Wirtschaft
14.11.2018

Fritz Prinz: „Die Leidenschaft, mit Erfindungen die Welt zu verbessern“

Der österreichische Physiker Fritz Prinz spricht über reichweitenstarke Batterien für E-Autos, autonomes Fahren und Forschung an US-Unis.

KURIER: Herr Professor Prinz, mit meinem kleinen Elektroauto komme ich im Idealfall auf 240 Kilometer Reichweite, im Winter auf deutlich weniger. Was wird die Batterie schaffen, an der Ihr Unternehmen QuantumScape arbeitet?

Fritz Prinz: Ich bin Mit-Gründer eines Start-ups, das an der nächsten Generation von Batterien arbeitet, die es in einigen Jahren geben wird. Diese werden keine flüssigen Elektrolyten haben, was verschiedene Vorteile bietet: Höhere Energiedichte, verbesserte Sicherheit und schnellere Ladungszyklen sind einige Beispiele. Die Reichweite dieser „Solid State“ Batterien wird fast doppelt so hoch sein verglichen mit konventionelleren Batterietechnologien.

Ihr Unternehmen QuantumScape in Kalifornien haben Sie gemeinsam mit einem ehemaligen Studenten der Stanford University gegründet.

Ja, und mit einem sehr erfolgreichen Unternehmer und Stanford Absolventen, Jagdeep Singh, der CEO ist und schon mehrere Start-ups erfolgreich gegründet hat. Das ist übrigens selten, das jemand mit all seinen Start-ups Erfolg hat. Jagdeep Singh hat es vorgezeigt.

Den Elektromotor gibt es wie Verbrennungsmotoren seit über 100 Jahren, warum setzt sich diese Technologie erst jetzt durch?

Es wurde zu wenig in Batterien investiert und zu wenig geforscht.

Wird das Elektroauto, Diesel und Benzin ablösen?

Nicht so schnell. Langfristig, damit meine ich aber ein bis zwei Dekaden, wird die Batterie sich durchsetzten, aber es wird auch die Wasserstofftechnologie geben.

Was ist der Vorteil der Brennstoffzelle?

Die Batterie ist ein geschlossenes System, wo die gesamte Energie in der Kathode gespeichert ist. In anderen Worten, die ganze Energie steckt in der Batterie selbst. Die Brennstoffzelle ist ein offenes System und läuft, solange ich Wasserstoff zuführe. Solange der Tank Wasserstoff enthält, kann die Brennstoffzelle fahren.

Wasserstoff tanken ist noch schwierig.

Die Kosten einer Wasserstofftankstelle sind hoch, etwa eine Million Dollar, eine Ladestation für eine Batterie kostet ungefähr nur 1000 Dollar.

 

Wenn unsere Großstädte mehr Elektroautos wollen, was müssen sie dafür tun?

Sie brauchen eine Zusammenarbeit zwischen den Garagenbetreibern und der Elektrizitätsgesellschaft. Sie brauchen vor allem Schnellladestationen.

Wird die Luft wirklich sauberer, wenn wir mehr Elektroautos haben, der Strom muss ja auch erzeugt werden?

Ja, selbst ein konventionelles Gaskraftwerk arbeitet mit einer Effizienz von 60 Prozent, während ein Benzinauto nur eine Effizienz von etwa 20 Prozent hat. Der -Ausstoß kann also reduziert werden. In Zukunft kommen noch mehr alternative Energien dazu, wie Sonne und Wind, da brauchen wir freilich noch große Speicher, die es noch nicht gibt.

Werden Autos und Häuser vernetzt sein?

In Kalifornien denkt man sehr konkret an eine Infrastruktur, wo das geparkte Auto mit Solarenergie aufgeladen wird und wenn der Energiebedarf hoch ist, kann auch das Auto Energie ins Netz zurückgeben.

Reden wir von den Kosten.

Momentan ist das Aufladen eines Elektroautos sehr günstig. Aber wenn alle ein Elektroauto haben, dann werden die Kosten steigen. Der Staat erhält ja jetzt die Infrastruktur auch über die Steuer auf Diesel und Benzin. Es wird irgendwann eine Art Beladungssteuer geben müssen.

 

 

Sie haben QuantumScape vor acht Jahren gegründet, eine typische Story für Stanford – Professor gründet mit Studenten ein Unternehmen.

Uns verbindet die Leidenschaft etwas zu erfinden, was einen Unterschied macht. Volkswagen ist der größte Einzelinvestor, aber es gibt auch andere, bekannte Investoren aus dem Silicon Valley, auch Bill Gates ist mit dabei durch Break through Energy Ventures. Sicher gibt es noch Risiken, wir glauben aber, dass wir erfolgreich sein werden.

Investoren wollen ihr Geld gut verzinst zurück. Wann?

Wir müssen in solchen Unternehmen sehr langfristig denken. Mit neuen Materialien zu arbeiten dauert lange.

Nach der E-Mobilität kommt das autonome Fahren.

Das wird ein Prozess sein, der Schritt für Schritt vor sich geht. Assistenz-Systeme gibt es bereits, das komplett autonome Fahren wird noch mehr also zehn Jahre dauern.

Dafür wird auch die künstliche Intelligenz weiterentwickelt. Der chinesischer Unternehmer Kai-Fu Lee sagt, dass China da im Vorteil ist.

Chinesische Firmen gehen Risiken ein, wie wir das wegen der Haftung nicht machen würden. Die Chinesen haben sicherlich sehr viele Daten. Aber Tesla und die westliche Automobilindustrie haben inzwischen sehr aufgeholt und haben viele Daten zur Verfügung.

Und Europa spielt gar nicht mit?

Oh ja, die deutsche Automobilindustrie investiert inzwischen sehr viel Geld.

Hat aber lange geschlafen?

Sie haben das nicht so aggressiv betrieben wie die Amerikaner. Aber in der Zwischenzeit hat man in Europa die E-Mobilität und das autonome Fahren vollkommen erfasst. Die Automobilindustrie in Europa hat Qualitätsstandards, die weltweit einmalig sind.

Unsere technischen Universitäten sind nicht bei den besten der Welt, was müssten sie tun?

Die moderne Wissenschaft, Physik, Mathematik ist zutiefst europäisch. Nach dem 2. Weltkrieg waren allerdings die Amerikaner schneller. Die privaten Unis in den USA haben viel mehr Geld. Und die Asiaten haben sich stark an das amerikanische Modell angelehnt. Die Europäer müssen offener für die Finanzierung sein, auch aus Quellen der Industrie und von privaten Stiftungen, wie in den USA. Die staatliche Uni Berkeley bekommt vom Staat nur zehn Prozent ihres Budgets.

Wenn unsere technische Universität zu ihren Budgets noch 90 Prozent dazubekäme, wäre sie unschlagbar?

Die intellektuellen Voraussetzungen sind sicher hervorragend.

Sie wollten nie zurückkommen? Die Bedingungen für mich waren in den USA immer sehr günstig, aber ich komme gerne nach Österreich und schätze meine akademischen Kollegen in Europa sehr.

Zur Person

Fritz Prinz wurde 1950 in Wien geboren und studierte Physik an der Uni Wien, wo er 1975 promovierte. Von 1976 bis 1980 war als Assistent an der Universität Wien und am MIT (Massachusetts Institute of Technology) tätig. 1981 übersiedelte er in die USA, wo er an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh tätig war. 1994 wechselte er an die Stanford-Universität. Sein Fokus liegt auf der Mikro- und Nano-Forschung im Energie- und Biologiebereich. Er forscht an neuen Materialien und Methoden zur effizienten Umwandlung und Speicherung von Energie.

Das Unternehmen

Das im Jahr 2010 vom Inder Jagdeep  Singh in San Jose (Kalifornien) gegründete Start-up QuantumScape arbeitet an der Weiterentwicklung von Akkus. Die sogenannten Feststoffbatterien könnten in mehreren Jahren die Lithium-Ionen-Akkus als Energiespeicher in E-Autos ablösen. Sie versprechen eine Reichweite von mehr als 700 Kilometer. Vor dem Jahr 2025 ist mit dieser neuartigen Technologie in E-Autos aber nicht zu rechnen. Im Juni des Jahres ist VW mit 100 Mio. Euro in das Start-up eingestiegen mit dem Ziel, das erste Zugriffsrecht auf Entwicklungen zu erhalten.