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Wirtschaft
08/31/2021

Der schleichende Tod des gedruckten Sparbuchs

Auch Bawag und Teile der Volksbanken geben keine neuen, gedruckten Sparbücher mehr aus.

von Anita Kiefer

Das mediale Echo war riesig, als Anfang 2020 die Hypo NOE als erste klassische Beraterbank in Österreich bekannt gab, keine gedruckten Sparbücher mehr ausgeben zu wollen.

Veränderte Kundenbedürfnisse wurden damals von der Bank als Begründung für das Aus des Sparbuches angegeben. Das war ein mutiger Schritt: Immerhin gilt das Sparbuch ähnlich wie das Schnitzel als österreichisches Original. Mittlerweile sind mehr als 1,5 Jahre vergangen und auch bei anderen Banken geht es dem Sparbuch immer mehr an den Kragen, wie ein KURIER-Rundruf unter den wichtigsten Geldinstituten des Landes zeigt.

Sowohl die Bawag als auch die Volksbanken aus Wien, Niederösterreich und Oberösterreich geben keine neuen Sparbücher mehr aus, erklären die Banken. Mit einer Ausnahme: Sparbücher für Kinder – klassisch häufig von Großeltern für das neugeborene Enkerl angelegt – werden weiter ausgegeben, allerdings keine klassischen Kapitalsparbücher für Erwachsene. Die Bawag begründet diesen Schritt mit der „rückläufigen Nachfrage“. Als Alternativen würde man den Kunden angesichts des anhaltend niedrigen Zinsniveaus derzeit verstärkt Anlagekonten anbieten, „über die via eBanking verfügt werden kann“.

Weniger Nachfrage

Ebenfalls mit der sinkenden Nachfrage begründet Volksbanken-Sprecher Wolfgang Layr die Frage, warum es in Wien, Nieder- und Oberösterreich keine Sparbücher – auch hier mit Ausnahme von Kindersparbüchern – mehr gibt. Aufgrund der Struktur der Volksbanken können hier alle Länderorganisationen selbst entscheiden, ob sie weiter Sparbücher ausgeben. Aber generell „vermeiden wir das klassische Sparbuch, wenn es irgendwie geht“, so Layr. „Es gibt so gut wie keinen Bedarf mehr.“

Interesse nimmt ab

Abgesehen von diesen Geldinstituten wollen sich die übrigen aber noch nicht vom klassischen Sparbuch in gedruckter Form verabschieden, auch wenn das Interesse daran generell im Abnehmen begriffen ist. Dieses habe, heißt es von der Oberbank, in den vergangenen Jahren „spürbar nachgelassen“, viele würden sich für Online-Sparformen entscheiden, es sei aber „auf jeden Fall noch da“. Vor allem bei Älteren, die Geldgeschäfte noch nicht über eBanking abwickeln. Daher gebe es den Plan, die Ausgabe von gedruckten Sparbüchern einzustellen, aktuell noch nicht.

Ähnlich ist es auch bei der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien. Sparbücher werden weiter auch gedruckt ausgegeben, allerdings würden deutlich mehr Online-Sparkonten eröffnet.

Auch bei der Raiffeisenlandesbank (RLB) Oberösterreich sieht man das ähnlich: Heinrich Schaller, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank OÖ auf die Frage, ob es den Plan gibt, die Ausgabe von gedruckten Sparbüchern einzustellen: „Nein aktuell nicht. Solange das klassische Sparbuch von unseren Kundinnen und Kunden gewünscht und nachgefragt wird, gibt es dazu keinen Grund.“

Die RLB OÖ war übrigens die einzige Bank, die dem KURIER rechtzeitig Zahlenmaterial zu den Sparbüchern übermittelte. So gibt es hier aktuell mehr als 947.000 Sparbücher und mehr als 298.000 Online-Sparkonten. Auch UniCredit Bank Austria und die Erste Bank planen aktuell ebenfalls kein Ende des Sparbuchs. Die Erste Bank bezeichnet es aber als „Auslaufmodell“, das „kaum nachgefragt“ werde.

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