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Wirtschaft Immobiz
06/10/2020

Nachfrage ist wieder da

Wohnimmobilien sind gefragt, daran hat die Corona-Krise nichts geändert. Die Kaufpreise sind stabil, Vermieter müssen Abschläge hinnehmen.

von Ulla Grünbacher

Verunsicherung in Folge der Covid-19-Krise kennzeichnet aktuell den österreichischen Wohnungsmarkt – obwohl er deutlich besser dasteht als der Hotel- und Gewerbeimmobilienmarkt. Die Nachfrage nach Wohnobjekten ist während des Shutdown im März und April um 80 bis 90 Prozent eingebrochen, im Mai ist es mit der Nachfrage dann langsam wieder bergauf gegangen, nun übersteigen die Anfragen sogar das Niveau vor der Krise. Für Bernhard Reikersdorfer, Geschäftsführer von Remax Österreich, ist der aktuelle Nachfrageboom ein Aufholeffekt.

Sichere Werte gefragt

Wohnimmobilien zur Geldanlage gewinnen derzeit sogar noch an Attraktivität, allerdings werden die Renditen weiter sinken, ist Michael Pisecky, Obmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der WKO und Geschäftsführer von s Real, überzeugt. Da, wo Geld vorhanden ist, wird einmal mehr in sichere Werte – Immobilien – investiert. Doch wie wirkt sich die Situation auf die Wohnungspreise aus? Das Angebot an freifinanzierten Mietwohnungen in den Städten ist groß. Dieses Überangebot in bestimmten Bezirken übe Druck auf die Wohnungsmieten aus, Vermieter werden – weil sich viele 800 bis 900 Euro pro Monat als Miete für eine 2-Zimmerwohnung nicht mehr leisten können – nur mehr weniger Miete verlangen können, ist Michael Pisecky überzeugt.

Preise stabil

Die Kaufpreise für neue Wohnimmobilien sind stabil, sind sich die Experten einig. Eigentumswohnungen kosten im Median (die Hälfte der Transaktionen sind teurer, die Hälfte billiger) 3.226 Euro pro Quadratmeter, ermittelte die Statistik Austria. Am höchsten waren 2019 die Preise in Wien (4.036 Euro), gefolgt von Vorarlberg (3.899 Euro), Salzburg (3.644 Euro) und Tirol (3.579 Euro). Eigentumswohnungen in Oberösterreich kosten im Schnitt 2.630 Euro pro , in Niederösterreich 2.570 Euro, in der Steiermark 2.038 Euro, in Kärnten 2.003 Euro und im Burgenland (1.288 Euro). Die Preise für gebrauchte Eigentumswohnungen werden weiterhin leicht steigen, betont Michael Pisecky. Grundstücke und Einfamilienhäuser im Grünen sind gefragt, dazu trägt auch die verstärkte Arbeit im Homeoffice bei.

Weniger Transaktionen

Bei Grundstückspreisen ist laut Georg Spiegelfeld, Präsident des Immobilienring Österreich, immer noch Luft nach oben, da sie häufig zur Geldanlage erworben werden. Die Transaktionszahlen am Immobilienmarkt werden 2020 das Vorjahresniveau aber nicht erreichen, so Reikersdorfer. Wie sich die Krise langfristig auf die Wohnungspreise auswirken wird, wird man erst im Herbst, beziehungsweise im ersten Halbjahr 2021 sehen – denn Langzeiteffekte sind wegen Rezession, Kurzarbeit und steigender Arbeitslosigkeit noch nicht absehbar. Doch der Preisanstieg bei Wohnimmobilien hat sich zuletzt schon eingebremst, diese Entwicklung werde sich heuer wohl weiter verstärken. Die Experten rechnen damit, dass in Folge mehr Objekte auf den Markt kommen. Eine Blase bei Wohnimmobilien sei hingegen nicht in Sicht, da kein Angebotsüberhang bestehe, der Eigenmittelanteil hoch genug sei und die Zinsen niedrig bleiben würden.

Finanzierung schwieriger

Bernhard Reikersdorfer geht jedoch davon aus, dass die Finanzierung von Immobilienkäufen infolge der Krise schwieriger wird. „Personen, die Anfang März noch eine Finanzierung bekommen hätten, bekommen jetzt keine mehr.“ Er geht davon aus, dass es für Personen bestimmter Branchen, die von COVID-19 besonders stark betroffen seien, wie zum Beispiel die Hotellerie, schwieriger werde, einen Kredit zur Immobilienfinanzierung zu bekommen.

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