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Bilanz 2012
12/02/2013

Österreicher leisten 68 Mio. unbezahlte Überstunden

Laut Wifo-Studie verschwimmt durch flexible Arbeitsformen die Grenze zwischen bezahlt und unbezahlt.

Immerhin 1,2 Prozent des erbrachten Arbeitsvolumens in ganz Österreich wurde in unbezahlten Überstunden geleistet: 2012 wurden landesweit rund 68 Millionen unbezahlte Überstunden geleistet, geht aus einer kürzlich veröffentlichten Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) hervor. 5,6 Prozent der unselbstständig Beschäftigten in Österreich erbrachten demnach im Vorjahr unbezahlte Überstunden.

Männer leisten häufiger unbezahlte Überstunden als Frauen. Außerdem erbringen Vollzeitkräfte mehr unbezahlte Überstunden als Teilzeitbeschäftigte, geht aus dem Wifo-Bericht hervor, der im Auftrag der Gewerkschaft GPA-djp erstellt wurde und von dem Zwischenergebnisse bereits öffentlich thematisiert wurden.

Höhere Bildung, mehr Überstunden

Unbezahlte Überstunden fallen vor allem in Berufsgruppen mit höheren Bildungsanforderungen an, also bei akademischen Berufen und bei Führungskräften. Zwei Drittel der unbezahlten Überstunden wurden von Angestellten geleistet, gut ein Fünftel von öffentlich Bediensteten und rund ein Achtel von Arbeitern und Arbeiterinnen.

Ob Gleitzeit, Zeitkonten, Kurzarbeit, Vertrauensarbeitszeit, Überstundenpauschale oder All-in-Verträge - unbezahlte Überstunden sind laut Wifo auch ein Ausdruck von "neuen ergebnisorientierten Arbeitsformen".

Die Überstunde als "Investition"

Die Grenze zwischen bezahlten und unbezahlten Überstunden verschwimmt. Für Unternehmen bedeutet unbezahlte Mehrarbeit niedrigere Personalkosten. Für die Mitarbeiter könnten unbezahlte Überstunden "Investitionscharakter" haben - in der Hoffnung künftig mehr zu verdienen. Aber: Vor allem in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit gebe es mehr unbezahlte Überstunden. Das hängt der Studie zufolge mit der Sorge um den Arbeitsplatz zusammen.

Das Wifo warnt allerdings vor den negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft: Lange Arbeitszeiten "beeinträchtigen die Gesundheit, hindern Personen mit familiären Verpflichtungen, in Managementpositionen vorzudringen, und bringen den Verlust von sozialrechtlichen Ansprüchen für die Beschäftigten". Außerdem würden unbezahlte Überstunden den Entfall von Beiträgen für die Sozialversicherungen mit sich bringen und dem Staat entgingen Steuereinnahmen.

Die Forscher gehen davon aus, dass ein Abbau von unbezahlten Überstunden nur geringe Beschäftigungseffekte haben dürfte, einzig in Branchen mit höherer Arbeitslosenquote könnte ein Überstundenabbau zu mehr Jobs führen.

Weniger Überstunden vor der Krise

Von 2005 bis 2009 sanken die unbezahlten Überstunden. Ob wegen der Wirtschaftskrise oder aufgrund einer Umstellung des Fragebogens im Mikrozensus, auf dem die Studie basiert, ist unklar. Seit 2009 zeigt sich eine Stabilisierung, so das Wifo. Die zögerliche Konjunkturerholung seit dem Einbruch im Jahr 2009 zeige bisher keinen Effekt auf die Zahl der unbezahlten Überstunden.

Ein Interview mit IV-Präsident Kapsch zum Thema bezahlte Überstunden lesen Sie hier.

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