© Wammerl Patrick

Beschwerden
06/18/2020

Zweitwohnsitzer im Corona-Abseits

Nachdem unter Protest nur Hauptwohnsitzer für die zweitgrößte Covid-19-Antikörperstudie zugelassen waren, ändert das Land die Strategie.

von Patrick Wammerl

Magistrate, Behörden und nun auch Schulen und ganze Gemeinden: Mit einer breit angelegten Testoffensive reagiert man in Niederösterreich auf aktuelle Entwicklungen in der Corona-Pandemie. Die Strategie, wie die Massentestungen angelegt sind und wer dafür herangezogen wird, sorgt aber für heftige Diskussionen. Beim größten Massentest im bekannten Sommerfrischeort Reichenau an der Rax (Bezirk Neunkirchen) beispielsweise, herrscht Unverständnis darüber, wieso die Zweitwohnsitzer (1.600) sowie die Nachbargemeinde Payerbach vom bisher zweitgrößten Flächentest in Österreich ausgenommen sind. Aufgrund der vielen Beschwerden änderte das Land Niederösterreich Mittwochnachmittag nun doch die Strategie und erweitert kurzerhand den Personenkreis für die Studie.

Reichenau (2.517 Hauptwohnsitze) galt während der hohen Infektionszahlen im März und April als Hotspot. Über 260 Bewohner waren zwischenzeitlich in Quarantäne. Deshalb hat der nö. Landessanitätsstab die gebeutelte Region für einen „flächendeckenden Antikörpertest“ samt Studie auserkoren. Geladen waren ursprünglich am kommenden Wochenende aber nur die 2.517 Hauptwohnsitzer von Reichenau, was am Gemeindeamt die Telefone heiß laufen lässt. Vor allem viele Zweitwohnsitzer stoßen sich daran, dass sie im Ort wahlberechtigt sind, während der Corona-Krise Zuflucht an ihrem Nebenwohnsitz gesucht haben, jetzt aber beim Test durch die Finger schauen sollen.

Bürgermeister Johann Döller verweist in dieser Sache an den Landessanitätsstab, der die Antikörpertestung zusammen mit Notruf NÖ koordiniert. „Die Zweitwohnsitzer nicht teilnehmen zu lassen verfälscht meiner Meinung nach das Ergebnis“, meint etwa Hubert Prigl (73), der die vergangenen Wochen im Ort verbracht hat und sogar in Heimquarantäne war, weil er Kontakt mit einem Erkrankten hatte. Er hat jedoch die Initiative ergriffen und sich mit Notruf NÖ in Verbindung gesetzt. Sollte es am Sonntag noch Kapazitäten geben, darf er doch teilnehmen.

Überrascht von der großen Nachfrage und den Beschwerden, lenkte das Land am Mittwoch ein. „Da offensichtlich eine unerwartet große Nachfrage von Zweitwohnsitzern nach diesen Antikörpertests besteht, haben wir uns entschlossen, auch für diesen Personenkreis eine Testung anzubieten. Wegen der nötigen organisatorischen Arbeiten ist dafür ein gesonderter Termin vorgesehen, der in Kürze bekannt gegeben wird“, so Landessanitätsdirektorin Irmgard Lechner zum KURIER.

Abstrich statt Latein

Corona- statt Mathematik- oder Latein-Tests stand am Mittwoch in einer der größten Schulen Niederösterreichs am Stundenplan. Nachdem bei einem Schüler der 5a-Klasse des BG Zehnergasse in Wiener Neustadt eine SARS-CoV-2 -Infektion festgestellt worden war und sich acht Lehrer und insgesamt elf Schüler seither in Quarantäne befinden, konnte Direktor Werner Schwarz einen kostenlosen Massentest für die gesamte Bildungseinrichtung beim Landessanitätsstab und der Bildungsdirektion erwirken.

Etwa die Hälfte der Schüler und fast alle Lehrer haben sich für den freiwilligen PCR-Test gemeldet. Nach dem Ende der Testungen am Donnerstag werden die 110 Lehrer und mehr als 520 Schüler in zwei bis drei Tagen erfahren, ob sie aktuell eine Covid-19-Infektion haben. „Die ganze Sache zeigt, dass es kein Drama ist, wenn es einen positiven Fall in einer Schule gibt. Wichtig ist ein besonnener und unaufgeregter Umgang“, so Schwarz.

von Vicky Schmidt

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