© Walter Henisch/Smatrics

Wirtschaft
08/24/2021

E-Autos: 60 Millionen Euro für mehr und schnelleres Laden

Der österreichweite Ladestationenanbieter Smatrics investiert kräftig. Doch gesetzliche Vorgaben erschweren bei allen Anbietern den Ausbau.

von Robert Kleedorfer

Bereits mehr als 60.000 Elektroautos sind in Österreich zugelassen. Und die Zahl steigt – nicht zuletzt dank üppiger Förderungen – stetig an. Damit einhergehend auch die Zahl der Ladestellen (siehe Infokasten). 124 Betreiber sind laut E-Control in Österreich tätig. Einer der Pioniere im Land war Smatrics. „Mit 2.500 Ladepunkten sind wir inzwischen Marktführer bei Elektromobilitätsdienstleistungen“, sagt Smatrics-Chef Hauke Hinrichs im KURIER-Gespräch. „40 Prozent der Elektro-Autofahrer haben eine Smatrics-Ladekarte.“

Er ist seit 2017 im Unternehmen, zunächst als Technischer Direktor und seit 2018 als COO und Geschäftsführer. Nach dem überraschenden Abgang seines Co-Geschäftsführers Michael Viktor Fischer führt er ab 1. Oktober allein die Geschäfte. Ob dessen Abschied etwas mit der neuen Gesellschafterstruktur zu tun habe (OMV und Siemens steigen aus, Verbund bleibt Alleineigentümer), glaubt Hinrichs nicht.

Der Verbund jedenfalls will bei seiner Tochter ordentlich aufs Gas steigen. Bis 2030 werden rund 60 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert. Das Geld kommt dabei aber nur zur Hälfte vom Verbund. Denn das „Investmentvehikel“, so Hauke, sei das im Vorjahr gegründete Joint Venture Smatrics EnBW, die gemeinsame Tochter der Energie Baden-Württemberg (51 Prozent-Anteil) und Smatrics. Generell wollen die beiden Eigentümer ihre Marken mit Smatrics enger vernetzen. „Wir haben mit Smatrics eine starke Marke aufgebaut“, so Hinrichs, „aber wir sind nicht Apple.“ Die stärkere Verbindung der Marken (etwa Verbund powered by Smatrics für Firmenkunden) soll eine höhere Skalierbarkeit bringen und das Cross Selling stärken.

Flächenbedarf

Smatrics EnBW wiederum will bis 2030 rund 1.300 Superladepunkte (Erklärung unten) im Land errichten, etwa bei Supermärkten, Tankstellen oder Fast-Food-Läden. Freilich sei es eine Herausforderung, entsprechende Flächen zu finden. „Vielleicht muss auch der Platz gekauft werden“, so Hinrichs. Schnellladestationen seien bei Autobahnen und dort nötig, wo es sonst keine Ladeinfrastruktur gibt. Nur 10 bis 30 Prozent werde Superladen an der Gesamtenergie ausmachen, denn langsames Laden sei nicht nur batterieschonender, sondern auch daheim oder am Arbeitsplatz mit langen Stehzeiten nicht nötig. Beim Superladen können einzelne Fahrzeuge heute schon bis zu 270 KW in der Spitze laden – allerdings nur für kurze Zeit.

„Wenn die Infrastruktur nicht da ist, fliegt das Thema nicht“, so Hinrichs zur Zukunft der E-Mobilität, an die er fest glaubt. „Der Verbrennungsmotor ist hochgradig effizient, aber die Zukunft gehört der Elektromobilität.“ Sie werde den Verbrenner in den nächsten 20 bis 30 Jahren komplett ablösen. Der Preis von 3 Euro je 100 Kilometer sei unschlagbar. Für E-Fuels oder Wasserstoff benötige man nicht nur eine gänzlich neue Infrastruktur, sondern auch mehr Energie zur Erzeugung als bei Elektro. „Wasserstoff ist eine tolle Technologie für die Industrie und auch bei Lkw vorstellbar.“

Ökostrom

Der Strom beim Laden bei den Smatrics-Säulen sei zu 99 Prozent Verbund-Ökostrom. „Auch wenn alle Fahrzeuge elektrisch fahren, steigt der Mehrverbrauch nur um 8 bis 10 Prozent“, so Hinrichs. Dies gehe sich mit dem Ökostrom aus, denn Österreich sei „wegen des tollen Strommix prädestiniert für E-Mobilität“.

Zwei Probleme gibt es laut Hinrichs aber noch punkto Laden: Die Ökostrompauschale (für die Mittelspannungsebene sowie die Leistungskomponente) berechnet sich nach dem Durchschnitt der drei höchsten Leistungswerte im Monat. „Wenn da drei Mal ein Sportwagen tankt, dann wird es teuer für uns.“ Die Ökostromnovelle verschärfe das Problem zusätzlich. Eine Alternative wäre der Einbau einer Speicherbatterie am jeweiligen Standort.

Ein zweites, eigentlich noch größeres Thema, ist die geplante und an sich sehr positive Umstellung von Minutenabrechnung auf energiebasierte Abrechnung nach kWh. Die Bestandsladesäulen müssten dafür umgerüstet werden. „Eigentlich darf das erst starten, bis auch die letzte Säule umgerüstet ist“, so Hinrichs. Die verschiedenen Säulen der einzelnen Hersteller müssen „jede für sich“ vom Eichamt begutachtet und freigegeben werden. Damit drohe eine komplette Umrüstung oder auch ein Rückbau. "„Die Anbieter sind aber mit der Politik in Kontakt“, sagt Hinrichs.

Neue Stationen
Im ersten Quartal legte die Zahl der Lademöglichkeiten  um 22 Prozent auf  4.215 Ladestellen mit insgesamt 8.061 Ladepunkten im Land zu.

Superladen
Heuer will Smatrics EnBW in Österreich zu den bestehenden 20 noch 70 bis 80 weitere Superladepunkte schaffen. Dabei wird mit einer Leistung von bis zu 300 KW geladen. Das senkt die Ladezeit für 100 km Reichweite auf  3 bis 5 min.

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