© Steiermark Tourismus/Martina Traisch

Wirtschaft Immobiz
05/30/2020

Immobilienhotspot Südsteiermark: Preise steigen rasant

Die Südsteiermark hat sich zum Immobilienhotspot entwickelt. Traditionelle Immobilien sind teilweise komplett vergriffen.

von Julia Beirer

Weinberge soweit das Auge reicht. Die Reben färben die gesamte Hügellandschaft in saftiges Grün. Der Farbton verändert sich nur an wenigen Stellen. Dort stehen vereinzelt Häuser. Daneben ragen Zypressen meterhoch gen Himmel.

Die Fensterläden sind geschlossen, sie werden erst am späten Abend geöffnet. Die Hitze würde zu schnell in den Wohnraum drängen. Das mediterrane Klima und der Duft der Weinreben erinnern an Urlaubstage in der Toskana. Tatsächlich sind sie aber Lebensrealität in Österreich – und zwar in der Südsteiermark.

Das Gebiet zwischen der slowenischen Grenze und Deutschlandsberg umfasst im Bezirk Leibnitz die südsteirische Weinstraße (Gamlitz und Ehrenhausen), Kitzeck im Sausal sowie Eichberg-Trautenburg – und zählt zu den begehrtesten Immobilienhotspot des Landes. „So begehrt, dass inmanchen Gemeinden langsam die Grundstücke ausgehen“, sagt Gerald Gollenz, Obmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Steiermark. Denn: Gekauft wird alles – Hauptsache die Aussicht ist gut.

Vorbehaltsgemeinden werden Gemeinden in der Steiermark genannt, in denen für einen Grundstück- und Liegenschaftskauf bestimmte Vorschriften gelten. Sie sind im  Grundverkehrsgesetz festgehalten. In der Region Südsteiermark  betrifft dies die Gemeinden Allerheiligen bei Wildon, Empersdorf, Kitzeck im Sausal, Leutschach an der Weinstraße, Sankt Andrä-Höch, Sankt Nikolai im Sausal. Dort sind „ Beschränkungszonen für Zweitwohnsitze“ ausgewiesen. Das bedeutet, dass Käufer eine Erklärung gegenüber der Grundverkehrsbehörde (Bezirkshauptmannschaft) abgeben müssen, dass sie das Baugrundstück als Hauptwohnsitz nutzen. Sollte dies nicht eingehalten werden, droht eine Rückabwicklung des Rechtsgeschäftes.
 
Beim Kauf landwirtschaftlicher Flächen gelten andere Voraussetzungen. Ist der Käufer kein Landwirt, kann er den Grund nur dann erwerben, wenn „kein bäuerliches Interesse besteht und er die ordnungsgemäße Bewirtschaftung durch eine schriftliche Bewirtschaftungsvereinbarung mit einem Landwirt glaubhaft machen kann“, sagt Roland Günther von der Abteilung Land- und Forstwirtschaft Land Steiermark.  Das bäuerliche Interesse am Grundstück bringt die Behörde  durch ein Interessentenverfahren (Aushang der Kaufvertragsdaten über drei Wochen in der Gemeinde)  in Erfahrung.

Boom hat 2008 begonnen

Angefangen habe der Boom kurz nach der Finanzkrise 2008. „Damals wollten viele Menschen in Immobilien investieren“, weiß Gollenz. Die Südsteiermark war ein absoluter Geheimtipp. „Die südsteirische Weinstraße war 2008 nicht der Mittelpunkt der Erde, aber ein sehr schönes Gebiet mit berühmtem Wein“, so der Immobilienexperte.

Besucher seien in die Region gekommen und vermehrt dort geblieben. Nicht nur wegen dem edlen Tropfen und der schönen Landschaft, sondern auch ob der damals günstigen Immobilienpreise. Ein Blick auf den Immobilienspiegel der WK Immo zeigt: Ein Grundstück in guter Lage war 2010 im Bezirk Leibnitz um 51 Euro pro Quadratmeter erhältlich. Heute kostet derselbe Quadratmeter 81,67 Euro.

„In anderen Teilen der Südsteiermark haben sich die Preise seither sogar verdoppelt“, weiß Gollenz. Es sei noch nicht wie in Kitzbühel oder Lech am Arlberg, aber auch in der Südsteiermark werden „Preise bezahlt, die mit dem gängigen Marktwert nicht mehr viel zu tun haben“.

Besonders gefragt sind Kellerstöckl

„Da werden Liebhaberpreise bezahlt“, stimmt auch Immobilienexpertin Edith Strohmaier zu. Seit über 20 Jahren ist sie Maklerin in der Region. Besonders gefragt und daher auch besonders rar seien sogenannte Kellerstöckl. Die kleinen Häuschen (30 Quadratmeter) stehen mitten im Weingarten. Früher wurde im Keller der Wein gepresst, heute sind sie zu kleinen Wochenenddomizilen ausgebaut und werden zwischen 300.000 und 500.000 Euro verkauft.

Ebenfalls sehr gefragt seien kleine Landwirtschaften. „Wer mit 500 Quadratmetern und einem kleinen Bauernhaus zufrieden ist, bekommt dies ab 300.000 Euro“, sagt Edith Strohmaier. Wer Interesse an einem Weingut hat, muss tiefer in die Tasche greifen. Die Preise liegen je nach Fläche und Lage zwischen 1,5 bis vier Millionen Euro.

Käufer aus Österreich, Deutschand, Schweiz

Die Zuagroastn, wie man sie in der Südsteiermark nennt, kommen großteils aus dem deutschsprachigen Raum: Rund 80 Prozent sind Österreicher (Graz, Wien und Ostösterreich), gefolgt von Deutschen (München) und vereinzelt Schweizern. Investoren und Privatkäufer teilen sich im Verhältnis 20 zu 80.

Christiane Langbauer vom Grazer Büro Steindorff Immobilien ist seit einigen Jahren auf die Südsteiermark spezialisiert. Sie weiß: „Aktuell kaufen viele Städter, die sich in der Weingegend einen Zweitwohnsitz schaffen oder ihren Hauptwohnsitz hierher verlagern möchten.“ Denn die Lage ist gut – die Autofahrt von Leibnitz nach Graz dauert rund 40 Minuten. Private Käufer suchen „Schmuckstücke an der südsteirischen Weinstraße“. Dazu zählen auch immer häufiger Weingüter in Alleinlage.

Den Grund dafür sieht Immobilienexperte Peter Hack im Trend zum Landleben: „Das Leben am Bauernhof ist wieder in. In der Südsteiermark schätzen die Menschen traditionelle Landwirtschaft und authentische Immobilien.“

Die Coronazeit habe diesen Trend noch verstärkt. „Ich habe seit fünf Monaten ein Weingut in der Vermarktung. Über 50 Prozent der Anfragen sind in den vergangenen zwei Monaten gekommen“, sagt Hack. Das mediterrane Klima und die saftig-grüne Hügellandschaft spricht laut dem gebürtigen Südsteirer für sich: „Was die Provence in Frankreich und die Toskana in Italien ist, ist die Südsteiermark in Österreich.“