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Wirtschaft
04/29/2020

Köstinger: "Niedrige Infektionszahlen Grundvoraussetzung für Grenzöffnung"

Tourismusministerin sieht Maßnahmen für Gastronomie und Hotellerie gerechtfertigt. Sie hofft weiterhin auf ausländische Touristen im Sommer.

von Robert Kleedorfer

KURIER: Frau Ministerin Köstinger, warum eigentlich erfolgt die Öffnung der Gastronomie Mitte Mai und der Hotels Ende Mai?
Elisabeth Köstinger: Mit Öffnung der Gastronomiebetriebe wird es zu verstärkten Kontakten kommen und daher müssen wir dafür Sorge tragen, dass die Infektionszahlen niedrig bleiben. Dann wird es wieder eine intensive Betrachtung der Infektionskurve geben mit dem Ziel, dass wir mit dem 29. Mai auch die Beherbergungsbetriebe, die Campingplätze und Privatzimmer wieder öffnen können.

Ist das nicht ein bisschen spät angesichts der bedrohten Existenzen vieler Unternehmer?
Wir sind eines der ersten Länder Europas, die mit dem gesellschaftlichen Hochfahren beginnen. Frankreich etwa will erst Ende Mai entscheiden, wann die Gastronomie geöffnet wird. Wir müssen aber wie alle anderen die Infektionskurve im Auge behalten. Es darf keinesfalls zu einer zweiten Infektionswelle kommen.

Gastronom Walter Eselböck nennt die Maßnahmen für die Gastronomie im KURIER „dilletantisch“ und fragt, ob die Regierung dabei „von Praktikanten“ beraten worden sei. Wurden Sie von Praktikanten beraten?
Wir befinden uns in einer weltweiten Pandemie. Durch das konsequente Handeln ist uns viel erspart geblieben. Wir  müssen uns weiterhin an Sicherheitsmaßnahmen halten. Wir haben versucht, diese allgemeinen Regeln, an die wir uns gewöhnen müssen, weil sie uns erhalten bleiben werden, so einfach und unkompliziert wie möglich in das gesellschaftliche Leben umzuwandeln.

Viele Wirte wollen angesichts der Vorgaben gar nicht öffnen. Können Sie das nachvollziehen?
Ja natürlich. Es werden auch dadurch, dass wir nach wie vor keine Reisefreiheit haben und uns daher viele internationale Gäste fehlen, wird es bei weitem keine Situation wie vor Corona sein. Das selbe gilt für Hotels. Das muss jeder für sich entscheiden.

Kommen wir zur Hotellerie. Wie wird die entsprechende Verordnung aussehen?
Das Gesundheitsministerium ist gerade dabei das im Detail auszuarbeiten, in einem ersten Schritt für die Gastronomie. Unter www.sichere-gastfreundschaft.at sieht man die Regeln für Gastronomen und Gäste. Uns geht es darum, alles so einfach wie möglich zu gestalten und trotzdem den Sicherheitsaspekt im Auge zu behalten.

Kann ich davon ausgehen, dass die Maßnahmen für Hotels jenen der Gastronomie ähnlich sind?
Ja, absolut. Es gibt auch keinen großen Unterschied beim Schnitzel essen in einem Lokal oder in einem Restaurant eines Hotels, das ist ja komplett das selbe. Das schrittweise Öffnen gilt dem Nachvollziehen von Infektionsketten und es durchaus auch zu einer verstärkten Mobilität in Österreich kommt. Das ist der Grund für die schrittweise Öffnung.

Was ist mit Indoor-Pools, Wellness-Landschaften, Saunas?
Der Gesundheitsminister hat angekündigt, dass mit 29. Mai auch Frei- und Strandbäder öffnen dürfen. Ähnliche Regeln werden auch für Hotelbereiche gelten.

Sie setzen ja sehr im kommenden Sommer auf Urlauber aus Deutschland. Jetzt hat Deutschland aber die Reisebeschränkungen verlängert. Wie optimistisch sind Sie, dass das noch klappt?
Wir befinden uns nach wie vor in einer Pandemie und wir müssen vor allem die Ausbreitung des Virus verhindern. Es ist aber natürlich auch wichtig über die Zukunft nachzudenken und grundsätzlich auch wieder Reisefreiheit in Europa zu ermöglichen. Ein Ansatz, den wir gewählt haben, und wir zählen auch da wieder zu den Vorreitern, dass wir mir Ländern mit ähnlichen Infektionskurven zu einer stückweisen Normalität und Grenzöffnung kommen können. Tschechien etwa ist so ein Land mit einer derzeit sehr guten Entwicklung. Aber diese Perspektive sollte es durchaus auch mit Deutschland geben.

Sie hoffen also nach wie vor, dass die Deutschen im Sommer zu uns kommen können.
Es wäre sehr wichtig in einem gemeinsamen Europa zu einem Stück Weit Normalität zu kommen. Niedrige Infektionszahlen wären aber die Grundvoraussetzung.

Sie wollen ja, dass auch  Österreicher heuer im Inland urlauben. Wird es dazu eine Kampagne geben?
Urlaub in Österreich ist immer eine Überlegung wert und heuer ganz besonders, weil wir viel Sicherheit anbieten können. Weil wir vor allem auch nicht wissen, wie sich die Situation auf beliebten Ferieninseln gestalten wird. Da zählen vor allem die Gesundheitssystem zu Buchungsentscheidung. Die Österreich Werbung wirbt ja normalerweise im Ausland für Österreich. Da wird es heuer durchaus eine Inlandskampagne geben. Und die Tourismusregionen machen das auch. Die Vielfalt in Österreich ist bemerkenswert. Das eigene Land zu erkunden, ist durchaus eine Empfehlung.

In welchem Volumen und wird diese über die Österreich Werbung abgewickelt werden?
Wir sind gerade in der Planungsphase, wir führen auch schon Gespräche mit größeren Medien.

Wie viele Wirte und Hoteliers werden die Krise überleben?
Ich hoffe so viel wie irgendwie möglich. Wir haben mit dem Corona-Schutzschirm in Höhe von 38 Milliarden Euro ein beispielloses Sicherheitsnetz geschaffen. Daraus wird es auch Zuschüse für die Betriebe geben, die eine Vollbremsung hingelegt haben. Wir hoffen, damit den Betrieben damit wieder Stück für Stück eine Perspektive geben zu können.

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