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04/13/2021

Gründerzahlen: Mut zur Selbstständigkeit bisher ungebrochen

Durch die Corona-Krise entstehen viele kreative Ideen und Dienstleistungen vor allem rund um die Digitalisierung

von Anita Staudacher

Die anfängliche Schockstarre ist einer „Jetzt-erst-recht“-Mentalität gewichen. Im Corona-Jahr 2020 wurden in Österreich insgesamt 32.551 neue Unternehmen gegründet, das bedeutet ein kleines Plus von 1,2 Prozent gegenüber 2019. Inklusive der in der WKO-Statistik mitgezählten Personenbetreuer/innen (24-Stunden-Pflege) gab es 38.639 Neu-Anmeldungen.

Die Gründungsdynamik liegt damit auf dem Niveau der letzten Jahre und zeigt sich somit überraschend krisenresistent. „Das Interesse an der Selbstständigkeit ist trotz Corona ungebrochen, auch die Motive haben sich nicht geändert“, zieht Elisabeth Zehetner-Piewald, Leiterin des Gründerservice der Wirtschaftskammer (WKO), eine positive Zwischenbilanz. Auch die ersten drei Monate im heurigen Jahr seien stabil verlaufen, konkrete Zahlen liegen noch nicht vor. Die Lockdown-Verschärfungen im April dürften aber Spuren hinterlassen. „Es herrscht derzeit keine Planbarkeit“.

Ein genauer Blick auf die Statistik zeigt: Es gibt deutlich weniger Gründungen in der am stärksten betroffenen Gastronomie und Freizeitwirtschaft, dafür boomen „typische Frauenberufe“ – oft im Nebenerwerb – und Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung. „Gerade jetzt entstehen viele innovative unternehmerische Ideen. Vielleicht sehen manche Leute auch, dass ihr Job langfristig nicht gesichert ist, weil sie in Kurzarbeit sind. Da orientieren sie sich Richtung Unternehmertum um“, so Gründungsexpertin und Notarsubstitutin Maria Thierrichter. 

Boom-Branchen

Ein Großteil des Gründungsgeschehens konzentriert sich auf nur wenige Branchen. Abgesehen von den selbstständigen Personenbetreuerinnen (6.493) sind das vor allem:

Unternehmensberatung/IT

Hinter der Personenbetreuung sind die IT-Dienstleister und Berater mit 2.691 Neugründungen die Top-Branche. Sie stellen immerhin 7 Prozent aller neuen Firmen. Der Digitalisierungsschub sorgt hier für Wachstum. Nur ein Minderheitenprogramm sind hier Technologie-Start-ups, deren Gesamtzahl die WKO auf rund 1.000 schätzt.

Versand- und Internethandel

Mit 2.485 Gründungen gab es hier ein kräftiges Plus - wohl ein einmaliges Corona-Hoch.

Direktvertrieb

Viele Frauen nutzen den Direktvertrieb wie z. B. Thermomix im Nebenerwerb. Mit 2.436 neuen Gewerbescheinen gab die Branche im Vorjahr coronabedingt wieder ein kräftiges Lebenszeichen.

Werbe- und Kreativbranche

Mit 2.318 neuen Mitgliedern im Aufschwung befindet sich die Werbe- und Kreativbranche – vor allem bei Multimedia-Agenturen bzw. neuen Werbe- und Kommunikationsformen in sozialen Netzwerken (Influencer) gibt es einen kräftigen Zuwachs. Hier tummeln sich immer mehr Einzelkämpfer.

Persönliche Dienstleister

In dieser jungen, von Frauen dominierten Wachstumssparte gab es 1.766 Gründungen, das sind 4,6 Prozent aller neuen Firmen. Besonders Humanenergetik (Kinesiologie, Klangschalentherapie etc.) und Tierenergetik erfreuen sich regen Zulaufs. Die Zahl der gelösten Gewerbescheine ist hier binnen weniger Jahre auf mehr als 31.000 angewachsen, wobei viele die Tätigkeit zusätzlich zu einem anderen Gewerbe ausüben. In der bunten Sparte finden sich auch Astrolog/innen, Styleberater/innen oder Konsulent/innen.

Mehrheitlich Frauen

Der Frauenanteil bei den neuen Einzelunternehmen beträgt 54 Prozent und ist damit deutlich höher als bei den Kammermitgliedern insgesamt mit 47 Prozent. Das Durchschnittsalter der Neugründer betrug im Vorjahr 38 Jahre und ist damit gegenüber 2019 wieder etwas gesunken. 80,5 Prozent der Neugründungen sind nicht eingetragene Einzelunternehmen, gefolgt von der GmbH mit 11,6 Prozent und eingetragene Einzelunternehmen mit 4,1 Prozent, KG und OG spielen kaum eine Rolle.

Wegen der schlechteren sozialen Absicherung würden derzeit weniger Arbeitslose den Weg in die Selbstständigkeit suchen, meint Zehetner. Damit Gründer die Krise besser überstehen, pocht die WKO auf eine Nachbesserung des Härtefallfonds, der ja bis Juni verlängert wurde. Geld aus dem Fonds sollen auch jene Firmen erhalten, die erst nach dem 15. März 2020 gegründet wurden.

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