Nationalbank: Iran-Krieg dürfte Wirtschaftserholung 2026 zunichte machen
OeNB-Chef Martin Kocher
Man sollte mit dem Wort Rezession vorsichtig umgehen, mahnt OeNB-Chef Martin Kocher zu Ruhe und Besonnenheit angesichts der weit verbreiteten Wachstums- und Inflationssorgen ausgelöst durch den Irankrieg. Er sehe momentan keine Anzeichen für ein neuerliches Schrumpfen der Wirtschaft in Österreich wie in den Jahren 2023 und 2024.
Klar ist, ohne humanitäre Tragödien und wirtschaftliche Schäden geht kein Krieg vorbei. Dennoch könnten sich die wirtschaftlichen Schrammen in Grenzen halten. Denn die zuletzt stark gestiegenen, dann aber wieder gefallenen Öl- und Gaspreise liegen vom Niveau her noch weit unter den Spitzenwerten aus der Zeit des einsetzenden Ukrainekrieges 2022. Es gilt also abzuwarten, wie lange der Irankrieg dauert bzw. wie heftig er noch wird.
Die Nationalbank hat am Dienstag Szenarien präsentiert, die von einem Anstieg der Inflation und einem Rückschlag für das Wirtschaftswachstum ausgehen. Und das ausgerechnet in einem Jahr, in dem sich die in 2025 zaghaft angesprungene Konjunktur endlich zu einer echten Erholung hätte verfestigen sollen.
Auch Wifo-Chef Gabriel Felbermayr sagte zuletzt im KURIER-Gespräch, diese Krise „brauchen wir jetzt wie einen Kropf.“
Ein Prozent Wachstum ist Geschichte
Kurz vor Weihnachten wurden von Wifo und IHS die aktuellsten verfügbaren Prognosen für Österreichs Wirtschaft im Jahr 2026 veröffentlicht. Damals wurde noch mit einem Wirtschaftswachstum von einem Prozent für 2026 gerechnet. Das ist jetzt drei Monate her.
Nun erwartet die Nationalbank – je nach Szenario – einen Dämpfer zwischen 0,25 und einem halben Prozentpunkt für das Wachstum in diesem Jahr.
Das bedeutet, bei einem längeren Konflikt kommt es wieder nur zu einer Mini-Erholung, ähnlich der „Wachstums“-Rate von 0,6 Prozent Jahr 2025. Und gleichzeitig würde die Inflation um einen Prozentpunkt steigen. Dies alles unter der Annahme eines durchschnittlichen Ölpreises über das Jahr 2026 gesehen von 100 Dollar je Fass und 70 Euro je MWh beim Gas sowie hoher Unsicherheit bei Haushalten und Unternehmen.
In einem optimistischeren Szenario bleibt der Ölpreis im Durchschnitt bei 85 Dollar und der Gaspreis bei 55 Euro. Dann würde der Wachstumsdämpfer nur einen Viertelprozentpunkt ausmachen.
Unter den vielen diskutierten Gegenmaßnahmen speziell bei den Tankstellenpreisen kann sich Kocher vorstellen, etwa die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel zu senken. Der Notenbankchef will sich aber auf kein konkretes Modell festlegen.
Auch bei der Frage, wie die EZB auf die steigende Inflation reagieren wird, verwies Kocher auf die Sitzung in der kommenden Woche. „Wir müssen vorsichtig und nicht voreilig reagieren. Die EZB kann jederzeit reagieren und das ist der richtige Zugang in dieser unsicheren Lage.“ Auch der litauische Notenbankchef Gediminas Simkus argumentiert, dass die Zentralbank angesichts der außergewöhnlichen Volatilität nicht bei jeder Marktbewegung die Geldpolitik neu bewerten könne.
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