Die österreichischen Industriebetriebe blicken zuversichtlich voran. Zwei von fĂŒnf wollen neue Mitarbeiter einstellen.

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Wirtschaft
07/20/2021

Industrie ruft Ende der Wirtschaftskrise aus

Die Corona-Pandemie ist zwar nicht vorbei, die Wirtschaft hat sich laut Industriellenvereinigung aber bereits davon erholt.

von Martin Meyrath

Geht es nach der Industriellenvereinigung (IV), ist die Corona-Krise vorbei. Zwar nicht aus epidemiologischer Perspektive, „ökonomisch gesehen aber sehr wohl“, so IV-GeneralsekretĂ€r Christoph Neumayer.

Laut Prognose der IV wird die österreichische Wirtschaftsleistung das Vorkrisenniveau im laufenden dritten Quartal wieder ĂŒberschritten. Die Industrie habe diesen Punkt bereits im FrĂŒhling erreicht. Das Bruttoinlandsprodukt soll nach SchĂ€tzung der IV heuer um 3,5 bis 4 Prozent wachsen.

Globaler Aufschwung

IV-Chefökonom Christian Helmenstein sieht einen „sich voll entfaltenden globalen Aufschwung“. Weltweit wuchs die Wirtschaft heuer bereits um sechs Prozent, und somit so stark wie zuletzt 1973. Getragen wird diese Entwicklung vor allem von den zwei grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaften, China und den USA. WĂ€hrend auf diese beiden etwa die HĂ€lfte des Zuwachses entfĂ€llt, steuert die EuropĂ€ische Union nur etwa 14 Prozent von den gesamten sechs Prozent bei. Laut Helmenstein wird die Dynamik im Sommer ihren Plafond erreichen, aber auch danach soll die Wirtschaft weiter wachsen.

Das IV-Konjunkturbarometer, fĂŒr das 394 österreichische Unternehmen mit insgesamt 277.700 BeschĂ€ftigten befragt wurden, zeigt fĂŒr die Industrie derzeit hohe AuftragsbestĂ€nde. Erfreulich sei dabei, dass auch die Summe der AuslandsauftrĂ€ge hoch sei, obwohl viele AuslandsmĂ€rkte durch ReisebeschrĂ€nkungen nur schlecht erreichbar sein.

Rohstoffmangel

Die Industrie war in den letzten Monaten mit „extrem gestiegenen Vorproduktpreisen“ konfrontiert, so Helmenstein. Diese konnten aber an die Kunden weitergegeben werden. Helmenstein rechnet damit, dass sich insbesondere die Preise fĂŒr Rohstoffe bald wieder normalisieren.

Das dauere lĂ€nger, je höher der Verarbeitungsgrad eines Gutes ist. Bei Holz normalisiere sich die Situation beispielsweise bereits wieder und auch bei Kupfer wurde „der obere Wendepunkt erreicht“, so Helmenstein. Eine Ausnahme sieht der Ökonom beim globalen Halbleitermangel, der sich noch bis 2023 oder sogar 2024 auswirken dĂŒrfte.

Lieferketten

Die aktuellen Probleme im internationalen GĂŒterverkehr dĂŒrften nicht von Dauer sein, schĂ€tzt Helmenstein. Ungleichgewichte in der VerfĂŒgbarkeit von Schiffscontainern gebe es in Folge von Wirtschaftskrisen immer, sie dĂŒrften aber „nicht zu wesentlichen Disruptionen unserer Lieferketten“ fĂŒhren.

Auch in den letzten Verwerfungen an den amerikanischen Börsen sieht Helmenstein im GesprĂ€ch mit dem KURIER keine Gefahr fĂŒr die Entwicklung der Konjunktur. Es handle sich um Korrekturen in einem ĂŒblichen Ausmaß.

BeschÀftigung

Gute Aussichten gibt es nach EinschĂ€tzung der IV auch fĂŒr den Arbeitsmarkt. 40 Prozent der Befragten Industrieunternehmen beabsichtigen, neue Mitarbeiter einzustellen. Ob das umgesetzt werden kann, hĂ€ngt von der VerfĂŒgbarkeit von FachkrĂ€ften ab.

Hier mĂŒsse ein Umgang mit der paradoxen Situation von Kurzarbeit und UnterbeschĂ€ftigung in manchen Brachen bei gleichzeitigem ArbeitskrĂ€ftemangel in anderen Bereichen gefunden werden. Helmeinstein plĂ€diert fĂŒr Maßnahmen, um die MobilitĂ€t zwischen verschiedenen Branchen zu verbessern. Statt strengeren Zumutbarkeitsbestimmungen fĂŒr Arbeitslose befĂŒrwortet er ein Modell von Incentives.

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