Die Straße von Hormus: Ein Minenfeld für die Weltwirtschaft

Trump hat sich in der Straße von Hormus verkalkuliert: Der Iran beschießt nicht nur Schiffe, er platziert auch Sprengkörper unter Wasser. Die USA können dagegen wenig tun – die Minen verlängern den Krieg ins Ungewisse.
Brennender Tanker an er Straße von Hormus

Für Donald Trump ist die Lösung einfach. Anfang der Woche sagte er im Fox-Interview, die USA hätten Irans Flotte derart in Grund und Boden gebombt, dass die Straße von Hormus quasi sicher sei. Die Schiffsleute dort sollten „sich einfach mal ein bisschen was trauen“ und durchfahren – es gebe nichts zu befürchten.

Funktioniert hat das nicht. Vor Kriegsbeginn fuhren im Schnitt um die 100 Tanker durch die Meeresenge, sie belieferten die Welt mit Öl, Gas, Aluminium, Düngemitteln. Bis heute steht der Verkehr aber dort praktisch still, was die Preise weiter hochtreibt – der Iran hat seinen Beschuss nicht eingestellt, entgegen Trumps Behauptungen. Am Mittwoch brannten wieder drei Tanker.

Straße von Hormus

6000 Minen

Trump muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, sich verkalkuliert zu haben. Die USA hätten vor Kriegsbeginn nicht damit gerechnet, dass der Iran die Weltwirtschaft mit einer Hormus-Blockade derart in Geiselhaft nehmen würde. Im Vorfeld habe es zwar einen massiven Truppenaufmarsch in der Region gegeben, die teils nur 33 Kilometer breite Meeresenge sei aber nicht speziell geschützt worden. Auch die eigene strategische Ölreserve haben die USA vorab nicht aufgefüllt; die Kosten dafür sind jetzt massiv gestiegen.

Problematisch für die USA ist aber nicht nur der Beschuss von Land, sondern auch die zunehmende Gefahr im Wasser. Laut Geheimdiensten haben die Revolutionsgarden begonnen, die Meeresenge zu verminen. Zehn Stück Unterwasser-Sprengkörper wurden bisher dokumentiert, im Arsenal hat der Iran aber viele mehr – bis zu 6000 sollen es sein. Und um sie anzubringen, brauchen die iranischen Kämpfer auch nicht jene Riesenschiffe oder U-Boote, die Trump bereits zerstört haben will – es reichen kleine Schiffchen, die wie Fischerboote aussehen, oder schlichte Schlauchboote.

Weil die USA nicht genügend Minenräumkapazitäten haben – auch die wurden vor Kriegsbeginn nicht verlegt –, wird die Kritik in den USA lauter. Die New York Times berichtet von einem Präsidenten-Briefing, bei dem klar geworden sei, dass Trumps Leute „keinen Plan“ hätten, wie die Straße von Hormus wieder geöffnet werden könnte. Auch nach außen hin ist die Kommunikation chaotisch: Trump selbst sprach von Begleitschiffen der Marine, die die Tanker aus dem Persischen Golf herausführen würden. Energieminister Chris Wright vermeldete danach auf X, dass diese Eskorte bereits eingesetzt wurde. Das löschte er kurz danach: Er hatte so zwar kurzfristig den Ölpreis gedämpft, doch die Info war schlicht falsch. Auch die US-Streitkräfte vermeldeten daraufhin, man habe „keine Kapazitäten“ zum Schutz ziviler Schiffe.

Auch Reeder halten wenig von den Ideen Trumps. Der US-Präsident hatte angekündigt, eine staatlich geförderte Versicherung für Schifffahrtsunternehmen anzubieten. Große Reedereien äußerten allerdings Zweifel, ob das etwas an der Lage ändern würde – selbst mit einer Eskorte der US-Army würde man derzeit keine Schiffe durch die Meeresenge schicken, werden Branchenvertreter im Fachmagazin Lloyd's List zitiert.

Schwer zu entminen

Vermint der Iran die Meeresenge weiter im großen Stil, würde das den Krieg zudem ins Ungewisse verlängern. Minenräumung ist sehr aufwändig und teuer, dazu wird die Position von Minen oft absichtlich nicht vermerkt. Aus vergangenen Kriegen liegen darum noch unzählige explosionsfähige Sprengkörper auf dem Meeresgrund, allein in der Ostsee sollen es noch bis zu 100.000 sein.

In einer Engstelle wie Hormus hätte eine großflächige Verminung aber deutlich größere Wirkung. Die Warenströme wären für längere Zeit unterbrochen, das hätte nicht nur massive Auswirkungen auf Gas- und Ölpreise, sondern auch auf den Lebensmittelmarkt – ein Drittel des globalen Düngemittelhandels passiert die Meeresenge.

In den USA hofft man, dass die Mullahs diesen Schritt aus Selbstschutz nicht setzen. Mit einem Minenteppich würden sie sich auch selbst den Geldhahn zudrehen – iranische Öltanker konnten die Meeresenge bis dato noch passieren. Mit Bomben im Wasser wäre das weitaus schwieriger.

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