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interaktiv
06/26/2021

Wohnungsmarkt: Große Nachfrage und weiterhin steigende Preise

Die Nachfrage nach Baugründen, Wohnungen und Häusern ist groß. Das lässt die Preise steigen. Ein aktueller Überblick

von Ulla Grünbacher

Schön Wohnen oder gar eine eigene Immobilie kaufen: das Thema ist aktuell wie nie. Die hohe Nachfrage nach Wohnraum lässt die Kaufpreise für Baugründe, Häuser und Wohnungen auch 2021 weiter steigen. Eigentum verteuerte sich österreichweit zwischen 3,7 Prozent (Reihenhäuser) und 7,5 Prozent (Baugründe), geht aus dem aktuellen Immobilienpreisspiegel der Wirtschaftskammer hervor. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) warnt bereits vor einer Überhitzung des Wohnungsmarktes: Der Fundamentalpreisindikator für Wohnimmobilien zeige „eine deutliche Überbewertung“ an und die Verschuldensquote der privaten Haushalte habe sich erhöht. Die OeNB warnt auch vor einer zu lockeren Vergabe von Bankkrediten an Private, die Wohnkredite an private Haushalte sind um 6,6 Prozent gestiegen. Aktuell sei der Anteil jener mit überhöhter Schuldenquote erheblich.

Investition in Immobilien

„Ein paar Hotspots ausgenommen sind wir weit weg von jeglicher Überhitzung“, widerspricht Georg Edlauer, Obmann des Fachverbandes der Immobilientreuhänder Österreich. Die Wohnungspreise verzeichnen aktuell einen leichten Aufwärtstrend, aber „keine ungesunde Marktentwicklung“, so Edlauer. Die Sparguthaben der Österreicher seien gestiegen und ein Teil dieses Geldes fließe in Immobilien, da die Nachfrage nach Wohnraum durch die Corona-Krise weiter angekurbelt wurde. Denn: „Durch die Pandemie ist das Wohnen sehr viel wichtiger geworden“, sagt Michael Pisecky, Fachgruppenobmann der Wiener Immobilientreuhänder. Gesucht werden größere Wohnungen und Häuser mit einem Extra-Raum fürs Homeoffice und Balkon oder Terrasse.

Die Wohnungssuchenden erweitern ihren Radius rund um die Städte ins Umland. Denn je weiter entfernt gekauft wird, desto günstiger ist der Quadratmeterpreis. Dass längere Fahrtzeiten zum Arbeitsplatz in Kauf genommen werden müssen, hat in Zeiten von Homeoffice kein an Bedeutung verloren. Die Experten sprechen von 15 Minuten zusätzlich. Durch diese Entwicklung sind neue Hotspots entstanden.

Umland von Wien

Georg Edlauer nennt als Beispiele Bruck an der Leitha und das Waldviertel, die nun einen Aufschwung erleben. „Hier werden Wohnimmobilien zu marktgerechten Preisen verkauft, die früher monatelang in der Schublade gelegen sind“, so der Immobilienexperte.

Generell gilt: Bei den Wohnungspreisen gibt es ein West-Ost-Gefällte. Das lässt sich am Beispiele der Baugrundstücke gut zeigen.

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So kosten Liegenschaften in Innsbruck und Salzburg im Durchschnitt über 1.000 Euro pro Quadratmeter, in St. Pölten nur 140 Euro. In allen Landeshauptstädten sind Grundstücke spürbar teurer geworden, zwischen 6,3 Prozent in Bregenz und 10,6 Prozent in Innsbruck. Wien liegt hinter Innsbruck und Salzburg auf Platz 3 mit durchschnittlich 728 Euro pro Quadratmeter Baugrund und einem Plus von 9,7 Prozent. In Döbling liegen die Kaufpreise freilich deutlich über dem Wiener Durchschnitt, mit rund 2200 Euro pro Quadratmeter.

Wunsch nach Haus mit Garten

Der Wunsch nach einem Haus mit Garten ist nach wie vor sehr groß, das Angebot ist aber stark rückläufig. Am stärksten haben sich Einfamilienhäuser in Bregenz verteuert, mit einem Plus von sieben Prozent auf durchschnittlich 3.324 Euro pro Quadratmeter. Am teuersten sind Einfamilienhäuser in Wien mit rund 2.776 Euro pro Quadratmeter (+4,3 Prozent), gefolgt von Graz mit 2.303 Euro (+4,9 Prozent).

Eigentumswohnungen

Bei den Eigentumswohnungen sind insbesondere gebrauchte Objekte stark nachgefragt. Die Kaufpreise in diesem Segment lagen bei 3414 Euro pro Quadratmeter in Innsbruck (+ 7,7 Prozent), 3.235 Euro in Salzburg (+5 Prozent) und 2.930 Euro in Wien (+4 Prozent). In Wien verteuerten sich Eigentumswohnungen im Erstbezug um 4,7 Prozent auf durchschnittlich 4.237 Euro, in Linz legt Erstbezugseigentum um 3,31 Prozent zu und im Klagenfurt um 6,42 Prozent. Die Preisdynamik bei den Baukosten verteuert Eigentum weiter.

Gebrauchte Objekte gefragt

Die freien Marktmieten für Wohnungen, die nicht den Obergrenzen des Mietrechtsgesetz unterliegen, liegen im Österreich-Durchschnitt bei 8,51 Euro netto pro Quadratmeter (+1,74 Prozent). In Wien liegen die Wohnungsmieten bei 10,22 Euro (+6 Prozent). Heuer sollen die Mieten nicht über die Inflationsrate hinaus steigen, erwarten die Experten. „Wir rechnen mit einem wirklichen Preisdruck im Mietenmarkt“, betont Michael Pisecky, Fachgruppenobmann der Wiener Immobilientreuhänder: „Denn Studenten wohnen zu Hause, große WG-Wohnungen werden zurückgegeben und Expats gibt es kaum aufgrund der Pandemie.“ Daher werden mehr Mietwohnungen auf den Markt kommen, das Angebot steigt – die Mieten stagnieren. Hinzu kommt: „Die Wohnbautätigkeit ist weit über der Zuzugsrate“, betont Georg Edlauer.

Die Zahl der Immobilientransaktionen ist 2020 im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent auf rund 120.000 gestiegen. Davon waren etwa 52.000 Eigentumswohnungen, die den Besitzer gewechselt haben sowie 20.000 Baugrundstücke.

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