Wirtschaft
14.08.2017

Fipronil: Acht bestätigte Fälle von belasteten Eiern in Österreich

Auch hierzulande sind Eier, die mit dem Insektengift Fipronil belastet sind, in Umlauf gekommen. Bei zehn Proben stehen die Ergebnisse noch aus.

Seit Montagmittag ist es offiziell: Auch in Österreich sind Eier, die mit dem Insektengift Fipronil belastet sind, in Umlauf gekommen. Von 80 gezogenen Proben, die am Freitag an die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) weitergeleitet wurden, bestätigte sich in acht Fällen der Verdacht, bei zehn weiteren laufe noch die Abklärung, teilt die AGES auf ihrer Homepage mit.

Der höchste gemessene Wert liegt bei 0,1 Milligramm pro Kilo, das sei um das Zehnfache weniger als der höchste Wert, der bisher in Belgien gemessen wurde. Nachgewiesen wurde das Insektengift in Eiprodukten für den Gastronomiegroßhandel mit Herkünften aus Deutschland, Niederlanden, Belgien und Polen.

Dabei dürfte es sich offenbar aber nicht um jene gekochten und geschälten Eier handeln, die zwei oö. Großhändler vergangene Woche aus den Niederlanden importiert und an Gastrobetriebe verkauft hatten. Die oö. Lebensmittelaufsicht hatte zu Mittag von der AGES noch keine Untersuchungsergebnisse, hieß es aus dem Büro des zuständigen Landesrats Rudi Anschober (Grüne).

Frischeier bisher nicht betroffen

Nach dem Auftauchen der Verdachtsfälle in Oberösterreich wurden ergänzend noch bundesweit weitere Proben in Eiern sowie Eiprodukten gezogen. Frischeier waren bisher nicht betroffen.

20 Tonnen belastete Flüssigeier in Spanien entdeckt

Zuvor waren erstmals auch in Spanien belastete Eier entdeckt worden. Die aus Frankreich stammenden Flüssigeier seien von Inspektoren in einer Firma in der Provinz Bizcaya im Baskenland gefunden worden, berichtete die Zeitung El Pais am Samstag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium.

Es handle sich um insgesamt 20 Tonnen Flüssigeier, die in den nächsten Tagen vernichtet werden sollen. Die kontaminierten Produkte seien aber nicht in den Handel gelangt, hieß es. Für die Verbraucher habe nie ein Risiko bestanden. Die spanischen Behörden erklärten, es würden auch weiterhin ständig Kontrollen durchgeführt.

Lebensmittelindustrie gegen weitere Herkunftsangaben

Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie, hat sich am Sonntag gegen verschiedene Vorschläge zur Herkunftsangabe anlässlich des Fipronil-Skandals ausgesprochen. "Eine umfassende Kennzeichnungspflicht wie bei Schaleneiern auch für verarbeitete Eier einzuführen, würde die Lebensmittelsicherheit freilich nicht substanziell verbessern."

Viel entscheidender sei, dass die Vielzahl bestehender Regeln für die Sicherheit von Lebensmitteln von allen Partnern in der Lebensmittelkette - auch der Landwirtschaft - eingehalten und kontrolliert werden und dass das EU-Schnellwarnsystem (RASFF) von den Behörden effektiv angewendet wird. Zwangsangaben von Herkunftsländern per se könne die sichere Produktion in der Landwirtschaft und der Weiterverarbeitung keinesfalls ersetzen.

Grundsätzlich sei die Deklaration von Lebensmitteln EU-Recht und somit nur im europäischen Gleichklang zu ändern. Eine "Vorreiterrolle" einzelner Länder hätte laut Koßdorff unweigerlich höhere Kosten und somit Wettbewerbsnachteile für die heimischen Hersteller zur Folge. Gerade die heimischen Landwirte hätten beim Alleingang Österreichs bei der Käfighaltung erlebt, dass der Markt solche vorgezogenen Leistungen nicht honoriert.

Mitten in Eierskandal richtet belgische Stadt Omelett-Festival aus

Jetzt erst recht: Eine belgische Kleinstadt feiert mitten im Eier-Skandal ein Omlettefestival: Was zunächst nach keiner guten Idee klingt, soll in Malmedy wie jedes Jahr am 15. August stattfinden, kündigten die Veranstalter am Freitag an.

Die Organisatoren brauchen 10.000 Eier für ihr traditionelles Riesen-Omelett, und diese dürfen natürlich auf keinen Fall mit dem Insektengift Fipronil belastet sein. Gar nicht so einfach - hat der Skandal doch seinen Ursprung in Belgien und den Niederlanden.

Organisatorin Benedicte Mathy sagte, sie habe eine "erlebnisreiche" Woche hinter sich. Die Eier für das Omlette habe sie aber beisammen. Etwas mehr als 8000 Eier kommen demnach von einer Farm, die etwa 40 Kilometer entfernt ist. "Wir kennen die Qualität also", versicherte Mathy.

Die restlichen Eier würden zwei Supermarkt-Ketten liefern, die die Veranstaltung sponsern. "Die können nichts mehr riskieren", beteuerte Mathy und erklärte, dass sie Zertifikate habe, die bewiesen, dass auch deren Eier unbelastet seien.

Der kleine Ort nahe der deutschen Grenze erwartet tausende Besucher zu dem Spektakel - im vergangenen Jahr bedienten sich 7000 Menschen an dem Riesen-Omelett, das in einer überdimensional großen Pfanne auf einem Platz mitten in der Stadt gebraten wird.

Der Lebensmittelskandal betrifft bisher 15 EU-Länder, die Schweiz und Hongkong - Millionen Eier wurden aus Supermarktregalen entfernt.

Fipronil: Wie es in die Hennen-Haltung kam

Was für Hund und Katze erlaubt ist, geht für Hühner gar nicht: Das Insektizid Fipronil, das seit den 1990er Jahren als Anti-Floh-Mittel bei Haustieren sehr beliebt ist und auch in Ameisenködern verwendet wird, ist für die Desinfizierung von Hühnerställen streng verboten. Inzwischen weiß ganz Europa, warum. Auch wenn den Tieren das Mittel nicht verfüttert, sondern im Stall als Desinfektionsmittel versprüht wurde, haben es die Hennen im Körper aufgenommen. Über die Haut, beim Einatmen, auch beim Herumpicken, so Manfred Kietzmann, Experte für Pharmakologie bei der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Rückstände im Ei?

Der Stoff reichere sich in den für die Dotterbildung zuständigen Zellanlagen, den Follikeln, an. Kietzmann: "Deshalb findet man das Fipronil auch hauptsächlich im Eidotter." Das hänge damit zusammen, dass Fipronil lipophil ist - also fettliebend. Die Reifung des Eis im Huhn dauert ungefähr zehn Tage. "Das heißt, der Wirkstoff, der heute in einem Follikel eingelagert wird, wird dann in zehn Tagen in dem Ei sein." Weil sich chemische Substanzen sehr schnell im Körper der Hühner ansammeln und dann auch im Ei zu finden sind, ist die Zahl der zugelassenen Arzneimittel für Legehennen sehr eingeschränkt. Tiermedikamente sind vor ihrer Zulassung darauf getestet worden, ob sie Rückstände im Fleisch oder den Eiern hinterlassen, heißt es auf den Seiten des Wissenschafts- und Informationszentrums Nachhaltige Geflügelwirtschaft.

Nun haben viele Bauern in Belgien und den Niederlanden und auch eine Handvoll Betriebe in Niedersachsen ein Mittel mit Fipronil eingesetzt, allerdings wohl ohne zu wissen, dass es das Insektenmittel illegalerweise enthält. Sie verwendeten Dega-16, ein homöopathisches Mittel aus ätherischen Ölen, das gegen einen problematischen Parasiten helfen soll: die Rote Vogelmilbe. "Bestimmt zwei Drittel aller Legehennenhalter in Europa haben ein Problem mit diesem Blutsauger", sagte Dieter Schulze, der als Veterinär in einer großen Tierarztpraxis in Niedersachsen arbeitet. Die Milben kriechen nachts auf die Vögel, siedeln sich unter den Flügeln an und saugen das Blut der Tiere. Das Problem gebe es in allen Haltungsformen, egal, ob Bio, Freiland, Bodenhaltung oder Käfig.

Effekt hat nachgelassen

Für die Hennen ist das nicht nur lästig, es kann auch gefährlich sein, ja sogar bis zum Tod der Tiere wegen Blutarmut führen. Milben können auch Krankheitserreger übertragen, etwa die Vogelgrippe oder Geflügelcholera, erklärte Schulze. Aber es mache die Gruppe auch unruhig - was zu einem zusätzlichen Problem führt, wenn, wie inzwischen in Niedersachsen, das Kürzen der Schnäbel verboten ist. Denn wenn die Tiere aggressiver sind, picken sie auch mehr aufeinander ein und verletzen sich - die Krankheitsgefahr steigt und die Legeleistung sinkt. Zugelassen gegen die Milben sind vier Klassen chemischer Produkte - drei seien allerdings schon so lange auf dem Markt, dass die Milben gegen sie Resistenzen entwickelt hätten, sagt Schulze. Das heißt, der Effekt hat nachgelassen. Ein neueres Insektizid mit dem Namen Spinosad habe zwar eine sehr gute Wirksamkeit, sei aber extrem teuer. Den gesamten Stall damit zu desinfizieren, gehe nicht - "man nimmt es für lokal begrenzte Anwendungen".

Inzwischen habe sich aber vor allem in Deutschland eine Methode durchgesetzt, bei der der leere Stall komplett mit Kieselgur behandelt wird - Siliciumdioxid. Wie eine weiße Kalkfarbe wird das flüssige Silikat auf die komplette Innenausstattung des Stalles gesprüht. Milben bewegen sich kriechend fort, das Silikat sorgt dafür, dass der Chitinpanzer der Tiere aufreißt und die Milben vertrocknen. "Es ist ein rein physikalisches Mittel, was uns in der Bekämpfung der Roten Vogelmilbe sehr weiter gebracht hat", sagte Schulze. Auch große Geflügelbetriebe hätten dank der Silikatbehandlung keine Milbenprobleme.

Aber auch, wenn der Stall milbenrein ist, wenn die neue Hühnergruppe eingestallt wird, nach einer gewissen Zeit kommen die Parasiten wieder. Jetzt kommen zwei Faktoren zusammen: Die Legehennen bleiben sehr lange im Stall - bis zu eineinhalb Jahre. Und gerade im Sommer vermehren sich die Milben sehr stark. Mit anderen Worten: Nach längerer Zeit können die Milben wieder zu einem größeren Problem werden. "Eine Silikatbehandlung können sie nicht machen, weil Tiere im Stall sind", sagt Schulze.

Als sich das offiziell homöopathische Mittel Dega-16 mit seiner illegalen Fipronil-Beigabe als hochwirksam gegen die Rote Vogelmilbe zeigte, griffen Landwirte zum vermeintlichen Wundermittel. Schulze nimmt die Betriebsführer in Schutz. "Das kann der einzelne Tierhalter nicht abschätzen. Dieses Produkt hatte eine Registrierung und eine Zulassung."