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Wirtschaft
05/06/2021

MAN Steyr: Gericht wird Streit um Standortgarantie klären müssen

Mangel an elektronischen Komponenten betrifft mittlerweile auch das Werk in Steyr

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Bei MAN in Steyr (2.350 Mitarbeiter) läuft derzeit die Produktion gar nicht rund. Dem Werk fehlen wichtige elektronische Komponenten, die Lkw-Produktion wird dementsprechend heruntergefahren. „Wir werden noch diese Woche das Band zwei Mal abstellen müssen und es werden Schichten ausfallen“, sagt Betriebsratschef Helmut Emler zum KURIER. „Es ist nicht einfach in einer derartigen Situation das Tagesgeschäft zu führen.“

Denn: Am Mittwoch begann die zweite Sondierungsrunde bezüglich der Sozialplan-Verhandlungen. Präsentierte in der ersten Runde die MAN-Führung ihre Pläne zur Schließung des Werks, war nun der Betriebsrat am Zug. Er legte seine Vorstellungen der MAN-Führung vor. „Es waren konstruktive Gespräche. Unser oberstes Ziel ist es, dass der Standort Steyr weiterbesteht – mit so viel Arbeitsplätzen wie möglich“, sagt Emler. „Und MAN hat bestehende Verträge einzuhalten.“

Wie berichtet, beharrt die Personalvertretung darauf, dass der erst 2019 abgeschlossene Standortsicherungsvertrag seine Gültigkeit bis ins Jahr 2030 hat. MAN hat diesen Vertrag aber gekündigt. „Da ist man sich nicht einig geworden“, sagt Emler zum KURIER. „Entweder man findet Lösungen oder man trifft sich vor Gericht.“

Der Betriebsrat kann sich vorstellen, dass die Standortgarantie vom Landesgericht Steyr im Zuge eines Feststellungsverfahrens überprüft wird. „Dann haben wir Sicherheit, wer Recht hat und wer nicht“, sagt Emler. Hält die Standortgaranatie, so die Gewerkschaft, braucht es auch keinen Sozialplan.

Emler will vorerst aber die nächsten Gespräche abwarten. Für Mitarbeiter, die das Werk Steyr freiwillig verlassen wollen, soll es einen Sozialplan geben wie bei MAN in Deutschland, fordert die Personalvertretung.

Ein weiteres Thema am Mittwoch war die mögliche Nachnutzung des Werks. „Wir können uns eine Nachnutzung unter Beteiligung der Belegschaft, anderer Investoren und mit MAN-Produkten vorstellen“, sagt Emler. „Dazu sagte MAN nein. Die wollen lieber billig im Ausland produzieren.“ Eine Nachnutzung wird darauf eingeschränkt, dass keine Konkurrenzprodukte produziert werden dürften.

Offenbar hat niemand mehr den Investor Siegfried Wolf, der das Werk samt 1.250 Arbeitsplätzen retten wollte, auf dem Radar. Seine Pläne waren bei MAN hoch im Kurs, aber wurden von zwei Dritteln der Belegschaft in einer Urabstimmung abgelehnt.

 

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