Modellprojekt Arbeitsplatzgarantie Marienthal

© Kurier / Jeff Mangione

Wirtschaft
04/30/2021

Die Arbeitenden von Marienthal

Das AMS Niederösterreich sucht neue Strategien und gibt im Modellprojekt allen Langzeitarbeitslosen bis 2024 eine Jobgarantie.

von Marlene Penz

Die Arbeitslosen von Marienthal gingen in die Geschichte ein – bzw. die Studie über sie aus den 1930er-Jahren. Seit Herbst 2020 läuft genau dort – nämlich im nö. Gramatneusiedl – wieder eine Studie. Diesmal geht es um die Frage, wie sich Arbeit auf Personen auswirkt, die schon länger als zwölf Monate ohne Job sind und nicht, was Arbeitslosigkeit mit ihnen macht. Die Universitäten Wien und Oxford begleiten das AMS-Modellprojekt MAGMA. Ziel ist es, die Langzeitarbeitslosigkeit in einer Region langfristig auf null zu bringen. „Man muss sich eingestehen, dass es Menschen gibt, die wir nicht in den Arbeitsmarkt integrieren können. Die große Frage: Finanzieren wir Langzeitarbeitslosigkeit oder Arbeit?“, sagt AMS NÖ-Chef Sven Hergovich.

Das ist mit ein Grund, warum nun alle Langzeitarbeitslosen in der Gemeinde Gramatneusiedl bis 2024 ein Jobangebot bekommen. Bisher habe das niemand abgelehnt, sagt Projektleiterin Daniela Scholl. Es gebe aber keine finanziellen Sanktionen, wenn man es täte. Als MAGMA-Teilnehmer bekommt man nach einer Vorbereitungsphase ein kollektivvertragliches Dienstverhältnis über das AMS.

Positive Auswirkungen

Am Areal der einstigen Textilfabrik ist MAGMA eingezogen, für viele Teilnehmer ist dort ihr neuer Arbeitsplatz. „Es werden Möbel in der hauseigenen Werkstatt gemacht oder Newsletter für Auftraggeber gestaltet“, nennt Scholl Beispiele. Parallel dazu werden Bewerbungen geschrieben. „Ich bereite mich auf meine Lehrabschlussprüfung vor“, sagt Robert Leisser (35), während er die Tür zur Werkstatt streicht.

Projektteilnehmerin Denise Berger arbeitet als Reinigungskraft im Kindergarten. „Ich habe nicht gedacht, dass ich den Job bekomme“, sagt die 29-Jährige. Das positive Feedback habe ihr wieder Auftrieb gegeben, „das kannte ich schon gar nicht mehr“, betont Berger. Vor MAGMA war sie drei Jahre lang auf Jobsuche. Derzeit ist sie im Rahmen der gemeinnützigen Arbeitskräfteüberlassung im Kindergarten tätig. „Ich habe mich so gefreut, als ich von dem Projekt erfahren habe. Ich bin keine, die nur zu Hause sitzt“, so Berger.

So wie ihr ging es den meisten, wie erste Auswertungen zeigen. Selbst Skeptiker sehen im Projekt ihre einzige Chance, wieder am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen (elf haben das bereits getan, 38 sind derzeit im Projekt). Finanziell wieder unabhängig sein und einen geregelten Tagesablauf haben – das sind die dominantesten Motive für die Teilnahme. Laut Hannah Quinz (Universität Wien) zeige sich ein überwiegend positives Bild, die Teilnehmer würden sich „gut aufgehoben“ fühlen. Zudem würden die Daten auf positive gesellschaftliche und soziale Auswirkungen hindeuten, sagt Lukas Lehner (Universität Oxford).

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