Vida-Gewerkschafter Karl Delfs fordert Haftung der Versender.

© Vida

Wirtschaft
02/19/2020

Nach Amazon-Razzia fordert Gewerkschaft Auftraggeberhaftung

Der Konzern nutzt laut ÖGB seine Marktmacht aus und macht Vorgaben, die gar nicht erfüllbar sind.

von Kid Möchel

Nach der Razzia im Amazon-Paketverteiler-Zentrum in Großebersdorf am Dienstag untersucht die Finanzpolizei die sichergestellten Fahrerlisten nach Hinweisen auf gewerbsmäßige Schwarzarbeit. Doch bei der Razzia allein wird es nicht bleiben. Die Finanzpolizei will den „selbstständigen“ Paketzustellern weiterhin viel Aufmerksamkeit schenken.

Scharfe Reaktionen

Die Reaktionen auf die Razzia fielen scharf aus. „Durch die Razzia wurde deutlich, wie das System Amazon funktioniert. Der Konzern nutzt hier ungeniert seine Marktmacht aus und gibt seinen Subfirmen Vorgaben, die diese gar nicht erfüllen können“, sagt ÖGB-Chef Wolfgang Katzian. „Um diese Machenschaften zu stoppen, muss es eine Auftraggeberhaftung geben“.

Eine solche Auftraggeberhaftung gibt es bereits in der Bauwirtschaft. So haftet ein Generalunternehmern am Bau für die Abgaben aus den Arbeitsverhältnissen von Subunternehmern.

Abhängigkeit

Auch Karl Delfs von der Gewerkschaft vida schlägt in dieselbe Kerbe. Delfs fordert „eine Versenderhaftung für die Online-Branche“. „Es gibt ein enormes Maß an Scheinselbstständigkeit und Abhängigkeit bei den Fahrern. Ein Selbstständiger ist nicht an die Lenk- und Arbeitszeiten gebunden“, sagt Delfs. „Der Auftraggeber einer Sendung muss in Zukunft auch mit in die Verantwortung gezogen werden können, wenn in der Lieferkette nicht alle Gesetze eingehalten werden.“

Und Finanzminister Gernot Blümel meint: „Die unternehmerische Verantwortung kann nicht bei der Warenausgabe abgegeben werden. Ich erwarte mir eine besondere Sorgfalt gerade von großen Internetkonzernen.“ Kid Möchel

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