Hannes  Jagerhofer auf der Baustelle am Heumarkt – Hunderte Stützen sind für die Beachvolleyball-Tribünen erforderlich.

© Kurier/Juerg Christandl

wirtschaft von innen
07/19/2021

Die visionären Projekte von Hannes Jagerhofer

Nicht nur "Mister Beachvolleyball", sondern ein kreativer Unternehmer mit einem finanzstarken Investoren-Netzwerk.

von Andrea Hodoschek

Diesmal wird alles anders. Keine Massen, die sich in aufgeheizter Stimmung Schulter an Schulter drängen, sondern gesittetes Sitzen in 12er-Logen und mit 3-G-Zutrittskontrollen. Vom 11. bis 15. August gehen in Wien auf dem Heumarkt die Beachvolleyball-Europameisterschaften über die Bühne, die erste Sport-Großveranstaltung seit Beginn der Corona-Zeitrechnung in der Bundeshauptstadt.

Im Vorjahr war abgesagt worden. Als Veranstalter Hannes Jagerhofer im Oktober 2020 begann, die EM für heuer zu planen, gehörte nicht nur unternehmerischer Mut dazu. „Wir hatten das Riesenglück, dass unsere Sponsoren hinter uns stehen. Ohne sie und ohne Stadt Wien und Bund wäre die EM nicht möglich.“ Es sei klar gewesen, „dass wir ein anderes Stadionkonzept brauchen, um auf der sicheren Seite zu sein. Der technische Aufwand ist enorm“.

Ein großes Geschäft sind eine EM oder eine Weltmeisterschaft nicht, „Ziel ist eine ausgeglichene Bilanz“. Die Trendsportart ist zwar auch schon etwas in die Jahre gekommen, doch die Attraktivität hat nicht nachgelassen. Die bisher online freigeschalteten rund 6.600 Tickets waren innerhalb einer Minute ausverkauft.

Vor genau 25 Jahren fand das erste Turnier in Klagenfurt statt. 75 Besuchern kamen, und das auch nur, weil Jagerhofer Freibier ausschenkte. Im Folgejahr musste die Pressekonferenz unterbrochen werden, Sponsor und Freund Niki Lauda hatte am Podium erzählt, gespielt werde im Wasser.

Jagerhofer, 59, auf Beach Volleyball oder Events zu reduzieren, wäre zu eindimensional. Der Kärntner Arztsohn, der sich beim Medizin-Studium verbummelte und nach Ausbleiben der väterlichen Studienförderung mit Partys begann, ist als Unternehmer breit aufgestellt.

Ein großer Erfolg wurde die 2005 gegründete Flugsuchmaschine checkfelix, die er 2011 an das US-Reisportal Kayak verkauft. Vermutlich der einzige Deal, bei dem Mit-Investor Karl-Heinz Grasser ein Geschäft machte.

2013 startete der zweifache Familienvater, der privat Events meidet, mit checkrobin, einer Mitfahr-Plattform für Pakete. Doch Jagerhofer hatte das österreichische Zunftwesen gröblich unterschätzt. Es hagelte Klagen der Wirtschaftskammer, einstweilige Verfügungen und eine Strafanzeige samt Androhung einer Hausdurchsuchung, erst vier Jahre später war alles eingestellt.

„Anrennen lassen“

„Wir waren zu früh dran. Die haben mich in Österreich richtig anrennen lassen. In Österreich wird versucht, neue Entwicklungen im Keim zu ersticken. Das gelingt langfristig dann eh nicht, aber wir sind im Wettbewerb gegenüber anderen Ländern später dran“, bedauert Jagerhofer.

Jetzt startet er damit in Deutschland, wo die rechtliche Situation klar ist. Aus checkrobin wurde myrobin, heute Montag werden 800 TV-Spots freigeschaltet. Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein. Die Zustelldienste warnen vor dem Kollaps. „Bis 2025 sind 5,7 Milliarden Paketzustellungen prognostiziert, 2019 waren es noch 3,2 Milliarden. Es gibt viel zu wenig Fahrer“, argumentiert Jagerhofer. Die Vorteile von myrobin: „Einfach und sogar unverpackt rund um die Uhr verschicken, die Fahrer erhalten einen zusätzlichen Verdienst pro Sendung und es wird gespart.“ Große Logistikunternehmen haben bereits angeklopft.

Aus dem alten checkrobin wurde eine Versandplattform für kleine und mittlere Händler, „die den Versand erleichtert und günstigere Preise bei den Logistikern ermöglicht“, in Deutschland sind rund 1.000 Händler an Bord. Seit sechs Wochen ist Jagerhofer mit dem neuen checkrobin in Österreich präsent, der Anfang sei vielversprechend.

20 Programmierer arbeiten in Klagenfurt an innovativen Lösungen. Als Investoren holte Jagerhofer eine Reihe von Top-Unternehmern an Bord. Beispielsweise Dietrich Mateschitz (Red Bull ist auch Beachvolleyball-Sponsor), Herbert Koch (Ex-Leiner), Immobilien-Krösus René Benko oder der ehemalige Werbeguru Hans Schmid.

Schwimmendes Konferenzzentrum

Vier Jahre lang hat Jagerhofer mit seinem Unternehmen ACTS an dem Projekt gearbeitet. Im Oktober 2022 soll das „Floating Conference Center“ vom Stapel laufen. Ein Hightech-Schiff mit vier Elektromotoren, das auf 800 Quadratmetern Platz für bis zu 220 Gäste bietet.

Der Konferenz-Tourismus werde derzeit neu definiert, „die Menschen brauchen Erlebnisse. Sie müssen den Kopf freibekommen“, sagt Jagerhofer. Das funktioniere nicht im Konferenzsaal eines Hotels, dafür brauche es spektakuläre Natur. So habe Nokia nur für Tagungen eine ganze Insel gekauft.

Die Projektkosten für das  mit Holz und viel Glas designte  Schiff belaufen sich auf rund 12,5 Millionen Euro. Der Rumpf wird in Serbien gebaut, der Rest von österreichischen Unternehmen.

Wo das spektakuläre Konferenz-Zentrum vor Anker gehen wird, ist noch offen. Vermutlich am Wörthersee oder im Salzkammergut. Jagerhofer ist noch auf der Suche nach Investoren für sein schwimmendes Konferenzzentrum, das er als ein „internationales Leuchtturmprojekt“ bezeichnet. 

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