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Insolvenz
01/03/2019

Heftige Millionenpleite einer Haustechnik-Firma - 165 Jobs wackeln

Betrieb schlitterte durch Großprojekte in Wien und NÖ in die Bredouille. Die Auftragslage ist aber sehr gut.

von Kid Möchel

Die Spatzen hatten es schon vor Weihnachten von den Dächern gepfiffen, jetzt ist es fix. Über die a.zoppoth haustechnik gmbh mit Sitz in Gundersheim und Standorten in Wien, Villach und Klagenfurt wurde heute, Donnerstag, am Landesgericht Klagenfurt ein Insolvenzverfahren eröffnet. Das bestätigen die Gläubigerschutzverbände KSV1870 und Creditreform dem KURIER. 165 Mitarbeiter und 290 Gläubiger sind betroffen. Der Betriebsrat hat bereits die Arbeiterkammer, insbesondere den ISA, mit der Vertretung der Mitarbeiter beauftragt, bereits vor Weihnachten soll es zu einer Betriebsversammlung gekommen sein. Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Aufgrund der guten Auftragslage wird ein Mitarbeiterabbau derzeit "nicht angedacht".

Vor dem Ántrag war eine außergerichtliche Sanierung gescheitert. Mitte Dezember 2018 hatte die Hausbank die Kreditrahmenvereinbarung laut Firmanangaben "ausgesetzt", was einer Zahlungssperre gleichkam. Der Hausbank wird auch im Insolvenzverfahren eine entscheidende Rolle zukommen.

1,7 Millionen Euro Verlust

Das Unternehmen beschäftigt sich mit Haustechnik, Fassadenbau und Spenglerei sowie Service und Wartung. Doch das Unternehmen hat sich anscheinend an Großprojekte außerhalb des Stammmarktes gewagt, für das es betrieblich offenbar nicht gerüstet war - einerseits in Sachen Kalkulationen und andererseits bei der Ausführung.

"Das Unternehmen der Gesellschaft wurde bereits im Jahr 1958 vom zwischenzeitig verstorbenen Alois Zoppoth senior als Ein-Mann-Installationsbetrieb gegründet. Im Laufe der Jahre ist es zu einer sukzessiven Erweiterung der Tätigkeitsbereiche sowie der Geschäftsfelder der Gesellschaft gekommen", sagt Barbara Wiesler-Hofer vom KSV1870. „Aufgrund der ungünstigen -  dies auch konjunkturbedingt - Auftragslage hat man vermehrt Großaufträge in Wien angenommen, welche teilweise einen Leistungszeitraum von zwei bis drei Jahren in Anspruch genommen haben. Insbesondere bei sechs Bauvorhaben ist es zu hohen Verlusten aufgrund von Kalkulationsfehlern, nicht verrechenbarer Mehraufwendungen sowie notwendiger Mängelbehebungen gekommen."

Die Kalkulationsfehler, die nicht verrechenbaren Mehrleistungen und die notwendige Mängelbeheung bei sechs Großaufträgen in Wien und Niederösterreich sollen rund 1,7 Millionen Euro Verlust verursacht haben. Unter den defizitären Projekten waren laut Firmenangaben der Umbau einer Schule in Wien und ein Umbau bzw. Neubau einer Lehranstalt in Niederösterreich solwie eine Therme in Kärnten.

 

"Auch sind erhöhte Personalkosten  aufgrund der zu bezahlenden Wegzeiten und Entfernungszulagen angefallen. Diese Mehrkosten konnten insbesondere betreffend der in Wien anhängigen Projekte nicht mehr einkalkuliert bzw. nachverrechnet werden", weiß Insolvenzexpertin Wiesler-Hofer.

Und weiter heißt es: "Ein wesentlicher Umsatzrückgang hat sich auch aus der Service- und Wartungsabteilung in Kärnten aufgrund des Ausscheidens des zuständigen Bereichsleiters ergeben, welcher Servicemonteure und Kunden von der Schuldnerin übernommen hat, wodurch dieser Geschäftsbereich wesentliche Umsatzeinbußen erfahren hat. Darüber hinaus musste man in den vergangenen Jahren hohe Forderungsausfälle verkraften, welche ebenso mitursächlich für den nunmehrigen Vermögensverfall waren.“ Alleine die Ausfälle offener Forderungen in den vergangenen Jahren werden mit 3,3 Millionen Euro beziffert. Der Rohergebnis wurde im Geschäftsjahr 2016/17 mit rund 10,6 Millionen Euro beziffert, Umsätze gibt der Betrieb laut Firmencompass anscheinend nicht bekannt.

 

Die Referenz-Aufträge des Unternehmens können sich sehen lassen. So wurde die Alufassade der Hauptfeuerwache in der Wiener Vorgartenstraße errichtet, die des FMZ Hartberg, des ÖAMTC-Standorts Hermagor und des Self-Storage Wien und des TÜV in der Wiener Deutschstraße sowie die des Competence Park in Salzburg; dazu kommen die Haustechnik am Wiener Monte Laa BPL3 und im USG St. Gabriel in Maria Enzersdorf.

 

Die Schulden

Die Verbindlichkeiten werden mit 10,03 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 3,7 Millionen Euro auf Lieferanten, 3,65 Millionen Euro auf die Hausbank und 2,57 Millionen Euro auf die Dienstnehmer. Die Hausbank hat ihrer Forderungen durch Höchstpfandrechte auf drei Betriebsliegenschaften in Höhe von jeweils bis zu 7,5 Millionen Euro besichern lassen. Zugleich sind die offenen Forderungen an die Bank zediert und die beiden Haupt-Gesellschafter, Erna Gratzer und Franz Zoppoth, haben persönliche Haftungen übernommen.

Das Vermögen

Die Aktiva werden mit 3,606 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 1,6 Millionen Euro auf halbfertige und noch nicht abgerechnete Leistungen, 1,35 Millionen Euro auf die offenen Forderungen gegen Kunden, die Liegenschaften werden auf 230.000 Euro geschätzt, das Material auf den Baustellen auf 210.000 Euro und das Warenlager auf 200.000 Euro. Dazu kommen Beteiligungen und Pensionsversicherungen in Höhe von 110.000 Euro, 30.000 Euro entfallen auf Maschinen und Werkzeuge, 20.000 Euro auf den Furhpark und 10.000 Euro auf die Geschäftsausstattung. Dazu kommt noch ein Bankguthaben in Höhe von 72.000 Euro.

Die Zukunft

Die Fortführung des Unternehmens ist laut KSV1870 und Creditreform derzeit durch laufende Einnahmen gewährleistet, bis zumindest zur Kalenderwoche 13 sollen Überschüsse erzielt werden.  Ein Sanierungsplanantrag wurde bereits eingebracht. Den Gläubigern soll 20 Prozent Quote gezahlt werden, zwei Raten von je zehn Prozent. Das Erfordernis dafür schätzt der Betrieb auf 1,7 Millionen Euro inklusive Verfahrenskosten. Zum Insolvenzverwalter wurde der renommierte Klagenfurter Rechtsanwalt Gernot Murko bestellt.

Die Resturkturierung wurde intern bereits in Angriff genommen. Die interne Kalkulationsabteilung wurde verbessert und das Controlling neu aufgebaut; und Aufträge werden nur noch von ausgesuchten Generalunternehmen und Wohnbaugesellschaften angenommen. Um die hohen Personalkosten, vor allem die Wegzeiten und Entfernungszulagen, zu reduzieren, wurden Dienstnehmer in Wien angestellt. Bis 2020 liegt laut Creditreform eine Auslastung in Höhe von von 90 Prozent vor.

Den schuldnerischen Betrieb vertritt laut dem Gläubigerschutzverband AKV Rechtsanwalt Gottfried Tazol mit Kanzlei in Völkermarkt.

 

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