Wirtschaft
03.12.2016

ÖBB: Henry fährt länger Zug als geplant

Caterer Henry am Zug kommt bei Bahnfahrern gut an © Bild: /Screenshot

Die ÖBB verlängern den laufenden Catering-Vertrag mit der DO&CO-Tochter Henry am Zug.

Henry fährt länger Zug, als der Konzernmutter Do&Co lieb ist: Die ÖBB haben von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, den laufenden Vertrag mit dem Bahn-Caterer Henry am Zug (600 Mitarbeiter) bis Ende 2018 zu verlängern. Das Unternehmen selbst hatte den Vertrag, wie berichtet, nach etlichen Anzeigen wegen Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz und massiven Differenzen mit der Dienstleistungs- und Verkehrsgewerkschaft vida aufgekündigt. Auch ÖBB-Chef Andreas Matthä bestätigt: "Wir werden die Zusammenarbeit mit Henry am Zug im Einvernehmen auch 2018 fortsetzen."

Die bereits gestartete Neuausschreibung für die Bordverpflegung wurde zurückgezogen, sie ist auf Mitte 2017 verschoben. Ausschlaggebend dafür sind laut Matthä die Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft und der Wirtschaftskammer über einen eigenen Kollektivvertrag für die Reisebetreuer innerhalb des Eisenbahner-KV. Damit würden die Arbeitszeit-Probleme gelöst werden.

Lösung steht im Raum?

Denn der Eisenbahner-KV erlaubt wesentlich flexiblere Modelle als der für die Gastronomie, der derzeit angewendet wird. Erleichtert würde auch die Übernahme von Tätigkeiten im Sicherheitsbereich, etwa bei der Evakuierung eines Zuges.

Trotz Matthäs Optimismus müssen für den neuen KV aber noch etliche Weichen gestellt werden. Derzeit ist noch nicht fix, dass die Regeln für die Caterer überhaupt im Eisenbahner-KV verankert werden. Darüber streiten die Arbeitgeber-Fachverbände Gastronomie und Schienenbahnen. Eine endgültige Einigung könnte dem Vernehmen nach bei einem "Gipfelgespräch" Mitte Dezember erzielt werden.

Entspannung auf Schiene

Interview mit Gastronom Attila Dogudan am 17.06.2014 bei Do & Co im Haas-Haus in Wien. © Bild: KURIER/Franz Gruber
Indes zeigen die verhängten, aber beeinspruchten Verwaltungsstrafen wegen mutmaßlicher Arbeitszeit-Über- und Ruhezeit-Unterschreitung anscheinend Wirkung. "Herr Dogudan und Henry am Zug sind ehrlich bemüht, eine Lösung und einen Kollektivvertrag zustande zu bringen", sagt ein Insider zum KURIER. "Die ÖBB, die Gewerkschaft und Henry ziehen derzeit an einem Strang. Eine Lösung innerhalb des Eisenbahner-KV würde Sinn machen." Das Arbeitsinspektorat hat Strafen in Höhe von 1,3 Millionen Euro beantragt. Die tatsächlichen Strafen betragen in der Regel bei Unbescholtenheit maximal ein Viertel der beantragten Höhe.

Attila Dogudan war am Freitag für den KURIER trotz mehrmaliger Versuche für eine Stellungnahme weder per Telefon noch per eMail zu erreichen.

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