Staatsanwaltschaft Trient erhebt Anklage gegen René Benko
Zusammenfassung
- Die Staatsanwaltschaft Trient hat im Rahmen der Affäre „Romeo“ Anklage gegen René Benko und 36 weitere Personen wegen des Vorwurfs der Bildung einer kriminellen Vereinigung erhoben.
- Im Zentrum der Ermittlungen steht ein mutmaßliches Netzwerk aus Politik und Wirtschaft in Trentino-Südtirol, das öffentliche Ausschreibungen beeinflusst und Konzessionen sowie Genehmigungen zur Gewinnerzielung erlangt haben soll.
- Die Vorverhandlung ist für den 23. Oktober in Trient angesetzt, nachdem der Ermittlungsrichter eine Einstellung der Vorwürfe abgelehnt und die Zwangsanklage angeordnet hatte.
Wegen des Vorwurfs der Bildung einer kriminellen Vereinigung hat die Staatsanwaltschaft Trient im Rahmen der Ermittlungen zur Affäre „Romeo“ Anklage gegen Signa-Gründer René Benko und weitere 36 Personen erhoben. Dies teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Die Ermittlungen hatten Ende 2024 ein mutmaßliches Netzwerk aus Politik und Wirtschaft in der Region Trentino-Südtirol ans Licht gebracht.
Im Zentrum der Untersuchung steht eine mutmaßliche Organisation, die öffentliche Ausschreibungen beeinflusst haben soll. Wie die Anklagebehörde verlautete, wird der Vorwurf der kriminellen Vereinigung auch gegen den Bozner Steuerberater und Benko-Vertrauten Heinz Peter Hager, gegen den Unternehmer aus der Stadt Rovereto Paolo Signoretti, den ehemaligen Senator Vittorio Fravezzi sowie die frühere Bürgermeisterin von Riva del Garda, Cristina Santi, erhoben. Die Vorverhandlung in dem Fall ist für den 23. Oktober in Trient angesetzt.
77 Personen im Visier der Ermittler zu Beginn der Untersuchung
Zu Beginn des Verfahrens im Dezember 2024 waren 77 Personen im Visier der Ermittler. Neun Personen waren in Italien festgenommen worden. Insgesamt wurden 100 Durchsuchungen bei weiteren Personen durchgeführt, gegen die ermittelt wurde. Eine Durchsuchung hatte auch im Bozner Rathaus stattgefunden. Ziel der Durchsuchungen waren damals Unternehmen und öffentliche Einrichtungen in den Provinzen Trient, Bozen, Brescia, Mailand, Pavia, Rom und Verona sowie im Ausland.
Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich die Einstellung mehrerer Tatvorwürfe, darunter auch jenes der kriminellen Vereinigung, beantragt. Der Ermittlungsrichter lehnte dies im vergangenen Februar jedoch zunächst ab und ordnete anschließend die Zwangsanklage an. In der Folge beantragte die Staatsanwaltschaft nun die Zulassung zum Hauptverfahren.
Konkret verdächtigen die Ermittler Benko, „Anführer einer mafiaartigen kriminellen Vereinigung“ zu sein, die mit dem Ziel gegründet wurde, Konzessionen und Genehmigungen zu erlangen, um daraus ungerechtfertigte Gewinne zu erzielen. Der Unternehmer und Investor habe an der Spitze der kriminellen Vereinigung mithilfe von Hager und Signoretti gehandelt, hieß es vor rund zwei Jahren seitens der italienischen Justizbehörden.
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