In der Bank liegt eine Liste über die Goldgeschenke.

© APA/dpa/Sven Hoppe

Wirtschaft
12/04/2021

Machtspiel: Serbiens Präsident holt Gold aus der Schweiz zurück

Präsident Aleksandar Vučić veranlasst die Rückholung der eigenen Goldreserven. Muskelspiel oder Strategie?

von Mirad Odobašić, Melanie Klug

Unlängst hat Serbien seine gesamten Goldreserven, die bisher in der Schweiz und in Großbritannien lagerten, ins eigene Land zurückgeholt. Dabei würde es sich nach Angaben der serbischen Notenbank (NBS) um 37,2 Tonnen Gold im Wert von 1,87 Milliarden Euro handeln, berichtete der US-Staatssender Radio Free Europe.

In einem „Umfeld erhöhter globaler Unsicherheit“ wolle man die „Sicherheit und Verfügbarkeit“ des eigenen Goldes weiter erhöhen, erklärte die NBS. Vor einigen Monaten habe Präsident Aleksandar Vučić die NBS-Gouverneurin Jorgovanka Tabaković gefragt, „ob Serbiens Goldreserven aufgebraucht sind“. Verwunderlich: Hat das Land doch erst 2019 die Reserven stark aufgestockt.

Mittlerweile entsprechen diese 11,6 Prozent der serbischen Hartwährungsreserven. Vučić habe dann darauf bestanden, die Reserven besser in Serbien zu lagern, denn „man wisse nie, was in der Welt passieren kann“, wie Tabaković in einem Interview erklärte.

"Typischer Schachzug"

Für Miloš Obradović von der serbischen Tageszeitung Danas ist dieser Schachzug typisch für Vučićs Muskelspiele. „Damit wollte er eine Botschaft an die Welt senden: "Seht her, Serbien hat Gold, Serbien ist wirtschaftlich stabil‘“, erklärt der Wirtschaftsjournalist.

Goldanschaffung sei in Krisenzeiten ein Trend. „Vučić stellt es nun als sein Verdienst dar, dass man die Staatskasse durch die Wertsteigerung von Gold aufgefüllt hat. Doch ich glaube nicht, dass er diese Entwicklung kommen sah“, sagt Obradović.

China und Serbien

Hinter dem Schachzug könnte aber noch eine andere Ursache stehen – und zwar China. Das Land dränge schon lange mit wirtschaftlichen Aktivitäten in die osteuropäische Region, sagt ein Experte der Agentur für Europäische Integration und wirtschaftliche Entwicklung gegenüber dem KURIER. Ein direkter Zusammenhang sei derzeit nicht sichtbar, dennoch ist bekannt, dass China zu jenen Ländern gehört, die Gold am meisten nachfragen.

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