Wachstum in Emiraten halbiert: „Alles andere wäre ein Wunder“

Vereinigte Arabische Emirate (VAE). Dubai und Abu Dhabi leiden derzeit gehörig unter den iranischen Angriffen. Österreichs Wirtschaftsdelegierter Brunner rechnet aber fix mit einer Aufholjagd 2027.
Abu Dhabi am 1. März

Angriffe durch iranische Drohnen seien mittlerweile Alltag in Abu Dhabi und Dubai, durchschnittlich drei bis vier Mal am Tag gebe es wirklich lauten Alarm über das Smartphone.

„Dann lautet die Anweisung der Behörden, in geschlossenen Räumen, in der Wohnung oder im Büro zu bleiben, obwohl es öffentliche Sicherheitsräume gibt“, schildert Österreichs Wirtschaftsdelegierter, Johannes Brunner, aus Abu Dhabi. „Die Logik ist, nur nicht ins Freie gehen, damit einen keine Splitter oder herunterfallende Trümmer treffen.“

Wenig ratsam sei es freilich, sich im Büro ans Fenster zu stellen und zu schauen, ob man irgendwo Feuer oder Rauch sieht, sagt Brunner. „Und mitfilmen würde ich auch nicht und das Video dann im Internet verbreiten. Dafür kann man hier belangt werden.“

Zwei Wochen nach dem Beginn der israelischen und amerikanischen Angriffe auf den Iran und die Gegenschläge des Mullah-Regimes in der gesamten Golfregion werde der absehbare wirtschaftliche Schaden immer größer. Auch wenn Großbaustellen und Mega-Projekte wie der neue Flughafen in Dubai oder die Hochgeschwindigkeitsbahnverbindung zwischen Dubai und Abu Dhabi ungestört weiterliefen, sei doch längst klar, dass das Wirtschaftswachstum einbrechen werde. Denn: Der Luftraum war geschlossen, die Reisewarnung sei noch immer aufrecht, damit wird der Tourismus klarerweise schwer getroffen. Aber auch gestörte Lieferketten oder der Angriff auf die Raffinerie der staatlichen Ölgesellschaft Adnoc, Großaktionär der OMV, hinterlassen natürlich kostspielige Spuren, sagt Brunner. Ergänzt aber sogleich: „Es kam zu keinem Run auf die Banken, es gab keine Panik, keinen Run auf die Supermärkte. Der einzige Schock hier war, dass die Golfstaaten angegriffen wurden, obwohl sie sich ja immer aus dem Konflikt zwischen Iran und den USA herausgehalten haben.“

Wachstum halbiert

Noch im Oktober waren für die Vereinigten Arabischen Emirate Wachstumsraten für 2026 von fünf Prozent, das stärkste Wirtschaftswachstum in der Golfregion, prognostiziert worden. Nun sprechen neueste Prognosen etwa der US-Ratingagentur Standard & Poor’s von nur noch 2,5 Prozent – so es nicht weiter runtergeht. Immer abhängig von der Dauer des Krieges und den Attacken aus dem Iran.

Heilsame Korrektur

Brunner bleibt aber optimistisch: „Positiv ist, es herrscht hier kein richtiger Schockzustand. Ich glaube, dass sich der Wirtschaftseinbruch höchstwahrscheinlich auf das Jahr 2026 beschränken wird und wir 2027 eine Aufholjagd sehen werden. Dafür ist in den vergangenen Jahren zu viel Geld in den VAE investiert worden. Der Zuzug ausländischer Unternehmen und Superreicher aus aller Welt spricht dafür. Maximal die längst rekordverdächtigen Immobilienpreise dürften sinken, aber hier war so etwas wie eine heilsame Korrektur ohnehin erwartet worden.“

Die Wirtschaftsbeziehungen zu Österreich hätten sich zuletzt prima entwickelt, weiß Brunner. 2025 legten Österreichs Exporte in die VAE wieder um 3,5 Prozent zu und erreichten mit Ausfuhren von Maschinen, Fahrzeugen und Waren aus Eisen und Stahl ein Niveau von 845 Millionen Euro. Umgekehrt exportierten die VAE im Vorjahr Waren im Umfang von 171 Mio. Euro nach Österreich – vor allem Zündkabel für Autos und Aluminium, aber interessanterweise kein Erdöl. Das geht in andere Weltregionen, wenn die Blockade der Straße von Hormus wieder enden sollte.

In diesem Jahr dürfte der Import-Export mit den VAE freilich einbrechen und sich wohl erst 2027 erholen. „Alles andere wäre ein Wunder“, sagt Brunner.

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