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Politik Inland
04/13/2021

Nach Urabstimmung bei MAN Steyr: "Nachbessern geht immer"

Investor Siegfried Wolf ist für weitere Verhandlungen gesprächsbereit. Uni-Professoren halten sein Konzept für gut. Bund und Land könnten den Steyrern unter die Arme greifen.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Das Angebot von Ex-Magna-Chef Siegfried Wolf zur Übernahme des MAN-Werks in Steyr samt 1.250 Arbeitsplätzen ist nach wie vor aufrecht.

Der Investor wartet nach der Abstimmungsabfuhr durch die Mitarbeiter auf neue Signale von der Gewerkschaft sowie aus Bundes- und Landespolitik. Die Gewerkschaft zeigt sich verhandlungsbereit. Kanzler Sebastian Kurz hat einen ersten Schritt gemacht. Er hat mit ÖGB-Chef Wolfgang Katzian telefoniert, wie Katzian dem KURIER bestätigt. Die Gewerkschaft will sich in Sachen MAN am Dienstag intern abstimmen. Involviert sind die beiden Gewerkschaften GPA (Angestellte) und Proge (Metallarbeiter).

Bei MAN tagte am Montag der Vorstand. In dieser Sitzung sollen schon erste Maßnahmen zum Rückbau des Werks in Steyr beschlossen worden sein.

Wie berichtet, wird MAN die Produktion leichter und mittlerer Lkw von Steyr 2023 in ein Werk in Krakau, Polen, verlagern. Die Produktivität von MAN in Polen ist angeblich um 60 Prozent höher als in Österreich.

Nachbessern

Zurück zum Investor Wolf: „Er kann nicht nachbessern, weil sonst geht sich sein ausgeklügelten Konzept für Steyr nicht mehr aus“, sagt ein Insider. „Nachbessern geht immer“, sagt ein anderer Branchenkenner. „Es muss jetzt jemand Verbesserungsvorschläge auf den Tisch legen, die es dem Betriebsrat und Gewerkschaft möglich macht, das Angebot zu verhandeln.“

Indes stößt der SPÖ-Vorschlag, der Staat möge sich am MAN-Werk in Steyr beteiligen, auf breite Ablehnung.

„Das ist ein totaler Humbug. Der Staat kann das Werk nicht retten. Was will der Staat dort produzieren, ohne Konzept, ohne Produkt und ohne Marke?“, sagt Günther Kerle, Sprecher der österreichischen Automobilimporteure. „Die Politik kann nur versuchen, Privatinvestoren zu motivieren, dort mit einem Konzept zu investieren.“

Kerle spricht das Hauptproblem an. Ende 2022 läuft die Produktion von MAN-Lkw in Steyr aus. Es fehlt dann das Produkt, das vor Ort gebaut wird. Jedoch würden nach dem Konzept von Wolf in Steyr in Kooperation mit dem russischen Autobauer GAZ leichte Transporter bis 3,5 Tonnen, Elektro-Busse und Lkw-Fahrerkabinen hergestellt werden.

Die renommierten Uni-Professoren Ferdinand Dudenhöffer (Center Automotive Research, Duisburg) und Bernhard Geringer (TU Wien) streuen Wolf Rosen.

„Ich finde Wolfs Konzept gut, dass man die MAN-Produkte langsam runterfährt und parallel dazu neue innovative Produkte hochfährt“, sagt TU-Professor Geringer. „Das Grundübel ist, dass man bei den Löhnen auf einem sehr hohen Level ist.“

Lohnverzicht

Aber kann die öffentliche Hand Wolf oder der Gewerkschaft unter die Arme greifen? Dudenhöffer schlägt vor, dass der Bund oder das Land die Hälfte des angepeilten Lohnverzichts für die nächsten drei Jahre finanziert. Geht es nach Wolf, so sollen die 1.250 MAN-Mitarbeiter, die er anheuern will, auf bis zu 15 Prozent Nettolohn verzichten. „Das ist für den Staat viel billiger, als wenn er die Arbeitslosigkeit dieser Mitarbeiter bezahlen muss“, sagt Dudenhöffer. „Wolf wird nicht nachbessern, wenn man ihm nicht entgegenkommt.“

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