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Wirtschaft Karriere
07/09/2022

Ab in den Urlaub: Sind es bald sechs Wochen und wie viel Urlaub haben andere Länder?

Mindestens fünf Wochen pro Jahr soll er dauern und der Erholung dienen. Woher unser Urlaubsanspruch stammt und wieso man seinen Chef im Urlaub ignorieren darf.

von Andrea Hlinka

Mindestens fünf Wochen Urlaub haben die meisten Menschen in Österreich pro Jahr. In Europa sind sie damit nicht alleine, international betrachtet jedoch im Spitzenfeld. Denn in den USA etwa gibt es keinen gesetzlichen Urlaubsanspruch. Auch in Österreich war der Urlaubsanspruch lange gesetzlich nicht abgesichert.

Urlaub war den Reichen vorbehalten

Marliese Mendel, Historikerin beim Österreichischen Gewerkschaftsbund, erklärt: „Urlaub hat es schon immer in irgendeiner Art und Weise gegeben, doch war er im 19. Jahrhundert den Reichen und Mächtigen vorbehalten. Sie gingen auf Sommerfrische, Kavalierstouren und fuhren auf Kur.“ Das Narrativ der Arbeiterinnen und Arbeiter war ein anderes: „ Die Maschinen mussten laufen und die Arbeit an der frischen Luft oder der neuen Fabrik war, laut der Idee der Reichen, ohnehin schön“, so Mendel.

Fachkräfte 

Als Fachkräfte rar wurden, drehte sich die Geschichte. Um sie zu halten, stimmten die Arbeitgeber der Forderung nach Urlaubstagen zu. Die Ersten, die in ihrem Betriebskollektivvertrag Urlaub zugesichert bekamen, waren jene, die gewerkschaftlich sehr gut organisiert waren: die Brauer, Buchdrucker und Metaller. Mit der Verabschiedung des Arbeiter-Urlaubsgesetzes am 30. Juni 1919 wurde der Anspruch auf Urlaub rechtsverbindlich, jedoch waren es nur wenige Tage.

Gründung des Gewerkschaftsbunds

Erst mit dem neuen Erstarken der Gewerkschaften und der Gründung des Gewerkschaftsbunds 1945 wurden weitere Verbesserungen erreicht. Der große Wurf gelang 1976 mit dem Bundesgesetz zur Vereinheitlichung des Urlaubsrechts und der Einführung der Pflegefreistellung.

Fünf Wochen erst seit 1986

Fünf Wochen gibt es erst seit 1986 – er wurde etappenweise eingeführt. Nach 25 Jahren beim selben Arbeitgeber (Vordienstzeiten bis zu zwölf Jahre können angerechnet werden) sind es sechs Wochen. Eben diese sechs Wochen fordert der ÖGB nun für alle Arbeitnehmenden, denn das würde Produktivität und Wohlbefinden steigen.

25 Jahre selten möglich

Zudem seien 25 Jahre beim selben Arbeitgeber nur noch selten möglich. „Vor allem die jungen Generationen wechseln ihre Jobs häufiger, wodurch sie mit dieser Regelung, dass man erst nach 25 Dienstjahren die 6. Urlaubswoche erreicht, automatisch ausgeschlossen werden“, sagt Charlotte Reiff, Juristin im ÖGB.

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