Die ÖBB-Tochter Rail Cargo Group ist der zweitgrößte Bahnlogistiker in Europa. Der Marktanteil in Österreich beträgt zwei Drittel.

© ÖBB/Harald Eisenberger

Wirtschaft
09/25/2021

„Jeder Verkehrsträger soll die Kosten tragen, die er verursacht“

ÖBB-Chef Andreas Matthä fordert Bahnanschlusspflicht für neue Gewerbeparks und Kostenwahrheit im Güterverkehr.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

„Wir stehen vor gewaltigen Herausforderungen durch die Klimakrise, die Alarmglocken schrillen sehr laut“, sagt ÖBB-Chef Andreas Matthä. „Österreich will bis 2040 klimaneutral sein. Da kann man nicht verschweigen, dass 30 Prozent der -Emissionen auf den Verkehr entfallen. Der Hauptverursacher ist der Lkw-Gütertransport.“ Laut Bahn besteht daher ein dringender Handlungsbedarf.

„Es gibt eine einfache Lösung, Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Bahn, das ist einer der schnellst wirksamen Hebel für die -Einsparung“, sagt der ÖBB-Chef. Denn die Bahn produziere 40-mal weniger als der Lkw-Verkehr. Zum Vergleich: Ein Güterzug ersetzt etwa 40 Lkw.

Der Marktanteil der Schiene am Güterverkehr beträgt hierzulande 28 Prozent, vor zehn Jahren lag er noch bei einem Drittel.

Die ÖBB-Tochter Rail Cargo Group (RCG) hat einen Marktanteil von zwei Dritteln und ist nach der deutschen DB Cargo die Nummer zwei in Europa. Rund 1.260 Güterzüge werden täglich abgefertigt. „Wir sind felsenfest überzeugt, dass die Wettbewerbsbedingungen für die Bahn sowohl auf der europäischen als auch auf der nationalen Ebene verbessert werden müssen“, sagt Matthä. „Wir brauchen mehr Kostenwahrheit. Jeder Verkehrsträger soll die Kosten tragen, die er verursacht, um einen gerechten fairen Wettbewerb zu ermöglichen.“ So entstünden durch den Lkw-Verkehr Kosten, zum Beispiel Lärm- und Staukosten, für die derzeit die Allgemeinheit aufkomme.

Ökosteuer

Zugleich sollte das Wegeentgelt für den Schienengüterverkehr reduziert werden. „Ein Lkw zahlt auf der Landstraße keine Maut, die Bahn zahlt für jeden Meter auf der Schiene Maut und Gebühren“, sagt der ÖBB-Chef.

So setzt die Bahn auch auf eine vorausschauende Klimapolitik der EU. Die EU-Kommission habe dazu das Fit-for-55-Programm vorgelegt, das unter anderem die Schaffung eines Emissionshandelssystems für Gebäude und Verkehr vorsieht. Dem Vorschlag der europäischen Investitionsbank, die Tonne mit 250 Euro zu bepreisen, kann Matthä viel abgewinnen.

„Unser Vorschlag ist, 25 Prozent dieser Mittel für den Ausbau der Bahn und die Digitalisierung zu reservieren“, sagt der ÖBB-Chef. In Summe sei es aber wichtig, dass man einen einheitlichen europäischen Eisenbahnraum schaffe. Die EU-Kommission müsse dafür Anreize schaffen.

Aber auch nationale Eingriffe sind gefragt. „Ein besonderes Anliegen ist es mir, dass künftig in der Raumordnung für Gewerbe- und Industrieparks ein Bahnanschluss verpflichtend vorgeschrieben wird“, sagt Matthä. „Ein Bahnanschluss ist wesentlich für eine -neutrale Ver- und Entsorgungskette.“

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