© Katharina Salzer

Chronik Niederösterreich
06/16/2020

Neuer Cluster in Stockerau - NÖ mit höchster Zuwachsrate aller Länder

Niederösterreich ist momentan das einzige Bundesland mit einer Reproduktionsrate größer 1.

von Andreas Puschautz

Oft und gerne wurde in den vergangenen Wochen die Bundeshauptstadt an den Pranger gestellt, der neue Corona-Hotspot Österreichs ist aber Niederösterreich - zumindest, wenn es nach der Reproduktionszahl geht.

Diese liegt nämlich nach Angaben der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in Wien aktuell bei 0,9, in Niederösterreich hingegen bei 1,2. Die Zahl gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt. Liegt die Zahl über 1, nimmt die Zahl der Infektionen kontinuierlich zu - so wie derzeit in Niederösterreich.

Stockerauer Rathaus geschlossen

Mitverantwortlich dafür ist die aktuelle Entwicklung in Stockerau. Dort gibt es derzeit sechs aktive Corona-Erkrankungen, die alle unmittelbar zusammenhängen dürften, wie Stadtamtsdirektorin Maria Riedler dem KURIER bestätigte. Vier der Erkrankungen betreffen Mitarbeiter des Rathauses. Dieses ist derzeit geschlossen und nur telefonisch erreichbar.

Bereits am Montag waren eine Volksschulklasse und eine Kindergartengruppe in Stockerau wegen SARS-CoV-2-Infektionen gesperrt worden. Betroffen sind ein 10-Jähriger und seine kleine Schwester. In Abstimmung mit dem Stadtarzt, dem Sanitätsstab des Landes und der Bezirkshauptmannschaft Korneuburg wurde angeordnet, dass sämtliche Mitarbeiter im Rathaus und in dem betroffenen Kindergarten getestet werden, schrieb Bürgermeisterin Andrea Völkl (ÖVP) in ihrem Blog.

Zusätzlich sollen 80 Kindergartenkinder auf freiwilliger Basis getestet werden. Wie es weitergeht, hängt von den Testergebnissen ab, sagt Stadtamtsdirektorin Riedler: "Wir warten jetzt die Tests ab und machen dann einen Schritt nach dem anderen“.

Auch, wie es zu den neuerlichen Corona-Fällen in der Stadt gekommen ist, werde noch erforscht.

Reproduktionsrate unter 1

Für Gesamt-Österreich liegt die effektive Reproduktionszahl des Coronavirus nach aktueller AGES-Schätzung weiterhin knapp unter 1. Ganz genau betrug sie für den 12. Juni 0,96, wie aus der Analyse der vorangegangenen 13 Epidemietage hervorgeht.

Die geschätzte Steigerungsrate der SARS-CoV-2-Infektionen in Österreich wurde von der AGES ebenfalls erhoben. Sie lag für den 12. Juni, ebenfalls basierend auf den vorangegangen 13 Tagen, bei einem Plus von 6,5 Prozent.

Sechs Bundesländer im einstelligen Bereich

Im Burgenland, in Kärnten, Salzburg, der Steiermark sowie in Tirol und Vorarlberg ist die Anzahl der Neuerkrankungen so gering, dass das Kriterium zur Berechnung der effektiven Reproduktionszahl seit einiger Zeit nicht erfüllt ist, betonte die AGES. Der Wert für Oberösterreich sei zwar berechenbar, unterliege aber aufgrund der geringen Fallanzahl seit 19. Mai starken Schwankungen.

Die Interpretationen müssten immer auch in Zusammenschau mit der epidemiologischen Kurve erfolgen, hob die AGES hervor. Eine Annäherung der effektiven Reproduktionszahl an 1,0 bedeutet eine gleichbleibende Anzahl an neu auftretenden Fällen pro Tag. Dies gibt jedoch keine Information, auf welchem Niveau sich die Inzidenz (Zahl der Neuerkrankungen) der Covid-19-Fälle befindet. Diese lag in Österreich in den vergangen Wochen meist im niedrigen zweistelligen Bereich pro Tag.

In absoluten Zahlen leben die meisten Erkrankten nach wie vor in Wien. Von 419 bestätigten, aktiven Corona-Infektionen in Österreich entfallen 286 auf die Bundeshauptstadt, Niederösterreich folgt mit 71 Erkrankten auf Platz zwei. In Oberösterreich sind 34 Menschen infiziert, in den übrigen Bundesländern liegt die Zahl der aktuell Erkrankten im einstelligen Bereich.

 

In einer früheren Version des Artikels hieß es fälschlicherweise, die gesamte Volksschule sei geschlossen. Wir bedauern.