Welche Energie-Start-ups gute Karten bei Investoren haben

Start-ups, die Software für die Energiewende entwickeln, sind derzeit sehr gefragt.
Rasch Rendite versprechende Software für die Energiewende ist laut einem Investor sehr attraktiv. Start-ups in der Anfangsphase haben es schwer.

Jungunternehmen, die weniger auf physische Anlagen setzen, sondern sich auf Dienstleistungen, Software und digitale Lösungen konzentrieren, sind momentan bei Investoren sehr gefragt. Am besten haben sie auch bereits bewiesen, dass sie Geld erwirtschaften können und stehen vor der Skalierung ihres Geschäfts, sagt Jan Lozek. Er ist CEO von Future Energy Ventures (FEV), einem Risikokapitalgeber, der 2016 von den deutschen Energiekonzernen RWE und E.ON gegründet wurde.

Geldbörse für Investitionen mit 235 Millionen Euro gefüllt

FEV hat vor Kurzem das Closing von zwei Fonds bekanntgegeben, mit denen 235 Millionen Euro zur Verfügung stehen, um in innovative Start-ups zu investieren, die Teil der Energiewende sein wollen. "Die Start-ups können schon in einer frühen Phase sein, aber sie müssen ein Produkt haben, das sich verkaufen lässt. Wir können Start-ups gut helfen, schneller zu wachsen." Die heimischen Energieversorger Energie AG und Kelag sind Partner von FEV.

Was gefragt ist, zeigt ein Wiener Start-up

Ausschau nach neuen Start-ups hält FEV in Europa, Nordamerika und Israel. Zwei Unternehmen, in die bereits investiert wurde, sind aus Österreich. Eines davon ist Enspired. Das 2020 gegründete Wiener Start-up bietet Software an, mit der große Batteriespeicher am Strommarkt handeln können. "Damit kann man die Amortisationszeit enorm verkürzen", so Lozek.

Das Geschäftsmodell ist ein gutes Beispiel für "asset-light" Energietechnologien, die bestehende Hardware ausnutzen und kaum physische Anlagen benötigen. "Ein Großteil der Technologien, die wir für die Dekarbonisierung benötigen, ist schon entwickelt", sagt Lozek. Woran es noch mangle, sei Intelligenz, Vernetzung und gesamtheitliche Steuerung. Software, Künstliche Intelligenz und digitale Werkzeuge seien hier hilfreich und versprechen rasche Erträge.

Jan Lozek (hintere Reihe 4. von links) inmitten des Future Energy Ventures Teams.

Jan Lozek (hintere Reihe 4. von links) inmitten des Future Energy Ventures Teams.

Investoren sollen nicht nur durch Erträge profitieren

"Wir müssen dafür sorgen, dass die Energiewende ein wirtschaftlicher Erfolg wird", sagt Lozek. Für seine Fonds hat FEV knapp 20 institutionelle Investoren gewonnen, darunter der Europäische Investitionsfonds, ABN AMRO und weitere Banken. Energieunternehmen wie Energie AG und Kelag sind ebenfalls an Bord. Sie sollen von ihrer Teilnahme auch durch den Zugang zu neuen Technologien profitieren. "Wir bekommen von Energieunternehmen Hilfestellungen beim Testen von Start-ups, teilweise kaufen sie ihre Produkte und sie helfen bei der Vernetzung", so Lozek.

Unter den 50 Start-ups, in die FEV bereits investiert hat, befindet sich auch das 2015 in Innsbruck gegründete Hololight. Es spezialisiert sich auf das Streaming von unterschiedlichen Inhalten auf Augmented-Reality- und Virtual-Reality-Brillen. Was hat das mit Energiewende zu tun? "Wir haben zwei bis drei Anwendungsmöglichkeiten im Energiebereich entwickelt", sagt Lozek. "Knowledge Sharing" war einer davon. Erfahrene Mitarbeiter sollten über VR-Brillen Kollegen etwa bei Reparaturen vor Ort aus der Ferne beratend zur Seite stehen. "Das Ganze hat sich nicht so entwickelt, wie wir das vorgestellt haben." Dennoch mache das Start-up einen "super Job".

Deutschland, Österreich und Schweiz sind gut aufgestellt

Österreich habe insgesamt ein interessantes Angebot an Start-ups. "Die Qualität der Start-ups im Energieumfeld hängt stark davon ab, wie weit der Erneuerbaren-Ausbau vorangeschritten ist. Da ist die gesamte DACH-Region sehr gut aufgestellt", sagt Lozek. Ein Jungunternehmen, das man sich derzeit etwa genauer ansehe, sei Hydrogrid aus Wien. Es hat eine Datenplattform zur Optimierung von Wasserkraftwerken entwickelt.

Zur oft gehörten Problematik, dass für Start-ups zu wenig Risikokapital vorhanden ist, meint der FEV-CEO: "Der Venture Capital Markt bei Klimatechnologien war 2016, als wir angefangen haben, weltweit rund 6 Milliarden Dollar groß. Heute sind es 50 bis 60 Milliarden. Insofern sehen wir schon viel Wachstum." Zuletzt ist das Investitionsvolumen aber zurückgegangen. Laut dem "State of Climate Tech 2024"-Bericht von PwC lag das Volumen 2023 noch bei 79 Milliarden Dollar. Aktuell sehe man laut Lozek jedenfalls eine Verschiebung im Markt: "Früher wurden Start-ups mehr in ihrer Frühphase unterstützt. Heute sind es eher jene, die schon einen Schritt weiter sind."

Start-ups, für die man langen Atem braucht, haben es schwer

Investoren setzen heute ganz klar auf jene Unternehmen, die einen positiven Cashflow vorweisen können. Unternehmen, bei denen noch ein sehr langer Atem notwendig ist, um Erträge zu erwirtschaften, hätten es momentan sehr schwer. "Einen neuen Elektrolyseur zu entwickeln, ist jetzt beispielsweise wesentlich schwieriger als noch vor zwölf Monaten."

Entscheidet sich FEV, in ein Unternehmen zu investieren, werden im Schnitt 20 bis 30 Millionen Euro hineingesteckt. Der aktuell geschlossene Fonds wird bis 2027 laufen. Währenddessen werden Kapitalzusagen von den Partnern für einen Folgefonds eingesammelt. Der soll 2028 starten. 

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