Kältewelle: Wer jammert, wer jubelt

Winter in Sachsen
Foto: dpa-Zentralbild/Jan Woitas

Ein langer Winter ist schlecht fürs Gemüt, aber nicht unbedingt für die Wirtschaft.

Karwoche 2013: Der Bärlauch verschneit, die Straßen vereist, der Spargel verspätet, die Schanigärten leer. Ein Grund zum Jammern? Weiße Ostern im März sind eher ein Grund zum Jubeln, meint Marcus Scheiblecker, Konjunkturexperte beim Wirtschaftsforschungsinstitut. Weil mehr Gäste zum Skifahren kommen, profitieren nicht nur der Tourismus, sondern auch der Handel sowie Gewerbe- und Handwerksbetriebe. Fällt Ostern in den April, würden viele Gäste nicht mehr Skifahren und daher gar nicht kommen. Sehr wohl gibt es aber kurzfristige „Wettereffekte“, die sich in einzelnen Branchen negativ oder positiv auswirken. Zum Teil gleicht sich das übers Jahr wieder aus, etwa im Sport- oder Textilhandel, aber nicht immer. Der KURIER fasste die Verlierer und Gewinner des heuer extrem langen Winters zusammen:

Baubranche. Für die heimische Bauwirtschaft ist der kalte März katastrophal. Betroffen ist vor allem der Tiefbau, weil bei gefrorenem Boden keine Grabungsarbeiten durchgeführt werden können. Auch der Straßenbau steht, weshalb die Bauarbeitslosigkeit heuer im März besonders hoch ist. „Der Umsatz und die Leistung, die im März verloren geht, sind nicht mehr aufzuholen“, seufzt Hans-Werner Frömmel, Bundesinnungsmeister des Baugewerbes.

Gartencenter. Schneeschaufeln statt Garteln. bauMax hat kurzerhand die Winterware wieder vorgeräumt. „Schneeschaufeln und Auftausalz sind derzeit unsere Renner“, heißt es in der Pressestelle. Klassische Gartencenter trifft es härter. Frühlingsarbeiten am Balkon und im Garten zählen zu den Hauptumsatzbringern.

Obst-Gemüsebauern. Die Kälte lähmt Landwirte und Gärtner, in weiten Teilen kann weder gepflanzt noch gesät werden. Die Ernte verzögert sich, Minusgrade während der Blüte sind aber schlimmer. Die Marchfelder Spargelbauern verweisen darauf, dass die Spargelernte zwar nicht gefährdet sei, dafür „mindestes eine Woche bis zehn Tage später“ als sonst beginne. Erste Ausfälle gebe es bei den Erdbeeren, dessen Ernte sich heuer ebenfalls verzögert.

Eissalons. Kaltes in der Kälte? Brrr. „Die Kälte trifft uns sehr, statt Eis wollen die Kunden vor allem Kaffee“, erzählt Silvio Molin-Pradel, Branchensprecher der Eissalons. Gegenüber dem warmen März des Vorjahres sei das Minus sicher zweistellig, aber es gebe auch Positives: „Wenigstens bleibt genug Zeit, die neuen Mitarbeiter einzuarbeiten“.

APARCHIV - Ein Thermostatventil an einer Heizung, fotografiert am 9. Juni 2008 in einem Haushalt in Bremen. Es gibt immer mehr Gezaenk um hohe Heizkosten. Auch diese Saison wird wieder teuer. (AP Photo/Joerg Sarbach) ** zu unserem KORR APD3783 **  --- FIL Foto: AP Energieversorger. Langer, strenger Winter – ein Traum für alle Energieversorger. Die Wien Energie rechnet allerdings nur mit durchschnittlichen Mehrkosten pro Haushalt von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Der jetzt kältere März gleicht den wärmeren November und Jänner aus“, sagt Sprecher Christian Ammer.

Man sollte annehmen, dass man beim Heizen und Lüften nicht viel falsch machen kann. Großer Irrtum. Die einen heizen zu wenig und riskieren damit Schimmelbildung. Die anderen heizen zu viel und tun damit ihrer Gesundheit auch nichts Gutes. Zwar fühlt sich jeder Mensch bei einer anderen Temperatur wohl, als Richtwert für alle kann aber gelten: 20 bis 22 Grad in Wohnräumen sind ideal, im Schlafzimmer darf es kühler sein. Wer es besonders kuschelig mag, sollte bedenken: Jedes Grad weniger bringt sechs Prozent Energieeinsparung. Doch es kommt nicht nur auf den richtigen Wärmegrad an. "Für Temperaturen haben wir ein gutes Gespür, für Feuchtigkeit weniger. Man sollte daher nicht nur ein Thermometer, sondern auch ein Hygrometer im Haus haben", sagt der Umweltberater. Letzteres misst die Luftfeuchtigkeit und diese sollte zwischen 40 und 60 Prozent liegen. "Lüftet man zu viel, kann es zu trocken werden. Aber die meisten haben das gegenteilige Problem: Die Luftfeuchtigkeit ist zu hoch", so Röster. Gibt es Wärmebrücken, kann es an den kühleren Bauteilen zu Schimmelbildung kommen, weil an diesen Stellen die Feuchtigkeit kondensiert. Maßnahme Nummer eins: Gut lüften. Das Fenster zu kippen, hat im Winter keinen Sinn. Zumindest in der Früh und am Abend sollte man für einige Minuten kräftig durchlüften. "Je höher der Temperaturunterschied, umso schneller geht der Luftaustausch. Bei kalten Temperaturen genügen also ein paar Minuten – je nachdem wie groß die Räume und die Fenster sind", so Röster. Im Neubau haben auch viele mit Kondenswasser am Fenster zu kämpfen. Denn während es in alten Häusern mit den klassischen Doppelfenstern einen natürlichen Luftaustausch gibt, sind die modernen Fenster zu dicht. Zwar gibt es mittlerweile Fensterheizungen, die den Randbereich der Scheibe erwärmen und damit die Entstehung von Kondenswasser verhindern, aufgrund des Stromverbrauchs raten aber viele Energieexperten davon ab. "Das tägliche Abwischen bleibt einem nicht erspart. Geschlossene Jalousien und Vorhänge können das Problem verstärken, weil dadurch weniger Raumwärme bis zum Fenster kommt", erklärt Röster. Ideal wäre eine gute Lüftungsanlage. Durch den ständigen Luftaustausch würde auch die Feuchtigkeit abtransportiert. Im Neubau schon fast selbstverständlich, kann man eine kontrollierte Wohnraumbelüftung auch nachträglich einbauen lassen. Doch die wenigsten nehmen diese Mühe auf sich. Und es ist nicht billig: "Je nach Größe von Haus oder Wohnung muss man mit 8000 bis 15.000 Euro rechnen", so Röster. "Es gibt Lüftungstechniker, die an einer rohrlosen Belüftungsanlage arbeiten, aber das ist noch in der Experimentierphase und wird noch ein paar Jahre dauern. Selbst wenn es gelingt, wird man zumindest an ein paar Stellen der Wand durchbrechen müssen. Man muss schließlich die frische Luft irgendwie ins Haus und die verbrauchte Luft nach draußen bringen."www.komfortlüftung.atwww.umweltberatung.atwww.energieberatung-noe.at Wie viel heizen ist gesund?Der Umweltmediziner und Landschaftsökologe Hans-Peter Hutter ist Mitarbeiter am Institut für Umwelthygiene an der MedUni WienWenn es draußen kalt ist, soll es drinnen schön warm sein. Aber welche Temperatur ist gesund?Hans-Peter Hutter: Im Wohnraum sollte es zwischen 20 und 22 Grad haben, im Schlafraum reichen 17 bis 18 Grad. Auch 19 Grad sind nicht ungesund, aber viele heizen auf 25 oder 26 Grad hinauf. Das ist definitiv zu viel. Außerdem muss es ein Gleichgewicht zwischen Temperatur und Luftfeuchtigkeit geben. Die Behaglichkeitsgrenze liegt zwischen 40 und 60 Prozent. Wenn es feuchter oder trockener ist, kann das gesundheitsschädigende Folgen haben. Was passiert, wenn die Luft zu feucht oder zu trocken ist?Wenn es zu trocken ist, spüren wird das an den Schleimhäuten der oberen Atemwege: Man bekommt eine trockene Nase und trockene Augen. Wenn die Schleimhäute austrocknen, ist die Selbstreinigung beeinträchtigt. Schadstoffe haben dann eine höhere Reizwirkung, weil die Schleimhäute empfindlicher sind. Hohe Temperaturen in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit drücken auf den Kreislauf und beeinträchtigen das Wohlbefinden. Zu Hause soll man sich aber erholen können. Wir brauchen hier ein förderliches Klima und nicht eines, das unser Wohlbefinden beeinträchtigt. Außerdem kann bei zu hoher Luftfeuchtigkeit Schimmel entstehen und Schimmelpilz kann Infektionen verursachen. Das Hauptproblem ist aber, dass Schimmel eine allergisierende Wirkung hat, also das Allergierisiko erhöht. In den vergangenen Wochen war viel vom Feinstaub die Rede. Darf man lüften, wenn die Grenzwerte überschritten sind?Grundsätzlich muss man vier bis fünf mal täglich lüften, um Schadstoffe, die Bodenbeläge, Anstriche, Farben und nicht zuletzt wir selbst abgeben, hinauszubekommen. In Wien waren wir zwei bis drei Wochen mit Hochnebel und dem Feinstaub-Problem konfrontiert. Das war aber eine Ausnahmesituation, in der man einfach einen Kompromiss finden muss: Man wird dann eben nicht gerade in der Zeit der höchsten Belastung das Fenster aufmachen. Wer Fenster an der Straßenseite des Hauses hat, sollte nicht lüften, wenn gerade viel Verkehr ist, sondern früh am Morgen oder spät am Abend. Wenn es möglich ist, sollte man nach hinten raus lüften, wo man weniger Schadstoffe vermutet. Die Fenster wochenlang gar nicht aufzumachen, ist aber sicher keineLösung.

Salinen. Die vielen Schneeräumungen treiben den Streusalzverbrauch in die Höhe und bescheren den Salinen Austria einen überdurchschnittlichen Winter. „Der März war heuer sicher ein außergewöhnlicher Monat“, freut sich Firmenchef Stefan Maix. Streusalzengpässe habe es aber keine gegeben Da müsste es schon zwei oder drei Jahre hindurch einen überdurchschnittlichen Winter geben.

Tourismus. So positiv der frühe Ostertermin im März für den heimischen Tourismus ist, es findet sich immer ein Grund zum Jammern. Denn nur angenehme Temperaturen und viel Sonnenschein würden noch kurzentschlossene Spätbucher bringen, klagt Tourismus-Branchensprecher Hans Schenner von der Wirtschaftskammer (WKÖ) über das miese Wetter. „Schnee haben wir schon mehr als genug, kurzfristige Buchungen bekommen wir nur bei Sonnenschein rein.“ Der abermalige Wintereinbruch löse bei Last-Minute-Buchern und Tagesausflüglern keine wirkliche Begeisterung aus. Am meisten von der Witterung profitieren würden noch die Thermen und die Städte, wo es genügend Indoor-Angebote gebe (siehe unten). Die Buchungslage für die Osterwoche sei mit einem Auslastungsgrad von 70 bis 90 Prozent dennoch hervorragend. Weil in einigen deutschen Bundesländern nach Ostern Ferien sind, läuft auch der April gut an. Gemäß Statistik Austria gab es in der bisherigen Wintersaison (November bis Februar) ein Nächtigungsplus von 2,3 Prozent.

Thermen. Die Thermenregionen melden bis zu 15 Prozent Umsatzplus. Die schlechte Witterung beschert ihnen unerwartete Last-Minute-Buchungen und noch mehr Tagesgäste als sonst. „Die Menschen sind extrem bewegungshungrig, haben aber den Winter schon satt, davon profitieren wir natürlich“, erzählt Gernot Deutsch, Geschäftsführer der Therme Bad Waltersdorf, die über die Osterfeiertage komplett ausgebucht ist.

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Warum das Wetter so schlecht ist

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<p>Ist so ein Wetter Ende März normal? Und wann kommt endlich der Frühling?</p>

(KURIER) Erstellt am
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