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Wirtschaft von innen
01/27/2020

Fischler-Nachfolge: Rauer Wind beim Forum Alpbach

Jetzt steigt auch die Nationalbank aus dem Europäischen Forum aus. Wird Matthias Strolz Nachfolger von Franz Fischler?

von Andrea Hodoschek

Franz Fischler, Präsident des Europäischen Forum Alpbach, bekam dieser Tage Post von der Notenbank. Der Inhalt war wenig erfreulich. Gouverneur Robert Holzmann teilte mit, die Nationalbank werde in Alpbach nicht mehr dabei sein.

Die Entscheidung des vierköpfigen Nationalbank-Direktoriums war einstimmig. Ein netter Ausflug in die Tiroler Berge, aber ein Diskussionsforum für Finanzthemen auf höchstem Niveau? Dieser Anspruch werde in Alpbach nicht erfüllt, meinen die Notenbanker. Die OeNB, jahrzehntelanger Sponsor der Finanzmarktgespräche, wird auch den Empfang nicht mehr bezahlen.

Nicht förderlich

Die Abwesenheit der Notenbank ist nicht gerade förderlich für das Prestige von Panels der Finanzwirtschaft. Wie zu hören ist, sollen die großen Banken ebenfalls den Ausstieg überlegen.Das könnte auch mit Franz Fischler zu tun haben. Ehemaliger ÖVP-Landwirtschaftsminister und Österreichs erster EU-Kommissar, international bestens vernetzt, intellektuell und sehr, sehr selbstbewusst.

Fischler macht den Alpbach-Job ehrenamtlich. Im August und September 2020 wird das Tiroler Bergdorf nach acht Jahren zum letzten Mal seine große Bühne sein. "Fundamentals" lautet das Generalthema im Jubiläumsjahr 2020. Im April/Mai 2021 wird Fischlers Nachfolger gewählt.

Namedropping

Wäre nicht Österreich, wenn nicht schon jetzt Namedropping betrieben würde. Fischler blockt dazu im Gespräch mit dem KURIER ab und will nicht über kolportierte Kandidaten sprechen.

An der Gerüchtebörse gilt derzeit der frühere Neos-Chef Matthias Strolz als Favorit. Seit seinem Ausstieg aus der Politik ist der charismatische liberale Parteigründer Buchautor und Unternehmer. Er brachte sich sehr in die Gründung der Mega Bildungsstiftung der B&C-Holding (Österreichs zweitgrößte Industrieholding) ein, ist dort im Beirat und bekommt ab März auf Puls 4 die "Mega Bildungsshow". In der Primetime. Strolz ist derzeit nicht erreichbar, weil auf Urlaub und offline.

In Alpbach ist Strolz längst präsent. Er baute vor Jahren das Stipendiaten-Programm auf. Ist im Rat des Trägervereins vertreten sowie im Schiedsgericht. Dieser Rat setzt sich laut Eigendefinition aus Personen zusammen, die sich "in besonderer Weise um den Verein verdient gemacht haben". Der Präsident wird von der Mitgliederversammlung des Vereins auf Vorschlag des Vorstands gewählt.

 

Problem mit Strolz

Den Alpbach-Präsidenten könnte der umtriebige Strolz nebenbei machen. Der Job ist vergleichbar mit dem Zeitaufwand eines Aufsichtsratspräsidenten eines größeren Unternehmens. Vor Strolz wurde an der Gerüchtebörse der Ex-ÖVP-Chef und EU-Banker Wilhelm Molterer gehandelt.

Konservative Wirtschaftsvertreter hätten vermutlich ein Problem mit Strolz. "Der richtige Mann für eine linke Experimentierstube, aber die Akzeptanz in bürgerlichen Wirtschaftszirkeln wäre schwierig. Außerdem fehlt ihm der EU-Bezug, den hätte vielmehr Molterer", unkt man in Wirtschaftskreisen.

Die Bürgerlichen haben seit dem Vorjahr aber ohnehin ein eigenes neues Wirtschaftsformat. "Salzburg Summit", gegründet von der Industriellenvereinigung und der PR-Frau und Kurz-Vertrauten Gabi Spiegelfeld. Für Fischler "keine Konkurrenz-Veranstaltung, außerdem, Wettbewerb belebt die Wirtschaft".

"Geld hinkippen"

In Alpbach stieg die Industriellenvereinigung bereits aus den Wirtschaftsgesprächen aus und ist lediglich bei den Technologiegesprächen präsent. Und das auch nur in ihrer Rolle als Miteigentümerin des veranstaltenden AIT, des Austrian Institute of Technology.

Die Veranstalter der Technologiegespräche haben einen Vertrag mit dem Forum, der ihnen weitreichende inhaltliche und organisatorische Autonomie garantiert. Das wird von anderen Sponsoren fast neidisch registriert, ihnen rede das Forum massiv drein, sowohl ins Programm als auch in die Organisation, lautet die Kritik.

Die Kategorie von Mitveranstaltern gibt es seit 2018 nicht mehr. "Am liebsten wäre Franz Fischler, wir würden das Geld an der Autobahnabfahrt hinkippen und dann wieder umdrehen", ätzt ein Industrieller.

Mehr Fokussierung

Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) ist 2020 das dritte Jahr in Folge nicht mehr an Bord. Die Begründung für den Ausstieg 2018 gilt nach wie vor. Man wünsche sich "mehr inhaltliche Themen-Fokussierung" und sehe "keinen Mehrwert", hieß es. Lediglich die Wirtschaftskammern Tirol und Salzburg werden heuer dabei sein.

Auch die Arbeiterkammer ist 2020 nur noch bei den Technologiegesprächen vertreten, nicht mehr bei den Wirtschaftspanels. "Wir würden uns mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten und eine stärkere Einbindung der Arbeitnehmer-Seite wünschen", sagt AK-Direktor Christoph Klein. Aus dem Kuratorium, das beim Programm mitbestimmt, wurden die Arbeiterkämmerer hinaus gekippt.

Die Hochschulgespräche wurden 2018 beendet. "Man hat uns einfach rausgeschmissen", klagte die ehemalige Präsidentin der Universitätenkonferenz (uniko), Eva Blimlinger. Zuwenig Publikum, heißt es beim Forum. Jetzt gibt es stattdessen die "Alpbacher Begegnungen", allerdings nur halbtägig.

Internationale Veranstaltung

Fischler hat grundsätzlich andere Vorstellungen als so manche Sponsoren. Er sieht Alpbach beispielsweise nicht als Plattform für Sozialpartner oder heimische Politiker. Sondern: "Ich will in Alpbach eine internationale Veranstaltung und keine österreichische".

Die größten Sponsoren seien längst schon internationale gemeinnützige Stiftungen. 95 Prozent des Budgets werden privat aufgestellt, je zur Hälfte über Teilnahmegebühren und privates Sponsoring, rechnet Fischler vor. Unter ihm habe das Forum nie rote Zahlen geschrieben, "und das wird es auch nicht".

Derzeit würden Gespräche laufen, CEOs von deutschen und Schweizer Großunternehmen nach Alpbach zu bringen. Die Zahl der Teilnehmer bei den Wirtschaftsgesprächen sei seit der Amtszeit von Fischler von knapp 1000 auf 1578 gestiegen, betont Alpbach-Generalsekretär Philippe Narval.

Ein Problem im idyllischen Bergdorf war immer das Chaos mit den Quartieren. Die Zimmervermittlung obliegt dem Forum, oft wussten Teilnehmer, wenn sie in Wien losfuhren, noch nicht, wo sie überhaupt nächtigen würden. Durch Kooperationen habe sich die Lage nun entspannt, verspricht Narval.

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