Eine Tafel mit Angeboten für Arbeitssuchende.

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
06/18/2021

Österreichische Arbeitnehmer sind flexibler als ihr Ruf

Auch die Bereitschaft zur Mobilität ist hoch, wie eine Umfrage im Auftrag der Wirtschaftskammer ergab.

von Martin Meyrath

Wie kann es sein, dass viele Betriebe trotz hoher Arbeitslosigkeit keine Mitarbeiter finden? Mehrere Medien berichteten diese Woche über Bäckereien und Hoteliers auf der Suche nach Personal. Jobportale verzeichneten im Zuge der Öffnungsschritte Höchststände bei Stellenangeboten (der KURIER berichtete), aber die Arbeitslosigkeit bleibt, wenngleich rückläufig, hoch. Mit 368.000 ist die Zahl der Jobsuchenden etwa um 27.500 höher als vor der Corona-Krise (Juni 2019).

Schnell mehrten sich Stimmen, die Österreicher seien zu anspruchsvoll und zu unflexibel, um die vorhanden Jobs anzunehmen – also etwa den Wohnort zu wechseln oder sich neue Kompetenzen anzueignen. Dementsprechend seien das Ost-West-Gefälle und der Fachkräftemangel selbst in der Corona-Krise nicht verschwunden.

Wie eine aktuelle Umfrage unter 1.000 Personen im Auftrag der Wirtschaftskammer (WKO) zeigt, stimmt dieser Blitzbefund aber nicht. Die österreichischen Arbeitnehmer sind flexibler als ihr Ruf glauben macht.

So konnten sich zwei Drittel der vom Market-Institut Befragten vorstellen, für einen Arbeitsplatz das Bundesland zu wechseln. Bei den Unter-30-Jährigen sind es sogar 77 Prozent. Allerdings müssten die Voraussetzungen dafür gegeben sein und entsprechende Anreize geschaffen werden (siehe Grafik).

Weiterbildungen

Auch bei der Bereitschaft zur Weiterbildung gibt es für Arbeitgeber erfreuliche Zahlen: Eine große Mehrheit von 85 Prozent erklärt sich theoretisch dazu bereit, 60 Prozent gehen sogar davon aus, dass es für sie in den nächsten fünf Jahren relevant werde.

Und auch das Klischee, das die junge Generation sich in der Arbeit nicht engagieren will, dürfte nicht stimmen. So spielen Umwelt- und Klimaschutz für mehr als die Hälfte der Unter-30-Jährigen eine Rolle in der Berufswahl.

Für den gleichzeitigen Überhang an Stellenangeboten und Arbeitssuchenden gibt es freilich noch einen anderen Grund: Der Arbeitsmarkt ist in Bewegung, weil laufend Dienstverhältnisse enden. Ein Teil der Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist also immer auf der Suche.

Wenn, wie diesen Frühling, ganze Branchen vom Lockdown erwachen, fragen sie auf ein Mal viel Arbeitskraft nach. Wenn sich ein Teil ihrer ehemaligen Arbeitnehmer in der Zwischenzeit aber anders orientiert hat, so ist das gerade ihrer Mobilität und Flexibilität geschuldet.

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