem Einlenken zu bewegen, waren schlussendlich leider erfolglos, da dieser auch ein letztes durchaus substanzielles Angebot des Interessenten hat verstreichen lassen", heißt es im Konkursantrag. damit sei die Grundlage für die außergerichtliche Restrukturierung und Sanierung weggefallen.

Schulden und Vermögen

Die Verbindlichkeiten werden mit 11,986 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 8,7 Millionen Euro auf Banken. Die Gläubiger sind durch eine Generalzession, Pfandrechte an den Marken sowie offenen und künftigen Forderungen besichert. Das Vermögen (Liquidationswert) wird mit 2,057 Millionen Euro beziffert, das freie Vermögen mit lediglich mit 350.000 Euro.

Die Zukunft

Laut dem Sanierungsmanager sollte der Betrieb möglichst rasch verwertet werden, um ein lebendes Unternehmen erhalten zu können. Es gibt offenbar Interessenten für eine Auffanglösung.