Nationalbank: Iran-Krieg dürfte Wirtschaftserholung 2026 zunichte machen
OeNB-Chef Martin Kocher
Man sollte mit dem Wort Rezession vorsichtig umgehen, mahnt OeNB-Chef Martin Kocher zur Besonnenheit angesichts des Irankrieges. Er sehe kein neuerliches Schrumpfen der Wirtschaft in Österreich wie in den Jahren 2023 und 2024. Denn die zuletzt stark gestiegenen, dann aber wieder gefallenen Öl- und Gaspreise liegen vom Niveau her noch weit unter den Spitzenwerten aus der Zeit des einsetzenden Ukrainekrieges 2022.
Und dennoch, die Nationalbank hat am Dienstag Szenarien präsentiert, die von einem Anstieg der Inflation und einem Rückschlag für das Wirtschaftswachstum ausgehen und das ausgerechnet in einem Jahr, in dem sich die in 2025 zaghaft angesprungene Konjunktur endlich zu einer echten Erholung verfestigen hätte sollen.
Kurz vor Weihnachten wurden von Wifo und IHS die aktuellsten verfügbaren Prognosen für Österreichs Wirtschaft im Jahr 2026 veröffentlicht. Mit einem Prozent Wirtschaftswachstum wurde da gerechnet.
Nun erwartet die Nationalbank - je nach Szenario - einen Dämpfer zwischen 0,5 und einem Prozentpunkt für das Wachstum in diesem Jahr. Das bedeutet, bei einem längeren Konflikt geht sich heuer bestenfalls die schwarze Null aus und die Inflation würde um einen ganzen Prozentpunkt steigen. Dies unter der Annahme eines durchschnittlichen Ölpreises über das Jahr 2026 von 100 Dollar je Fass und 70 Euro je MWh beim Gas.
Kocher kann sich unter den vielen diskutierten Gegenmaßnahmen vorstellen, etwa die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel zu senken, will sich aber auf kein konkretes Modell festlegen. Auch bei der Frage, wie die EZB auf die steigende Inflation reagieren wird, verwies er auf die kommende Sitzung nächste Woche. "Wir müssen vorsichtig und nicht voreilig reagieren. Die EZB kann jederzeit reagieren und das ist der richtige Zugang in dieser unsicheren Lage."
Kommentare