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Wirtschaft
12/09/2021

Covid-Hilfen: Warum Kleinbetriebe schon beim Antrag scheitern

Beim Verlustersatz passen Zeitraum und Schwellenwert nicht zusammen. Wirtschaftskammer fordert dringend Änderungen.

von Anita Staudacher

Rasch und unbürokratisch sollten die Covid-Wirtschaftshilfen sein, um die finanziellen Folgen des Lockdowns abzufedern. Doch in der Praxis scheitern viele Betriebe schon bei der Antragstellung. Auf ein neues Problem beim Verlustersatz weist nun die Sparte Handwerk und Gewerbe in der Wirtschaftskammer (WKO) hin.

Der Verlustersatz kann zwar nicht den Geschäftsausfall ersetzen, soll aber zumindest das Überleben der von der Schließung betroffenen Betriebe sichern. Darunter fallen etwa  Veranstaltungstechniker und Berufsfotografen, die ohne Events keine Aufträge haben, sowie Bäcker und Konditoren oder das Kunsthandwerk, das ohne Weihnachtsmärkte keine Absatzmöglichkeiten hat. Das Problem: Die Antragskriterien können von vielen Klein- und Kleinstbetrieben gar nicht erfüllt werden...

Beim Verlustersatz gilt eine Ersatzrate von 70 bis 90 Prozent des Verlustes. Voraussetzung ist ein Umsatzeinbruch von mindestens 50 Prozent von November bis Dezember im Vergleich zu November/Dezember 2019 bzw. mind. 40 Prozent Umsatzeinbruch von Jänner bis März 2022 im Vergleich zu Jänner, Februar und März 2019.

"Viele der am schwersten getroffenen Betriebe drohen schon bei den Antragskriterien durchzufallen", warnt Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Sparte Handwerk und Gewerbe in der Wirtschafskammer (WKO). Die 20 Lockdown-Tage würden sich nämlich auf zwei Monate - den November und Dezember 2021 verteilen. Antragsberechtigt wäre nach aktuellem Stand aber nur, wer auf Monatsbasis mehr als  50 Prozent Umsatzeinbuße im Vergleich zu 2019 nachweisen kann.

"Es werden also Zeiten mit normalen Umsätzen mit solchen ganz ohne Umsätze in einem Topf geworfen. Das passt überhaupt nicht zusammen“, sagt Scheichelbauer-Schuster. Zudem würden nach aktuellem Stand für den Zeitraum Jänner bis März 2022  40 Prozent Umsatzausfall vorausgesetzt.

Ausfälle gefährden Existenz

Besonders für kleinere Unternehmen, die kaum über Eigenmittel verfügen und nach 21 Krisenmonaten extrem  angeschlagen seien, könne jedoch schon ein Viertel Umsatzausfall existenzgefährdend sein, so die Spartenobfrau. Sie fordert deshalb eine deutliche Absenkung der Antragsschwelle, so wie das beim Härtefallfonds und Ausfallsbonus III vorgesehen ist.  „Das ist keine Nebensächlichkeit, sondern überlebenswichtig. Viele Betriebe drohen aus dem Hilfsnetz zu fallen, auf das sie dringend angewiesen sind.

Preissteigerungen

Scheichelbauer-Schuster gibt weiters zu Bedenken, dass in den Vergleichszeitraum 2019 versus 2021 zwei Runden mit Gehaltserhöhungen sowie gewaltige Preissteigerungen bei Rohstoffen und Vorleistungen in den vergangenen Monaten gegeben habe. "Diese treiben die Umsätze in die Höhe, schmälern aber die Ertragslage. „Das ist gar nicht eingepreist, somit müsste der Schwellenwert eigentlich noch viel tiefer angesetzt werden". Die Kriterien müssten praxisgerecht sein, sonst komme die Hilfe nicht an.

Hilfe kommt zu spät

Der Verlustersatz, der erst Anfang 2022 beantragt werden soll, lande erst Monate später auf den Konten der betroffenen Unternehmen und komme daher viel zu spät, kritisiert wiederum der Handelsverband.  "Der heimische Handel befindet sich aufgrund des harten Lockdowns in existenzieller Not. Nur jedes siebte Handelsunternehmen ist mit der Abwicklung der Corona-Staatshilfen zufrieden",  sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. Viele hätten das Gefühl, auf der Strecke zu bleiben und in Bürokratie zu versinken.

Ausfallsbonus zu niedrig

Unzufrieden sind die Händler auch mit den Details zum neuen Ausfallsbonus III. Einzel- und Großhändler mit einem Umsatzverlust von mehr als 30 Prozent  im November und Dezember 2021 (im Vergleich zum Betrachtungszeitraum 2019) erhalten demnach nur 10  bis 20  Prozent der Umsatzausfälle ersetzt. Zudem ist der Ausfallsbonus III mit max. 80.000 Euro gedeckelt.

"Weder berücksichtigt man den Umstand, dass manche Unternehmen seit 2019 gewachsen sind und daher automatisch auch höhere Umsätze erwirtschaften, noch wird dem Faktum Rechnung getragen, dass große Unternehmen mit einem 80.000 Euro Deckel keinesfalls das Auslangen finden können, wenn sie jede Woche Millionen verlieren", so Will.

Finanzministerium verspricht Adaptierungen

Das Finanzministerium verspricht Adaptierungen. "Hinsichtlich dem aktuell laufenden Verlustersatz sind wir wie beim Ausfallsbonus laufend im Austausch mit Wirtschaftsforschern, um eine bessere Datenbasis und Einschätzung hinsichtlich der Betroffenheit von Unternehmen zu bekommen und dem folgend etwaige Adaptierungen vorzunehmen", heißt es in einer Stellungnahme.

Dabei würden auch die Branchenspezifika und die Lockdowndauer  berücksichtigt, z.B. Vor- und Nachzieheffekte im Handel. Für 2022 soll es dann auch einen Verlustersatz III mit einer niedrigeren Eintrittsschwelle von 40 Prozent geben.

Hinweis: Alle wichtigen Infos zu Verlustersatz und Ausfallsbonus finden Sie hier

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