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Milliarden-Pleite Signa Prime: Verkauf von Filetstücken in drei Ländern

Bei der Signa Prime Selection AG läuft die Verwertung von Immobilien und Beteiligungen. Bis Ende des Jahres sollen die wertvollsten Objekte verkauft werden.
Ein Baum im Goldenen Quartier, umgeben von Luxusgeschäften wie Omega und Pomellato.

Rund zweieinhalb Jahre nach der Insolvenz der Signa Prime Selection AG, der exklusivsten Gesellschaft von Signa-Gründer Rene Benko, nimmt die Verwertung des milliardenschweren Immobilienportfolios konkrete Formen an. Laut dem vierten Bericht der Insolvenzverwalterin Abel Rechtsanwälte GmbH befinden sich mehrere Schlüsselobjekte in strukturierten Verkaufsprozessen. Ziel ist es, die Verwertung bis Ende 2026 weitgehend abzuschließen.

Insgesamt wurden Insolvenzforderungen in Höhe von 11,74 Milliarden Euro angemeldet. Davon sind rund 5,4 Milliarden Euro anerkannt, 6,2 Milliarden bestritten. „Bestritten sind weiterhin noch Forderungen, die im Zusammenhang mit den erfolgen Finanzierungen von Immobilientransaktionen stehen. Teilweise ist es zu entsprechenden Forderungseinschränkungen gekommen. Nach Finalisierung der Transaktion sind weitere substanzielle Forderungseinschränkungen zu erwarten“, heißt es im vierten Bericht des Verwalters. Bereits jetzt kam es zu Forderungsrücknahmen und -einschränkungen im Umfang von rund 3,3 Milliarden Euro. Weitere Einschränkungen von über einer Milliarde Euro werden kurzfristig erwartet – vor allem im Zusammenhang mit abgeschlossenen Immobilientransaktionen.

Die Liquidität der Insolvenzmasse beträgt zum Stichtag 30. Juni 2026 insgesamt 28,93 Millionen Euro, verteilt auf mehrere Insolvenzanderkonten.

Park Hyatt und Goldenes Quartier im Verkauf

Für das Luxushotel Park Hyatt am Wiener Am Hof wurde bereits Verhandlungs- und Abschlussexklusivität mit einer Bieterin vereinbart. Der Verkauf soll bis Ende des dritten Quartals 2026 abgeschlossen werden. Es geht dabei laut Insidern um rund 330 Millionen Euro. Die potenzielle Käuferin soll eine Gesellschaft des oberösterreichischen Investors Josef Rainer sein.

Parallel dazu läuft seit Mai 2026 der Verkaufsprozess für das Goldene Quartier in der Tuchlauben, eine hochwertige Retail- und Büroimmobilie im Wiener Zentrum. Die Signa Prime hält daran mittelbar 75,31 Prozent, die RAG-Stiftung die restlichen knapp 25 Prozent. Der Verkehrswert der Immobilie wird auf 458 Millionen Euro geschätzt, die jährlichen Mieteinnahmen betragen 18 Millionen.

Schweizer Globus-Objekte: Bern und Basel vor Verkauf

Auch in der Schweiz kommt Bewegung in die Verwertung. Die Signa Prime hält dort über ein 50:50-Joint-Venture mit der thailändischen Central Group Anteile an fünf Globus-Immobilien. Für das Objekt in Bern (Spitalgasse 17–21) wurde ebenfalls Verhandlungsexklusivität vergeben, ein Abschluss wird bis Ende des dritten Quartals erwartet. In Basel läuft seit April 2026 der Verkaufsprozess für die Freie Straße 50, nachdem Globus dort ausgezogen ist und ein Nachmieter gefunden wurde.

Parallel dazu verhandelt die Insolvenzverwalterin mit der Central Group über eine mögliche Übernahme der Joint-Venture-Anteile oder eine Verwertung der übrigen Objekte.

Millionen-Rückflüsse aus Transaktionen

In Deutschland sind die meisten Immobilien bereits verkauft oder befinden sich in Insolvenzverfahren unter der Verwaltung von Professor Torsten Martini. Aus der Verwertung der Beteiligung an der Düsseldorfer Carschhaus-Immobilie flossen der Signa Prime rund 8,1 Millionen Euro zu – nach Abzug von Kosten und Masseforderungen. Ein Teil davon unterliegt allerdings der sogenannten Wasserfall-Regelung mit dem Finanzgläubiger Mezz 23. Eine Wasserfall-Regelung legt fest, in welche Reihenfolge Gewinne und Erlöse an verschiedene Parteien verteilt werden.

Insgesamt konnte die Insolvenzmasse bisher rund 25,2 Millionen Euro aus strukturierten Immobilienverkäufen unterhalb der Signa Prime Capital Invest (SPCI) vereinnahmen. Weitere Zuflüsse werden aus der abgeschlossenen Transaktion in Düsseldorf (Wehrhahn 1) erwartet – bis zu 28 Millionen Euro könnten bis Ende des Jahres an die Signa Prime fließen.

Postsparkasse insolvent 

Das prestigeträchtige Otto-Wagner-Gebäude der Postsparkasse in Wien konnte nicht mehr solvent verkauft werden. Über die Eigentümergesellschaft Georg-Coch-Platz Immobilien GmbH & Co OG wurde im April 2026 das Insolvenzverfahren eröffnet. Die Verwertung läuft nun unter Insolvenzverwalter Stephan Riel.

Fortführung zumindest bis Jahresende

Die Signa Prime beschäftigt derzeit noch 13 Dienstnehmer, darunter die Vorstände. Sie sind vor allem im Asset- und Transaktionsmanagement sowie im Controlling tätig. Die Unternehmensfortführung wurde vom Handelsgericht Wien bis 30. November 2026 genehmigt. Laut Insolvenzverwalterin ist der Fortbetrieb notwendig, um die Verwertungserlöse zu sichern – die Beteiligungsgesellschaften verfügen selbst über keine Mitarbeiter oder Infrastruktur.

Zur Abwicklung der Luxemburger Struktur wurde gemeinsam mit der Signa Development Selection die Servicegesellschaft Signa Development Luxemburg S.à r.l. erworben und mit bis zu 420.000 Euro finanziert.

67 Millionen Euro aus Anfechtungsklagen

Neben der Immobilienverwertung treibt die Insolvenzverwalterin massiv die Durchsetzung von Anfechtungs- und Haftungsansprüchen voran. Bisher flossen rund 67,2 Millionen Euro aus gerichtlichen und außergerichtlichen Vergleichen zurück in die Masse. Derzeit laufen über 20 Anfechtungsklagen vor dem Handelsgericht Wien – darunter gegen die Hamburg Commercial Bank (24 Millionen Euro), die Kühne Immobilia Austria (16,5 Millionen Euro) und die RAG-Stiftung (8,3 Millionen Euro).

Gegen Organmitglieder und Berater wurden außergerichtliche Haftungsansprüche geltend gemacht. Vergleichsgespräche laufen. Klagen sollen bis Anfang des vierten Quartals 2026 eingebracht werden, falls keine Einigung erzielt wird.

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