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Job-Kahlschlag in Deutschland hat auch Folgen für Österreich

Kürzungen in der deutschen Industrie bleiben hierzulande nicht ohne Auswirkungen. Bei heimischen Betrieben sind laut Ökonomen rund 10.000 Arbeitsplätze gefährdet.
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Zusammenfassung

  • Der Jobabbau in der deutschen Industrie dürfte wegen der engen wirtschaftlichen Verflechtung auch Österreich treffen, wo laut WIFO in den nächsten Jahren rund 10.000 Arbeitsplätze gefährdet sein könnten.
  • Besonders betroffen wären laut Ökonomen die Autoindustrie samt Zulieferern sowie Maschinenbau und Metallbranche, während die Verflechtung in anderen Bereichen wie der Chemie geringer ist.
  • Als Ursachen gelten neben Fehlern der Hersteller hohe Standort- und Energiekosten, wobei ein Ausgleich durch den Dienstleistungssektor laut Ökonomen erst mit stärkerem Wirtschaftswachstum realistisch ist.

Aus der deutschen Industrie kommen fast im Wochentakt Hiobsbotschaften. Die Lage sei kritisch, hieß es vor Kurzem aus dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Rund 15.000 Arbeitsplätze würden pro Monat wegfallen. Am Dienstag wurde bekannt, dass auch BMW, als letzter großer deutscher Autohersteller nach VW, Audi, Porsche und Mercedes, Stellen streicht. 8.000 Arbeitsplätze sollen weltweit wegfallen.

Rund die Hälfte davon dürfte auf den Standort Deutschland entfallen. Sie sollen die Verwaltung und Entwicklung betreffen. BMW in Österreich und das Werk in Steyr sind nicht betroffen, heißt es aus dem Unternehmen. Der Job-Kahlschlag in der deutschen Industrie wird aber auch hierzulande nicht ohne Folgen bleiben, sagen Ökonomen.

Eng verzahnt

Die beiden Volkswirtschaften sind eng verzahnt. Für die Automobilindustrie gelte das besonders, denn viele Zulieferer seien direkt mit deutschen Herstellern verknüpft, sagt der Ökonom Michael Böheim vom WIFO. „Wenn die Hauptabnehmer redimensionieren, spüren das die Lieferanten. Dass es zu Rückholungen von ausgelagerten Dienstleistungen und Aufträgen kommen wird, ist klar.“ Böheim schätzt, dass als Folge der Stellenstreichungen in der deutschen Industrie in den nächsten Jahren rund 10.000 Arbeitsplätze in Österreich gefährdet sein könnten.

„Es ist nicht zu verhindern, dass wir betroffen sein werden“, meint auch der Ökonom Jan Kluge vom industrienahen Thinktank Agenda Austria. Er sieht neben der Autoindustrie auch Folgen für den Maschinenbau und die Metallbranche. In anderen Bereichen, wie etwa der Chemie, sei die Verflechtung nicht so groß, meint WIFO-Ökonom Böheim.

WIFO-Ökonom Michael Böheim

WIFO-Ökonom Michael Böheim.

Die Gründe für den Jobrückgang seien neben hausgemachten Fehlern der Hersteller, etwa dem späten Umstieg auf die Elektromobilität oder einer verfehlten Modellpolitik, auch industriepolitische Fehlentscheidungen, etwa Kehrtwendungen beim Verbrenner-Aus und die hohen Kosten am Standort. Letzteres gelte für Deutschland und Österreich. „Wir müssen uns überlegen, den Faktor Arbeit zu entlasten und die Energiekosten nachhaltig runterzubringen“, sagt Böheim. Er sehe nicht, dass die Politik das Ruder herumreißen könne oder wolle, meint Agenda-Austria-Ökonom Kluge.

Warten auf Wachstum

Können die verloren gegangenen Industriejobs in anderen Bereichen aufgefangen werden? Böheim geht davon aus, dass der Dienstleistungssektor in Zukunft stärker wachsen wird und den Wegfall der Arbeitsplätze ausgleichen kann. 

Wie schnell das passieren wird, ist aber unklar. Das hänge davon ab, wann Europa und vor allem Deutschland und Österreich auf einen Wachstumskurs zurückkommen, sagt der WIFO-Ökonom: „Zusätzliche Stellen brauchen Wirtschaftswachstum. Bei den aktuell niedrigen Wachstumsraten sehe ich nicht, dass der Wegfall schnell kompensiert werden kann.“

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