Grüner Treibstoff aus Hallein wird mit 100 Mio. Euro gefördert
Die Motoren mancher Frachtschiffe, wie jene der „Alexandra Maersk“, können mit reinem Methanol betrieben werden.
Im Salzburger Ort Hallein produziert Austrocel aus Reststoffen der Holzindustrie Biotextilfasern, Biotreibstoffe und andere biobasierte Produkte wie Hydrogel-Granulat für eine bessere Wasserspeicherfähigkeit von Äckern. Unter dem Schlagwort "Circular Zero Waste" versucht das Unternehmen, jegliche Abfallstoffe in eigene Produktionskreisläufe einfließen zu lassen und möglichst wenig Ressourcen zu verschwenden. Einige Tausend Tonnen Kohlendioxid fielen dennoch als Abgas an. Doch auch dieses soll in Zukunft gewinnbringend verwertet werden.
E-Methanol soll in Biotreibstoffe einfließen
Gemeinsam mit dem Verbund plant Austrocel den Aufbau eines Bioreaktors, der CO2 mit Wasserstoff kombiniert. Der Wasserstoff soll direkt am Firmengelände neben der Salzach mithilfe von Ökostrom durch Elektrolyse aus Wasser hergestellt werden. Im Synthesereaktor soll ab 2030 flüssiges Methanol entstehen, das in die Produktion von Biotreibstoffen für Kraftfahrzeuge und Schiffe einfließen soll. Auch in vielen anderen Industrien wird Methanol als Grundstoff benötigt. Üblicherweise wird Methanol aus Erdgas hergestellt, aus Hallein soll dagegen künftig rein biobasiertes "e-Methanol" kommen.
Hochreines CO2 macht Verarbeitung einfach
"Wir sind wie eine große Schnapsbrennerei", sagt Austrocel-CEO Wolfram Kalt. "Beim Schnapsbrennen entsteht CO2 und auch bei uns kommt das Gas aus einem Naturstoff. Biogenes CO2 kann ein Wertstoff für verschiedene Industrien sein. Wir haben uns angesehen, was man daraus machen kann und haben uns für das E-Methanol-Projekt entschieden." Franz Dieterich, der die Bioraffinerie-Aktivitäten bei Austrocel leitet, merkt an, dass vorhandene Produktionsprozesse hochreines Kohlendioxid ausstoßen. Das habe den Vorteil einer sehr einfachen Weiterverarbeitung.
Verbund steuert Strom und Elektrolyseur bei
Seit 2024 hat Austrocel Gespräche mit Grünstromanbietern geführt. Mit dem Verbund wurde ein Partner gefunden, der bereit ist, den notwendigen Ökostrom zu liefern und sich mit dem Aufbau eines Elektrolyseurs mit 20 Megawatt Leistung an dem Projekt zu beteiligen. Kalt rechnet mit gesamten Projektkosten von 70 bis 80 Millionen Euro. Für Austrocel, mit 182 Millionen Euro Jahresumsatz und 342 Mitarbeitern, sei dies "keine kleine Nummer".
Austrocel hat seinen Standort in Hallein direkt am Ufer der Salzach.
Projekt soll zentrale Grundlage für leistbare Industrie sein
Maßgeblich für die Realisierung des Projekts "HyDi" ist eine staatliche Förderung von 100 Millionen Euro. Sie stammen aus dem im Oktober vom Wirtschaftsministerium angekündigten Fördertopf über 275 Millionen Euro, mit denen Österreich zur "europäischen Drehscheibe für grünen Wasserstoff" werden soll. HyDi ist eines von vier Projekten, in die das Geld fließen soll. "Wir schaffen damit eine zentrale Grundlage für eine nachhaltige und leistbare Industrie in Österreich", ist Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer überzeugt. Mit dem Engagement für Wasserstoffprojekte nehme Österreich in Europa derzeit eine führende Position ein.
Förderung hat geholfen, sich "drüber zu trauen"
Im Falle von HyDi fließt die Förderung in operative Kosten. Pro Kilogramm Wasserstoff sollen dadurch geringere Kosten anfallen, sodass ein Hochlauf der e-Methanol-Produktion leichter gestemmt werden kann. "Die Produktion des Wasserstoffs wäre durch die dafür notwendigen Stromkosten sonst unleistbar", sagt Kalt. "Methanolmärkte sind gerade erst im Entstehen." Öffentliche Förderung trage dazu bei, dass sich Industrieunternehmen da "drüber trauen". Für Austrocel bedeutet HyDi einen neuen Biokraftstoff im Portfolio, mit dem das Unternehmen zukunftsfit gemacht werde.
Flüssiger Stoff hat Vorteile
Für Dieterich steht fest, dass HyDi auch durch die Effizienz der Wasserstoffverwendung punkten kann. Als Endprodukt müsse Wasserstoff mit viel Energieaufwand komprimiert werden. Die geringe Energiedichte macht den Transport kostspielig. Methanol hingegen müsse nicht komprimiert werden und sei bei Raumtemperatur flüssig, damit wesentlich dichter. "Die Nachteile, die die Wasserstoffwirtschaft hat, können durch geschickte Weiterverarbeitung umgangen werden."
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