APA8888698 - 02082012 - WIEN - ÖSTERREICH: TAP 09-Chef Rudolf Haberleitner am Donnerstag, 02. August 2012, während eines Interviews mit der Austria Presse Agentur (APA) in Wien. Finanzinvestor TAP 09 um Rudolf Haberleitner sind die neuen Eigentümer von Schlecker-Österreich. APA-FOTO: HERBERT NEUBAUER

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Nahversorger
07/03/2013

dayli: Verkauf um 1-Euro?

Fieberhaft läuft die Suche nach einem Investor. Auch ein Verkauf um einen symbolischen Euro steht im Raum.

Bei der schwer angeschlagenen Handelskette dayli läuft weiterhin die Suche nach einem Investor auf Hochtouren. Unternehmenskreise bestätigten auf APA-Anfrage einen Bericht der Oberösterreichischen Nachrichten, wonach auch über einen Verkauf um einen symbolischen Euro gesprochen werde. Eine Entscheidung wie es weitergeht werde jedenfalls für diese Woche erwartet.

Am Dienstag wurde Finanzchef Andreas Bachleitner fristlos entlassen, ihm werden geschäftsschädigende Äußerungen vorgeworfen. Aus dem Unternehmen hieß es, dieser werde wohl dagegen rechtlich vorgehen.

"Haben Haberleitner gewarnt"

Firmenchef Rudolf Haberleitner wurde zu Wochenbeginn in Linz von der Polizei zu dem mysteriösen Millionendiebstahl in Italien befragt. Haberleitner war nach Udine gereist um dort einem vermeintlichen Investor eine Million als Anzahlung zu übergeben - damit der Investor dann mit 20 Mio. Euro bei dayli einsteigt. Allerdings hatte sich der Gönner als Dieb herausgestellt, er war mit dem Koffer samt der darin befindlichen Million Euro einfach davongelaufen - so die derzeitige Version. Ex-Adeg-Manager Bachleitner wird in den Oberösterreichischen Nachrichten mit den Worten zitiert: "Wir haben Herrn Haberleitner ausdrücklich davor gewarnt, mit der Million nach Italien zu fahren."

Rip Deal nicht auszuschließen

Im Raum steht der Verdacht der Geldwäsche, Haberleitner bestreitet dies vehement. Zu der Causa könnte der dayli-Chef noch im Auftrag der italienischen Behörden von der Wiener Polizei befragt werden. Eine Befragung Haberleitners könnte zur Klärung des Falls notwendig sein, so der Vize-Polizeichef von Udine, Massimiliano Ortolan.

Ortolan schließt nicht aus, dass Haberleitner in einen sogenannten "Rip-Deal" (Vorauszahlungsbetrug) verwickelt sei. Das würden die 500.000 Schweizer Franken bestätigen, die die Polizei nach der Flucht des mutmaßlichen Betrügers gefunden hat. Haberleitner hat laut Polizei angegeben, die Summe hätte mit seiner gestohlenen Million nichts zu tun. Aber der Vizepolizeichef meinte, es könnte einfach geplante Geldwäsche gewesen sein. "Der eine verdient an dem Wechselgeschäft und der andere wird Schweizer Franken los, die vielleicht Schwarzgeld sind", sagte Ortolan. Experten seien dabei, die Franken-Geldscheine zu kontrollieren, um deren Echtheit zu überprüfen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Italien: 100 Filialen zu

Die italienischen Gewerkschaften verschärfen den Druck für den Erhalt der Jobs bei der Schlecker-Nachfolgegesellschaft dayli. "Wir glauben nicht an die Worte der Firma, die behauptet, sie könne die Schieflage noch in den Griff bekommen. Die Lager und die Filialen in Italien sind leer. Die Firma behauptet, dass sie auf der Suche nach einem Investor ist, doch die Lage ist trüb“, berichtete Gewerkschaftssprecherin Sabina Bigatti.

100 der 288 Filialen in Italien stehen vor der Schließung, weil sie nicht mehr mit Waren beliefert werden, bestätigte der Italien-Chef von dayli, Giancarlo Sachs, im Gespräch mit der APA. Am 19. Juli plane er in Mestre ein Treffen mit den Gewerkschaften, um über einen sogenannten "Solidaritätsplan" zu diskutieren, demnach alle 1.500 italienischen Mitarbeiter der Gruppe turnusmäßig auf Kurzarbeit gestellt werden, um vorläufig den Erhalt der Jobs zu garantieren. Mehr über die Zukunftspläne des Unternehmens könne er nicht sagen. Entscheidungen obliegen dem Mutterhaus in Österreich, meinte Sachs.

Die Krise bei dayli betrifft vor allem die norditalienischen Regionen Friaul Julisch Venetien und Veneto, in denen das Unternehmen in Italien am stärksten präsent ist. Allein in Friaul bangen 70 Mitarbeiter um ihre Jobs. In der Hafenstadt Portogruaro im Veneto befindet sich auch ein großes Lager der Firma. Die Gewerkschaften fordern jetzt, dass die Region Friaul Julisch Venetien die Verhandlungen mit den Eigentümern startet und verlangt Garantien für den Erhalt der Jobs.

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