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09/24/2018

„Steuern runter für die E-Autos“

Roland Ziegler, Geschäftsführer des Verbands Elektromobilität Österreich, fordert Preisgleichheit für E-Autos und herkommliche Pkw.

KURIER: In Österreich ist die E-Mobilität noch ein Randthema. Wie wollen Sie die Österreicher für E-Autos begeistern?

Roland Ziegler: Wir sind bei den Fahrzeugen weit hinter Norwegen. Rund 18.000 E-Autos fahren auf Österreichs Straßen. Ladestellen haben wir mit gut 4000 aber genug. Also geht es darum, mehr E-Autos auf die Straße zu bringen. Ich glaube, dass viele Österreicher den Nutzen für die Umwelt sehr wohl sehen. Um es attraktiver zu machen, muss man die Anschaffung attraktivieren.

Was wäre also der nächste Schritt zur Verbreitung der E-Mobility in Österreich?

Vorrangig ist jetzt, dem E-Mobility-Markt einen zusätzlichen Push zu geben, damit es attraktiver wird, E-Autos zu kaufen. Sie müssen im Verhältnis zum Benzin- oder Dieselauto billiger werden.

Was sollte die Regierung dazu beitragen?

Norwegen ist ein gutes Beispiel, wo mit Förderungen im Sinne von reduzierter Steuer deutliche Impulse gesetzt werden. Mir gefällt die Idee von Norwegen sehr gut, dass E-Autos in der Anschaffung nicht mehr kosten sollen als Benziner oder Dieselfahrzeuge. Bei den Gesamtkosten (inklusive Tanken und Versicherung) sind wir schont fast dort. Die meisten schauen beim Autokauf auf den Anschaffungspreis. Daher muss dieser runter.

Fordern Sie eine Steuerreduktion für E-Autos in Österreich?

Eine Umsatzsteuerbefreiung wäre wünschenswert. Wir haben in Österreich interessante Ansätze, um E-Autos attraktiver zu machen. Diese wirken aber vornehmlich für Firmen-Flotten. Für normale private Autokäufer ist ein E-Auto noch nicht so attraktiv.

Reden Sie mit der Regierung darüber?

Wir werden in unseren Gesprächen mit dem Ministerium auf jeden Fall darauf hinweisen, dass die Besteuerung für private E-Auto-Nutzer sinken muss. Hier sollte man den Hebel ansetzen.

Würden Sie allen Österreichern empfehlen, ein E-Auto zu kaufen?

Ich glaube, dass alle, außer Berufsfahrer, die jeden Tag mehrere Hundert Kilometer fahren, problemlos auf E-Autos umsteigen können. Einige Überlegungen sollten vor dem Kauf aber angestellt werden. Wenn man zu Hause eine Garage hat oder am Arbeitsplatz laden kann, ist ein Kauf jedenfalls empfehlenswert. Das zweite, was man anschauen muss, ist, wohin fahre ich regelmäßig. Die Reichweiten der Fahrzeuge steigen stetig. In wenigen Jahren sollte auch das kein Kauf-Hindernis mehr sein.

Die meisten Menschen laden zu Hause. Brauchen sie dafür neue Leitungen?

In den meisten Gebieten reicht das bestehende Stromnetz aus. Es ist aber wichtig, dass das Laden intelligent erfolgt. Das heißt: Wenn mehrere Fahrzeuge z. B. in einer Siedlung gleichzeitig laden wollen, muss der Netzbetreiber das so gesteuert werden, dass das Laden zeitlich gestaffelt erfolgt. Am nächsten Tag in der früh sind aber alle Fahrzeuge aufgeladen. Es müsse ja nicht alle in der gleichen halben Stunde laden.

Hat Österreich genügend Strom für eine Umstellung auf E-Autos?

Eine Umstellung aller Autos auf E-Autos erhöht den Stromverbrauch um rund 5 Prozent. Aber bis alle Autos elektrisch fahren, werden Jahrzehnte vergehen. Wir haben zunehmend Strom aus Wind oder Sonne. Es ist sinnvoll, mit diesem Strom Batterien aufzuladen. Sie wirken wie Speicher, die den schwankend anfallenden Ökostrom aufnehmen.

Ist eine Ladung Strom wirklich viel billiger als eine Diesel- oder Benzin-Tankfüllung?

Das Laden zu Hause wird immer günstiger sein als das Schnellladen an Stationen. Das kommt schon allein daher, dass man zu Hause keine Extra-Infrastruktur errichten muss. Die Preise des Aufladens an Stationen hängen natürlich mit der Preisentwicklung am Strommarkt und den Kosten für den Bau der Station zusammen. Die Stationen werden zwar günstiger, die Ladeleistungen aber immer höher. Eine 350 Kilowatt-Schnellladung zum Beispiel braucht schon eine eigene Trafo-Station dazu.