Wie der Iran-Krieg in Österreich die Preise in die Höhe treibt

Einem Experten zufolge werden Lebensmittel und andere Waren in den kommenden Monaten teurer werden.
An LPG gas tanker at anchor as traffic is down in the Strait of Hormuz, in Shinas

Die gestiegenen Spritpreise der vergangenen Wochen erregten die Gemüter vieler Autofahrer. Doch der Krieg im Iran hat auf die Weltwirtschaft und auch auf Österreich weitreichendere Folgen.

Durch Störungen in den Lieferketten verschiedener Güter könnten etwa die Lebensmittelpreise und die Inflation insgesamt steigen. Und auch die Vorbereitungen für den kommenden Winter werden beeinträchtigt, warnt Lieferkettenexperte Marco Felsberger im Gespräch mit dem KURIER.

Hormus-Blockade legt den Schiffsverkehr der Region lahm

Hintergrund ist der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus, der seit Beginn der Angriffe ruht. Die Frachter passieren den Engpass, der den persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet, nicht mehr, weil Schiffe attackiert wurden und sich keine Versicherer mehr finden, die Fracht und Schiffe versichern. 

Dass das iranische Regime nun plant, auf der vor allem für Öltransporte wichtigen Schifffahrtsroute Minen unter Wasser zu platzieren, könnte die Blockade auch für die Zeit nach Kriegsende für eine unbestimmte Zeit verlängern. 

Obwohl es keine starke Abhängigkeit der europäischen Staaten von Öllieferungen aus Nahost gibt, trifft die Liefersperre die Länder indirekt. Ein großes Thema sei dabei der hohe Gaspreis. Denn in der Zeit von April bis Oktober füllen die europäischen Staaten ihre strategischen Gasspeicher auf. Dabei seien die hohen Preise natürlich hinderlich, sagt Felsberger. 

Der Experte warnt vor einer Gas-Situation wie 2022

„Die Speicher waren schon im vergangenen Jahr nicht so gut gefüllt, wie sie es sein sollten, weil das Gas extrem teuer war. Das wird wahrscheinlich heuer wieder ein Problem werden.“ Die Folge wäre eine ähnliche Situation wie 2022, in der man sich „am Rande einer Krise“ befindet, so der Experte, der als Berater beim heimischen KI-Unternehmen Prewave arbeitet.

Neben Gas sind auch die Preise für Düngemittel seit Kriegsbeginn schnell angestiegen. Denn für die Herstellung von Stickstoffdüngern wird etwa Ammoniak benötigt, das so wie einige andere Chemikalien aktuell nur eingeschränkt lieferbar ist. 

Chemieindustrie warnt vor „extremen Engpässen“

Ein Fünftel des Welthandels mit Ammoniak stammt aus Nahost und wird normalerweise durch die Straße von Hormus geliefert. Erste Warnungen gab es diesbezüglich am Donnerstag von der deutschen Chemieindustrie. „Unsere Unternehmen berichten von Signalen für erste extreme Engpässe und dem Abbrechen von Lieferketten“, sagte der Hauptgeschäftsführer des deutschen Branchenverbands VCI, Wolfgang Große Entrup

Nicht nur seien Rohstoffe nicht lieferbar. China habe außerdem den eigenen Export gestoppt und halte einige Produkte wegen der angespannten Lage für den Eigenbedarf zurück, was die Situation weiter verschärfe.

Eine Karte zeigt an, wo die Straße von Hormus liegt

Mangel an Dünger führt zu Ernteausfällen und steigenden Lebensmittelpreisen

Auch der Zeitpunkt sei „sehr ungünstig“, sagt Felsberger, weil die Düngerpreise gerade jetzt während der Aussaat in Europa stark ansteigen. Wenn während dieser Zeit kein Düngemittel verfügbar ist, kann das zu Ernteausfällen führen. In Österreich und anderen europäischen Staaten werden sich die Folgen nach der Ernte in drei bis vier Monaten bei den Lebensmittelpreisen zeigen, kündigt Felsberger an. 

„Ich gehe davon aus, dass Lebensmittel des täglichen Bedarfs entsprechend teurer werden.“ Die Teuerung werde aber nicht nur Lebensmittel betreffen. „Öl und Gas sind die Grundlage für jedes wirtschaftliche Handeln, deshalb wirken sich Preissteigerungen auf die Preise von allen Produkten aus. Man wird hier in den kommenden Monaten wieder eine höhere Inflation sehen.“

Die nächste Chipkrise könnte bereits bevorstehen

Auch im Technologiebereich geht Felsberger in den kommenden Monaten von einer größeren Anspannung aus – vor allem im Bereich der Halbleiter, die sich in fast allen elektronischen Geräten finden. Für deren Produktion wird Helium benötigt, das als Nebenprodukt bei der Gasgewinnung anfällt. Ein Viertel der weltweit benötigten Menge wird aus Katar geliefert, das durch die Hormus-Sperre aktuell abgeschnitten ist. 

Felsberger geht hier in den kommenden Monaten von Engpässen aus, denn Helium ist in großen Mengen kaum lagerbar. „Wenn der Konflikt andauert, vermute ich, dass wir in zwei bis vier Monaten die ersten Schlagzeilen sehen werden, dass es wieder eine Chipkrise gibt.“

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