Kunststoffkonzern Greiner verzeichnet Nachfrageeinbruch und setzt auf Europa

Kunststoffkonzern Greiner verzeichnet Nachfrageeinbruch und setzt auf Europa
Das oberösterreichische Verpackungs- und Schaumstoff-Unternehmen musste 2023 Umsatzeinbußen hinnehmen, sieht sich aber langfristig auf Kurs.

Europa und auch der Wirtschaftsstandort Österreich sind zuletzt ins Gerede gekommen. Studien zeigen schlechte Stimmung bei den Firmen und rückläufigen Investitionen.

Auch vor einer Deindustrialisierung wird immer wieder gewarnt. Dass es auch anders geht, zeigt das oberösterreichische Kunst- und Schaumstoffunternehmen Greiner

Mehr als 80 Prozent der Investitionen in Europa

Von insgesamt 138 Millionen Euro an Investitionen flossen mehr als 80 Prozent in europäische Standorte. 56 Millionen Euro wurden in Österreich investiert. Daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern, sagte Greiner-Vorstandsvorsitzende Saori Dubourg am Dienstag bei der Präsentation der Jahresbilanz in Wien. "Wir werden auch weiter stark in Europa verankert bleiben."

Auch zum Standort Österreich bekennt sich der Konzern. "Wir finden hier gute Bedingungen vor, um neue Technologien und Produkte zu entwickeln", sagte Finanzchef Hannes Moser

Umsatzeinbruch

Das vergangene Jahr war für den oberösterreichischen Konzern kein einfaches. Der Umsatz brach um 9,1 Prozent auf 2,1 Mrd. Euro ein. Betroffen waren alle Sparten, wie Moser ausführte:

  • In der Verpackungssparte gab es zwar mengenmäßig moderate Zuwächse. Weil die Nachfrage nach Premiumproukten wegen der hohen Inflation rückläufig war, gingen die Umsätze insgesamt zurück. Im Branchenvergleich stehe man aber dennoch gut da, sagte Moser. Geholfen habe dabei auch die Fokussierung auf Lebensmittelverpackungen. 
  • Im Schaumstoffbereich für Matratzen und Polstermöbel hat man nach Corona ebenfalls mit einer schwachen Nachfrage zu kämpfen. Bei Schaumstoffen für Flugzeuge geht es vor allem wegen der hohen Nachfrage aus den USA wieder bergauf. 
  • In der Medizinproduktesparte Bio One gebe es wegen der in der Corona-Zeit angehäuften hohen Lagerbestände ebenso wie bei Forschungslaboren  Kauf- und Investitionszurückhaltung. 

Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen, hoher Inflation und Steigerungen bei den Produktionskosten sprach Moser dennoch von einem "soliden Ergebnis". 

Greiner hält an ehrgeizigem Nachhaltigkeitskurs fest ­ trotz herausforderndem Marktumfeld

Greiner Vorstandsvorsitzende Saori Dubourg

Umfeld bleibt herausfordernd

Für das laufende Geschäftsjahr sieht man im Verpackungsbereich bereits Erholungstendenzen. Insgesamt werde das Marktumfeld aber herausfordernd bleiben. Erwartet wird ein Umsatzplus im niedrigen einstelligen Prozentbereich. 

Im Fokus stehen im laufenden Geschäftsjahr die Fortführung der im vergangenen Jahr beschlossenen Nachhaltigkeitsstrategie und die Kreislaufwirtschaft.

Chancen durch den Green Deal

2022 wurde ein serbisches Recycling-Unternehmen übernommen. Beim Recycling habe man bereits die Hälfte der von der EU formulierten Ziele erreicht, sagte Firmenchefin Dubourg. In Bezug auf das Lieferkettengesetz sei man im Diaolog mit den Lieferanten. Das sei für die gesamte Industrie ein enormer Mehraufwand, sagte Dubourg. 

Der europäische Green Deal bringe viele Regularien, er berge auch viele Chancen: "Es sind große Märkte, die entstehen. Für Europa ist es die Chance, die Wirtschaft dauerhaft zu intensivieren."

Investitionen in Mitarbeiter

Investiert wird auch in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In Summe kam 2023 jeder Mitarbeiter auf 15 Weiterbildungsstunden. Der Arbeits- und Fachkräftemangel sei nicht nur in Österreich, sondern weltweit Thema, sage Dubourg. Gestärkt werden sollen vor allem Kompetenzen im Bereich der Künstlichen Intelligenz und der Nachhaltigkeit. Der Frauenanteil in Führungspositionen betrug im vergangenen Jahr 27 Prozent. Bis 2030 sollen es 40 Prozent werden. 

Die Anzahl der Beschäftigten in den weltweit 118 Standorten in 33 Ländern ging im vergangenen Jahr wegen des Verkaufs des Automotive-Geschäfts und Kündigungen im Schaumstoff- und Medizinproduktebereich in Deutschland um 9,3 Prozent auf 10.544 zurück. In Österreich legte die Mitarbeiterzahl leicht um 3 Prozent auf 2.050 zu. Aktuell sind weltweit 190 Stellen bei Greiner unbesetzt, 60 davon in Österreich.

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