Wirtschaft
10.10.2017

D: Fipronil in Eierlikör und Backwaren gefunden

AGES fand bisher 53 positive Proben aus dem Großhandel, 18 überschritten gar den Höchstwert.

Der Skandal um mit dem Giftstoff Fipronil belastete Eier hat einem Zeitungsbericht zufolge größere Ausmaße als bisher angenommen. Deutsche Behörden hätten eingeräumt, dass das Insektizid nicht nur in Hühnereiern, sondern auch in zahlreichen weiteren Lebensmitteln entdeckt worden sei, berichtete die Süddeutsche Zeitung am Dienstag. In Österreich gab es bisher keinen Nachweis im Einzelhandel.

Das deutsche Landwirtschaftsministerium teilte demnach mit, dass nach einer vorläufigen Auswertung in 103 Proben "Rückstände von Fipronil" entdeckt wurden. Von diese Proben hätten 25 "über dem einschlägigen Rückstandshöchstgehalt" gelegen, erklärte das Ministerium der Zeitung zufolge weiter.

"Besorgniserregende Trefferquote"

Damit seien mehr als 20 Prozent der Tests auffällig gewesen, schrieb das Blatt. Davon wiederum habe jede vierte Probe über dem Grenzwert gelegen. Mit dem Testverfahren vertraute Experten hätten dies als "besorgniserregende Trefferquote" bezeichnet.

Belastet war demnach eine ganze Reihe unterschiedlicher Produkte. "Häufige Rückstandshöchstgehaltsüberschreitungen" fand das Ministerium dem Bericht zufolge in den Kategorien "Vollei getrocknet", "Likör mit Eierzusatz", "Eiersalat" und "Feine Backwaren".

LautSüddeutscher Zeitungbegannen die Tests bereits im August. Sie sollten zeigen, ob auch eihaltige Lebensmittel vom Fipronil-Skandal betroffen sind, das Insektizid also über Eier in anderen Produkten in Supermarktregalen landete. Bis Ende Oktober sollen demnach fast 800 Proben ausgewertet werden. Dem Landwirtschaftsministerium lägen mit 473 Analysen bereits mehr als die Hälfte der Ergebnisse vor, schrieb die Zeitung.
In Österreich waren alle von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) untersuchten Produkte aus dem Einzelhandel bisher frei von Fipronil. Es wurden auch 38 verarbeitete Produkte wie Mayonnaise, Backwaren wie Gugelhupf, Eierbiskotten, Spritzgebäck, Krapfen, Linzeraugen, Strudel und Kuchen, aber auch Bananenschnitten, Profiteroles, Tiramisu sowie Semmelknödel, Käsnudeln, Buchstaben für Suppe und Backerbsen untersucht.

Jedoch wurde in 53 Proben aus dem Großhandel Fipronil nachgewiesen. Betroffen waren Flüssigei, Eiweißpulver, Eigelb, Vollei, gekochte und geschälte Eier usw. Die Produkte stammten aus Deutschland, Niederlanden, Dänemark und Belgien. Mit Stand 10. Oktober 2017 lagen die Ergebnisse für 280 Produkte vor.

Die in Österreich gemessenen Werte lagen zwischen 0,003 und 0,1 Milligramm pro Kilo und somit weit unter dem Wert von 1,2 Milligramm pro Kilo, der in Belgien gemessen wurde und der für die gesundheitliche Bewertung herangezogen wurde. Es besteht somit keine Gesundheitsgefahr, weder akut noch wenn belastete Produkte über einen längeren Zeitraum gegessen worden wären.

Laut europäischer gesetzlicher Regelung ist ein Rückstandhöchstgehalt von 0,005 mg/kg Fipronil erlaubt. Diesen Höchstwert haben laut AGES insgesamt 18 Proben überschritten und dürfen somit nicht in Verkehr gebracht werden. Dies wird derzeit von den zuständigen Landesbehörden überprüft.

In der Fipronil-Affäre mussten in Deutschland Millionen Eier vom Markt genommen und mehrere Legehennenbetriebe gesperrt werden. In Belgien waren erstmals Anfang Juni überhöhte Fipronil-Werte in einer Probe entdeckt worden. Verantwortlich war eine niederländische Firma, die Ställe von Legehennen mit einem Mittel reinigte, dem das Insektizid beigemischt war.

Fipronil-Skandal bringt Österreichs Bauern höhere Eierpreise

Einen positiven Effekt hat der Fipronil-Skandal den heimischen Ei-Erzeugern gebracht. Wegen der massenweise Tötung von Legehennen in Europa, ist laut Landwirtschaftskammer OÖ ein gewisser Engpass bei Eiern entstanden, weshalb die Preise für die Bauern nach drei Jahren angehoben werden. Erneut forderte Präsident Franz Reisecker am Montag in Linz eine Kennzeichnungspflicht für Eiprodukte.

Seit drei Jahren liegt der Nettopreis für 100 Eier für Bauern je nach Haltungsart der Hennen zwischen rund 7,91 und 16,43 Euro. Das sei für die Landwirte das untere Limit, nun komme es zu einer Erhöhung. Wie hoch diese ausfallen wird und ob auch die Händler mit den Preisen anziehen, konnte Reisecker aber nicht sagen.

Gleichzeitig teilte er in der Pressekonferenz mit, dass, auch wenn österreichische Waren nicht mit dem Insektizid belastet waren, der Anteil von frischen und verarbeiteten Eiern am heimischen Markt 15 Prozent betragen. "Sobald das Ei die Schale verlässt, ist die Stempelung weg", erläuterte Franz Karlhuber, Obmann des Landesverbandes der Geflügelproduzenten, die Problematik. Damit ist die Herkunft nicht mehr nachvollziehbar. Kommt das Trockenei in Nudeln aus einem österreichischen Legebetrieb, wo seit Jahren die Käfighaltung verboten ist, oder stammt die Zutat aus einer Massentierhaltung aus Belgien oder Holland? Die nicht notwendige Deklarierung schwäche die Marktposition heimischer Erzeuger, meinte Reisecker.

Außerdem hätten die Konsumenten das Recht zu erfahren, woher die Rohstoffe kommen und unter welchen Bedingungen erzeugt werde. Wie sich etwa bei Frischeiern, deren Herkunft klar gekennzeichnet ist, zeige, greifen Österreicher "eindeutig" zum heimischen Lebensmittel, so der Präsident. Inzwischen werden in Österreich auch schon rund 500.000 Legehennen privat gehalten.

Weiters sieht die Landwirtschaftskammer auch Bund und Land in der Pflicht, für ihre öffentlichen Küchen keine ausländischen Produkte mehr zu verkochen. Man verhandle gerade über die Umstellung auf österreichische Anbieter. Dies sei derzeit der "einzig wirkliche Konsumentenschutz", so Karlhuber.