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Interview
07/23/2022

Geniale Zwillingsbrüder: Von der Schule bis zum Doktorat mit ausgezeichnetem Erfolg

Als erstes Zwillingspaar haben Reinmar und Erich Kobler ihr Doktorat an der TU Graz „sub auspiciis“ beendet. Seit der Oberstufe nur „ausgezeichnete Erfolge“ – wie geht das?

von Angelika Gross

KURIER: Ihr gehört jetzt definitiv einer geistigen Elite an. Wie geht es euch damit?

Erich Kobler: Sagen wir es so, wenn man in der Schule sehr leistungsorientiert ist, ist man nicht immer der beste Freund von allen.

Reinmar Kobler: Das stimmt. Erst auf der Uni – und vor allem beim Doktoratsstudium – ist man dann mehr in seiner Bubble. Da sind dann nur mehr die Strebsamen und Fleißigen dabei.

Apropos strebsam, wann fing euer Eifer an?

Reinmar: Unsere Eltern haben uns schon sehr früh gefördert. Sie haben uns den Rücken freigehalten, sodass wir uns von Anfang an auf unsere Lernziele konzentrieren konnten. Dass sie uns erlaubt haben, für die weitere Ausbildung von zu Hause wegzugehen, war sehr wichtig für uns.

Erich: Wir kommen aus einem kleinen Ort in Oberösterreich, Grieskirchen. Wir sind dann in die „weit entfernte“ Stadt Linz gezogen und haben dort die HTL besucht. Unter der Woche waren wir im Schülerheim. Dort hat man schon gemerkt, dass Reinmar und ich sehr strebsam sind. Wir haben eben gerne gelernt.

Wieso waren eure Eltern so sehr dahinter?

Reinmar: Unsere Mutter war selbst Lehrerin und sie war schon ein bisschen streng. Es gab gewisse Regeln, die mussten wir einhalten. Wenn wir von der Schule heimgekommen sind, gab es zuerst Essen, dann mussten die Hausaufgaben erledigt werden, und erst danach durften wir spielen. Von ihr haben wir viel Disziplin gelernt. Leider ist sie viel zu früh verstorben.

Erich: Unser Vater war auch Akademiker, das macht, glaube ich, schon viel aus. Er hat immer gesagt: „Wissen kann man einem nicht wegnehmen, deswegen ist es gut, wenn man etwas lernt.“

Ihr habt als Zwillingspaar gemeinsam die Auszeichnung „Sub auspiciis“ erhalten. Habt ihr auch immer gemeinsam gelernt?

Erich: In der HTL waren wir in unterschiedlichen Klassen. Im Bachelorstudium waren wir dann wieder drei Jahre zusammen. Da haben wir alle Vorlesungen gemeinsam besucht. Natürlich haben wir uns gegenseitig geholfen und gemeinsam gelernt. Man wusste immer, dass da jemand ist, der sich auch gut auskennt. Das hat auf jeden Fall geholfen.

Herrscht da manchmal ein Konkurrenzkampf?

Erich: Ja, schon.

Reinmar: Es spornt aber auch an. Wenn man sieht, dass der andere etwas schafft, weiß man, dass man es selbst auch schaffen kann.

Was ihr geschafft habt, ist eine geistige Höchstleistung. Was ist eure Strategie?

Reinmar: Gleich vorweg, der Mensch kann viel leisten, er muss es sich nur zutrauen. Das habe ich bei meinem Vater auch gesehen, der ist selbstständig. Man muss sein Leben aber auch genießen und gut abschalten können. Dass man Lernzeit und Freizeit voneinander trennen kann, ist wichtig.

Erich: Was mir bei mir aufgefallen ist: ich kann die Umgebung rund um mich herum sehr gut ausblenden und mich nur auf die Sache fokussieren und konzentrieren.

Und was würdet ihr jungen Menschen raten?

Reinmar: Man soll sich etwas zutrauen, aber nicht aufopfern. Man muss in sich gehen und sich fragen: Ist das ein Thema, für das ich brenne und bin ich bereit, dafür viel Zeit zu investieren? Glücklicherweise war das bei uns der Fall.

Womit beschäftigt ihr euch aktuell?

Erich: Aktuell bin ich noch Senior Lecturer an der JKU in Linz, über den Sommer wechsle ich aber an die Universität Bonn, wo ich an der Schnittstelle zwischen Bildverarbeitung und Medizin forschen werde. Mich interessiert alles, was mit Bildern und Signalen zu tun hat. Ich möchte außerdem Verbindungen zwischen klassischen Methoden der Bildverarbeitung und dem maschinellen Lernen untersuchen.

Reinmar: Ich beschäftige mich mit Elektro-Impedanz-Tomographie, das ist eine Methode, um Hirnaktivität aufzuzeichnen. Dabei platziert man Elektroden auf der Schädeloberfläche. Das Ziel meiner Forschung während des Doktorats war, aus den gesendeten Signalen die Aktivität von Bewegungen, also von zielgerichteten Armbewegungen, zu extrahieren. Ziel ist, dass man in Zukunft diese Technologie zum Beispiel bei Querschnittsgelähmten so nutzen kann, dass sie ihre Arme wieder bewegen können. Elon Musk macht mit seinem Unternehmen „Neurolink“ übrigens etwas ganz Ähnliches.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Reinmar: Ich lebe jetzt seit anderthalb Jahren in Japan, meine Frau ist Japanerin. Wir haben eine gemeinsame Tochter, die sechs Monate alt ist. Das steht für mich momentan an erster Stelle. Mal sehen, wo die Reise noch hingeht, aber es wird bestimmt spannend.

Erich: Vielleicht ergibt sich ja in naher Zukunft ein gemeinsames Forschungsthema.

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