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Milliarden-Betrug bei Wirecard: Mammut-Prozess wird 300 Tage dauern

Vor sechs Jahren kollabierte der Zahlungsdienstleister und verursachte rund 24 Milliarden Euro Schaden. Ex-Chef Markus Braun sitzt seit fünfeinhalb Jahren in U-Haft.
FILE PHOTO: Braun of Wirecard AG attends the company's annual news conference in Aschheim

Es ist ein gewohntes Bild im Hochsicherheitsgerichtssaal der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim: Justizbeamte führen den 56-jährigen Österreicher Markus Braun über einen Verbindungstunnel aus seiner Zelle zur Anklagebank. Der frühere Wirecard-Chef ist der einzige der drei Angeklagten, der seit mehr als fünfeinhalb Jahren in Untersuchungshaft sitzt – und ein Ende ist nicht abzusehen.

Am 18. Juni 2020 musste der einstige Dax-Konzern Wirecard eingestehen, dass auf Treuhandkonten in Asien 1,9 Milliarden Euro fehlten. Eine Woche später brach der Zahlungsabwickler zusammen. Er war pleite. Alle Finanzunterlagen in Bezug auf diese Konten stellten sich als Fälschungen heraus. Es ist einer der größten Finanzskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Börsenwert des Unternehmens verschwand im Nichts. Rund 50.000 Aktionäre verloren 24 Milliarden Euro.

15 Jahre Haft drohen

Seit Dezember 2022 läuft der Prozess gegen Braun und zwei weitere frühere Manager vor dem Landgericht München I. Den Angeklagten wird vorgeworfen, über Jahre Umsätze in Milliardenhöhe erfunden und Bilanzen gefälscht zu haben.

Im Fall einer Verurteilung wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs, Bilanzfälschung, Marktmanipulation und Untreue drohen Braun & Co. bis zu 15 Jahre Haft. Grundlage dafür sind mehr als 200 Zeugenaussagen aus mehr als 230 Verhandlungstagen. Die Richter gehen dabei von einem für die Strafzumessung relevanten Schaden von mindestens 747 Millionen Euro aus.

Braun weist alle Vorwürfe zurück

Das Gericht sieht weiterhin Flucht- und Verdunkelungsgefahr. Es gebe konkrete Hinweise darauf, dass Braun Vermögenswerte in zweistelliger Millionenhöhe beiseitegeschafft habe, die für eine Flucht genutzt werden könnten.

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts München ist Braun der ihm vorgeworfenen Taten dringend verdächtig, wie aus einem Beschluss vom 4. Dezember 2025 hervorgeht, so das Handelsblatt.

Braun weist alle Vorwürfe zurück. Er sieht sich als Opfer einer Bande rund um den flüchtigen Jan Marsalek und den ebenfalls angeklagten Oliver Bellenhaus, dem früheren Wirecard-Statthalter in Dubai. Diese hätten die Erlöse aus dem tatsächlich existierenden Drittpartner-Geschäft auf Auslandskonten geschleust und so veruntreut.

39 weitere Prozesstage

Im Zentrum der Wirecard-Geschäfte stand vor allem die Zahlungsabwicklung für Porno- und Online-Glücksspielseiten. Nach gut 270 Verhandlungstagen gab die Strafkammer weitere Termine bis zum Jahresende 2026 bekannt, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete. Beginnend mit dem 8. Juli sind zunächst 39 weitere Verhandlungstage vorgesehen. Damit könnte der Mammutprozess insgesamt mehr als vier Jahre dauern.

Die Strafkammer geht aber nicht davon aus, alle vorgesehenen Termine bis zur Verkündung einer Entscheidung zu benötigen.

Wann das Urteil gegen den gebürtigen Österreicher fällt, ist damit weiterhin offen. Ein Ende des Prozesses noch in diesem Jahr ist inzwischen wieder unwahrscheinlicher geworden. 

75 weitere Zeugen

Brauns Verteidigerin Theres Kraußlach hat Anfang Mai mehrere Beweisanträge vorgelegt, berichtete BR24. In einem dieser Anträge sind 75 Personen aufgelistet, die nach Überzeugung der Anwältin noch als Zeugen gehört werden müssten. Darunter befindet sich der seit fast sechs Jahren in Russland untergetauchte Ex-Wirecard-Vorstand und Geheimagent Jan Marsalek. Sein Erscheinen ist de facto ausgeschlossen.

In einem weiteren Beweisantrag fordert Brauns Verteidigerin laut BR24 die Vorladung des kanadischen Online-Glücksspiel-Moguls Calvin Ayre sowie des norwegischen Investors Christen Ager-Hanssen in den Zeugenstand. Nach Kraußlachs Überzeugung werden die Zeugen „Angaben dazu machen, dass Herr Dr. Braun nicht in die strafbaren Handlungen“ involviert gewesen sei. Denn die Gambling-Gelder aus Ayres Imperium sind über Wirecard geflossen.

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